In der Logistikbranche schafft die Kombination von Qualitätsmanagement (QM) und Nachhaltigkeitsansätzen entscheidende Wettbewerbsvorteile. Denn der logistische Berufsalltag ist von vielen Herausforderungen geprägt: Hohe Energiekosten, wachsende und ändernde Kundenbedürfnisse, Personal- und Fachkräftemangel, anfällige Lieferketten und die stetige Kundenanforderung zu Nachhaltigkeit und Digitalisierung.
Warum ist es zukunftsweisend und sinnvoll diese beiden Disziplinen miteinander entlang der Supply Chain zu verknüpfen?
Die Verbindung von Nachhaltigkeit und QM schafft eine gemeinsame strategische Ausrichtung, um ökologische, ökonomische und soziale Ziele miteinander zu verbinden. Daraus ergeben sich konkrete betriebliche Vorteile:
1. Gemeinsame Zielsetzung: Effizienz und Ressourcenschonung
Nachhaltigkeit und Qualitätsmanagement teilen das Prinzip der Ressourceneffizienz. Während QM auf Fehlervermeidung, Prozessstabilität und kontinuierliche Verbesserung setzt, zielt Nachhaltigkeit auf Ressourcenschonung, Emissionsreduktion und langfristige Tragfähigkeit ab.
Zwei Beispiele aus der heutigen Zeit sind:
- Einsatz nachhaltiger Verpackungskonzepte mit Wiederverwendungspotenzial
- Senkung des Energieverbrauchs durch moderne Fuhrparks und energieeffiziente Lagertechnik
Durch gemeinsame Projekte – wie etwa Lean Logistics unter Berücksichtigung ökologischer Kennzahlen – lassen sich doppelte Wirkungen erzielen: geringere Kosten und verbesserte Umweltleistung.
2. Verbesserung der Prozessstabilität und Reduktion von Umweltauswirkungen
Fehlprozesse in der Logistik – wie Sendungsverluste, Fehlverladungen oder Nachlieferungen – führen zu unnötigen Kosten und Ressourcenverbrauch (Arbeitszeit, Zusatzfahrten, Verpackungsverbrauch und erhöhtem Energieeinsatz). Durch etablierte QM-Methoden (z. B. PDCA-Zyklus, FMEA oder Prozesskennzahlen) können diese Risiken frühzeitig erkannt und systematisch minimiert werden.
Nachhaltigkeitsziele wie CO₂-Neutralität, Abfallvermeidung oder Biodiversitätsschutz profitieren direkt von stabilen und transparenten Prozessen. Darüber hinaus ermöglichen qualitätsgesicherte Daten eine verlässliche Nachhaltigkeitsberichterstattung.
3. Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
In Ausschreibungen, Kundenverhandlungen und Investorenbewertungen gewinnt der Nachweis nachhaltiger und qualitätsgesicherter Leistungen zunehmend an Bedeutung. Zertifizierungen wie ISO 9001 (Qualitätsmanagement), ISO 14001 (Umweltmanagement) oder ISO 45001 (Arbeitssicherheit) werden mittlerweile als Standard angesehen und stellen somit keinen Vorteil oder Alleinstellungsmerkmal dar.
Einen Nachhaltigkeitsstandard zum Beispiel für neue Logistikgebäude, nachhaltige Verpackungen, Mehrwegkonzepte hingegen zeigen ein klares Commitment zu Nachhaltigkeit und somit zukunftsgewandten Denken. Nachhaltigkeitszertifizierungen bewerten die Einhaltung bestimmter für ihr Unternehmen sinnvolle Umwelt- und Sozialstandards.
4. Einhaltung regulatorischer und gesellschaftlicher Anforderungen
Die ESG-Berichtspflicht (Environmental, Social, Governance), Lieferkettengesetze oder CO₂-Bepreisungsmodelle stellen Unternehmen der Logistikbranche vor neue Nachweispflichten und somit weiteren Herausforderungen. Die ESG-Berichtspflicht verpflichtet Unternehmen zur Veröffentlichung von Informationen über ihre Nachhaltigkeitsleistungen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG). Diese Pflicht basiert auf der europäischen Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und wird stufenweise ausgeweitet. QM-Systeme bieten bereits bewährte Strukturen, um diese Anforderungen systematisch zu erfüllen:
- Kennzahlenbasiertes Monitoring und kontinuierliche Verbesserung
- Lieferantenbewertung unter Einbezug ökologischer und sozialer Kriterien
Zukunftsorientierte QM-Fachkräfte oder Beauftragte für Integrierte Managementsysteme erweitern ihre Perspektive daher um Nachhaltigkeitsaspekte und arbeiten eng mit CSR (Corporate Social Responsibility)- oder Umweltbeauftragten zusammen. CSR kann auch zu einem wirtschaftlichen Vorteil führen, da Unternehmen mit verantwortungsvollem Verhalten oft eine höhere Attraktivität für Fachkräfte und Kunden haben.
5. Förderung einer nachhaltigen und lernenden Unternehmenskultur
Nachhaltigkeit erfordert ein Umdenken auf allen Ebenen – von operativen Beschäftigten bis zur Geschäftsführung. Die aktive Beteiligung aller Mitarbeiter und die stetige Verbesserung von Prozessen und Produkten, um die Kundenzufriedenheit zu steigern und so langfristigen Geschäftserfolg zu sichern sind der Schlüssel. QM unterstützt hierbei methodisch, etwa durch Schulungen, Lessons-Learned-Prozesse, gezieltes Ideenmanagement sowie kontinuierlicher Verbesserung. Gerade im Schichtbetrieb oder in dezentral organisierten Logistiknetzwerken ist die Kombination aus Qualitäts- und Umweltbewusstsein entscheidend für den Erfolg. Viele Unternehmen sind heute bereits erstaunt, wie viele Ideen der Belegschaft und Verbesserungsvorschläge einen direkten oder indirekten Umweltbezug haben. Oftmals werden sechsstellige Beträge hierdurch eingespart.
Eine so gelebte Kultur fördert Identifikation, Innovationsfähigkeit, langfristige Bindung der Mitarbeitenden und führt zu einem nachhaltigen Erfolg in Zeiten globaler Wettbewerbsausrichtung.
Fazit
Nachhaltige Logistik und professionelles Qualitätsmanagement sind die Basis für eine zukunftssichere Supply Chain. Unternehmen, die beide Disziplinen verbinden, senken Kosten, schonen Ressourcen, steigern Effizienz und erfüllen gleichzeitig steigende Anforderungen an Umwelt- und Klimaschutz.
Gerade in einer Branche mit hohem Wettbewerbsdruck und wachsendem regulatorischem Umfeld bietet die Verknüpfung beider Disziplinen nicht nur eine strategische Chance, sondern eine betriebliche Notwendigkeit agil in die Zukunft zu gehen. Qualitätsfachkräfte in der Logistikbranche sind deshalb zentrale Treiber für die nachhaltige Transformation von Prozessen, Produkten und Partnerschaften.
Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie tiefer in das Thema Managementsysteme einsteigen möchten.
Deutsche Gesellschaft für Qualität



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