Frische im Takt: heute produziert, heute geliefert
In modernen Logistikumgebungen kann das Lager mehr sein als ein statischer Speicherort. Je nach Branche und Prozessanforderung übernehmen Lagersysteme zunehmend Funktionen, die über die reine Bevorratung hinausgehen. Eine mögliche Ausprägung ist der Sequenzierungsspeicher: ein System, das Produkte kurzzeitig zwischenlagert und sie anschließend in vorgegebener Reihenfolge für den nächsten Prozess bereitstellt.
Vom Lager zum Sequenzierungspuffer
Während ein klassisches Lager Produkte mittel- bis langfristig bevorratet, dient ein Sequenzierungsspeicher zur temporären Zwischenpufferung für nur wenige Minuten bis Stunden. Dadurch entkoppelt er Prozessschritte, beispielsweise die Produktion vom Versand. Ziel ist es, die Waren in einer exakten Reihenfolge an den nächsten Prozess zu übergeben.
In der Lebensmittellogistik – insbesondere bei frischen Fleischwaren – kann der Einsatz von Sequenzierungsspeichern sinnvoll sein. Hier müssen Produkte häufig noch am selben Tag ausgeliefert werden, was eine kurzfristige Bereitstellung individuell zusammengestellter Aufträge erforderlich macht. Über die gezielte Pufferung und Auslagerung, etwa nach dem First-In-First-Out(FIFO)-Prinzip, lassen sich Lagerbestände nach Haltbarkeit steuern. Gleichzeitig unterstützt das System den Umgang mit der Varianz von Naturprodukten. Auch bei tagesaktuellen Aufträgen mit stark schwankenden Mengen ermöglicht der Puffer kurze Durchlaufzeiten.

Komplexität in Sekunden sortiert
Sequenzierungsspeicher werden häufig in bestehende Lager- oder Fördersysteme integriert, etwa in Form eines Shuttle-Systems. Ein Praxisbeispiel ist der Geflügelproduzent Borgmeier Frischgeflügel, der täglich rund 220 Tonnen Frischware verarbeitet. Viele Kundenaufträge treffen erst wenige Stunden vor der Verladung ein. Da die Produkte in der Regel bereits am Tag der Schlachtung ausgeliefert werden müssen, war eine Lösung erforderlich, die für kurzfristige Sortierung und Bereitstellung ausgelegt ist.
Unitechnik realisierte hierfür ein Logistiksystem mit einem automatisierten Shuttle-Lager, das eine Anlagenleistung von rund 3.000 Behältern pro Stunde ermöglicht. Im Zentrum steht ein viergassiges Shuttle-Lager mit 104 Shuttle-Fahrzeugen auf 26 Ebenen. Die Ware verbleibt nur wenige Stunden im System und wird sowohl sachlich (nach Artikel) als auch zeitlich (nach Auftragspriorität) sortiert. Bei Abruf werden die Warenträger in der zuvor definierten Reihenfolge ausgelagert und an Kommissionierplätzen bereitgestellt.
Das System fungiert als kurzfristiger Puffer zwischen Produktion und Versand. Ziel ist es, die Waren auftragsbezogen in der richtigen Reihenfolge bereitzustellen und so kurze Durchlaufzeiten im Versandprozess zu ermöglichen.
Ergonomie und Fehlervermeidung durch gute Arbeitsplatzgestaltung
Ein zentrales Merkmal des Systems ist die auftragsspezifische Auslagerung der Waren, bei der die Artikel bereits in der richtigen Reihenfolge an den Kommissionierplatz gelangen. Dadurch entfällt das manuelle Zusammentragen der Ware – die Mitarbeitenden können direkt mit der Palettierung beginnen. Fehler durch falsche Artikelauswahl werden vermieden, da das Lagerverwaltungssystem den Kommissionierer Schritt für Schritt anleitet. Die intuitive Systemführung erleichtert zudem die Einarbeitung neuer Mitarbeitender.
Die Kommissionierstationen sind ergonomisch gestaltet. Säulenheber sorgen dafür, dass das Arbeitsniveau unabhängig vom Beladungsstand der Palette konstant bleibt und die körperliche Belastung verringert wird.

Fazit: wenn das Lager die Reihenfolge kennt
Die Rolle des Lagers kann je nach Branche und Produktanforderung deutlich über klassische Bevorratung hinausgehen. In bestimmten Anwendungen steht nicht die Lagerung im Fokus, sondern die kurzfristige Bereitstellung von Waren in definierter Reihenfolge. Insbesondere bei frischen Lebensmittel, die am selben Tag ausgeliefert werden müssen, kann ein sequenzierender Puffer eine geeignete Lösung sein.
Entscheidend ist, dass die Ausgestaltung des Systems zur jeweiligen Prozesslogistik passt – sei es als klassisches Lager, als kurzfristiger Puffer oder als Kombination daraus. Genau hier liegt die Stärke eines herstellerunabhängigen Systemintegrators: Lösungen flexibel auf den jeweiligen Bedarf ausrichten.
Mehr Informationen rund um das Projekt finden Interessierte hier: https://www.unitechnik.com/logistiksysteme/news/unitechnik-bringt-tempo-in-die-gefluegelbranche.html


Leave a Reply