3 Aug 17

Import/Export: Es bleibt spannend – Kille-Pitch Nr. 16

Der deutschen Wirtschaft geht es gut – so das einhellige Urteil. Auch wenn die Krisenherde sowohl außerhalb Deutschlands (Brexit, Türkei, USA etc.) als auch innerhalb der deutschen Wirtschaft (Dieselgate, Kartellverstöße der großen Autobauer) nicht weniger werden. In Summe zeigen dies auch die Auswertungen des Import-/Export-Seismografen Deutschland (ISD/ESD) für das 1. Quartal 2017, den das IAL der FHWS in Zusammenarbeit mit der AEB und Hocke + Partner erstellen (die gesamten Ergebnisse sind unter http://static.aeb.com/mailings/d/aeb-export-import-seismograf-2.2017.pdf abrufbar)

Abbildung 1: Exporte in Q1/2017 im Überblick

Abbildung 1: Exporte in Q1/2017 im Überblick

 

Kein Trump-Effekt

Gegenüber dem Vorjahresquartal kletterten die Exportmengen um 4,7 Prozent auf 101,7 Mio. t. Wertmäßig gab es sogar ein Plus von 8,5 Prozent auf 319 Mrd. Euro. Hauptkunde gemessen am Wert bleiben die EU-Länder mit einem Anteil von 60,6 Prozent, gefolgt von den USA (9,4 Prozent) und China (6,6 Prozent). Demgegenüber bleiben die deutschen Importe bleiben vom Gewicht her stabil bei 164 Mio. t und stiegen wertmäßig um 10 Prozent auf 259 Mrd. Euro.

Abbildung 2: Importe in Q1/2017 im Überblick

Abbildung 2: Importe in Q1/2017 im Überblick

 

Ein Trump-Effekt ist bisher ausgeblieben. Gemessen am Gewicht stiegen die Exporte in die USA um 11 Prozent auf 2,3 Mio. t; gemessen am Wert war ein Plus von 8,1 Prozent auf 29,1 Mrd. Euro zu verzeichnen. Die USA sind und bleiben ein wichtiger Handelspartner. Aber auch China hat mehr Waren nachgefragt: im 1. Quartal 2017 summierte sich der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahresquartal auf +18,9 Prozent auf ebenso 2,3 Mio. t. Im Gegensatz dazu sind die Importe um 1,4 Prozent auf 3,4 Mio. t zurückgegangen.

Abbildung 3: Exporte in ausgewählte Länder

Abbildung 3: Exporte in ausgewählte Länder

 

Brexit bringt Volatilität

Wer den ISD/ESD in den vergangenen Jahren verfolgt hat, konnte eines identifizieren: Die Exportpartner in Übersee waren in ihrer Nachfrage gemessen an den Mengen sehr volatil. Stabiler hat sich die EU entwickelt. Auch im 1. Quartal 2017 konnte ein Wachstum verzeichnet werden. Dieses beläuft sich zwar „nur“ auf 3,5 Prozent. Jedoch sind die Ausschläge weniger heftig. Für Deutschland und die Logistik ist der Binnenmarkt entsprechend ein Stabilitätsanker – aber auch für die anderen Länder Europas.

Eindrücklich zeigt sich dies durch den Brexit: kaum in den Austrittsverhandlungen, wird der Außenhandel mit Großbritannien volatil. Die deutschen Exporte sind zwar insgesamt nach Tonnage um 2,9 Prozent gestiegen, die Importe sind dagegen jedoch um 17,7 Prozent eingebrochen. Diese Entwicklung war auch der Tageszeitung DIE WELT einen Artikel wert (http://hd.welt.de/Wirtschaft-edition/article166940200/Brexit-kostet-deutsche-Unternehmen-bereits-Geld.html). Ein Grund für diesen Einbruch liegt in den stark zurückgegangenen Importen von Erdöl bzw. Erdgas. Aber auch Lebensmittel (-15,2 Prozent) und Maschinen (-8,8 Prozent) leiden unter den Entwicklungen. Die Importe der Automobilindustrie nach Deutschland sind zwar deutlich geringer zurückgegangen (-1,7 Prozent). Allerdings sind auch die Exporte nach Großbritannien um 3,7 Prozent gesunken – gegen den Trend. Dies ist ein deutliches Indiz, dass die Unsicherheit bei den Briten ausreichend groß ist, dass Investitionen in Automobile zurückgestellt werden.

Abbildung 4: Detailergebnisse zu Großbritannien

Abbildung 4: Detailergebnisse zu Großbritannien

Wie sich dies im Laufe des Jahres noch entwickelt, wird sich zeigen. Die Automobilindustrie macht Sorgen, ebenso die Entwicklungen in der Türkei wie auch in den wichtigen Märkten USA und Russland. Wie erwähnt sind die Märkte insgesamt sehr volatil – insbesondere wenn sie nicht in einen „Single Market“ wie die EU eingebunden sind. Es bleibt spannend, die Ergebnisse weiter zu verfolgen.

 

One Comment

  1. Wolfgang Seuthe, Logistics Consultant says:

    Es ist positiv, dass die Importe wertmäßig leicht über den Exporten liegen, um die viel zu hohen Überschüsse zu reduzieren. Exporte in Drittländer bleiben volatil, daher ist es wichtig den Eu Markt weiter zu pflegen und auch die Brexit Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Die Engländer merken bald, wie sehr sie sich selbst mit dem Brexit schaden und werden versuchen, mit Sonderregelungen (z. B. für schottische Produkte und Irland) die Konsequenzen zu mildern.
    Mr. Trump sollte intelligent genug sein zu erkennen, dass er international nicht wie in seinen Unternehmen “herum bolzen” kann odern bald scheitern. Europa wird sich endlich politisch und wirtschaftlich unabhängiger machen/selbstständiger werden und damit gewinnen.
    Mit Putin muss ein neuer Weg gefunden werden ohne unwirksame Sanktionen, Putin lässt das Volk leiden oder findet Auswege/Ersatz-Märkte. Deutschland/die EU und Russland brauchen einander wirtschaftlich, für die USA hat Asien immer Vorrang vor Europa.

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