Rückblick zum 171. Treffen der BVL Regionalgruppe Franken am 23.04.2026
BVL-Besichtigung bei der Feuerwehr Nürnberg – Einblicke in moderne Einsatz- und Logistikstrukturen
Im Rahmen einer Veranstaltung der Bundesvereinigung Logistik (BVL) hatten wir gestern die Gelegenheit, die Feuerwache 1 der Berufsfeuerwehr Nürnberg zu besichtigen. Die Wache ersetzt seit einigen Jahren das historische Feuerwehrhaus aus dem Jahr 1904, das den heutigen Anforderungen – insbesondere hinsichtlich moderner Einsatzfahrzeuge und logistischer Abläufe – nicht mehr gerecht werden konnte.
Mit einem Investitionsvolumen von über 50 Millionen Euro ist ein hochmoderner Neubau entstanden, in dem zahlreiche zentrale Einrichtungen der Feuerwehr gebündelt sind. Zu Beginn erhielten wir von Bastian Richter aus dem Stab Bau der Berufsfeuerwehr Nürnberg eine umfassende Präsentation. Er erläuterte den Weg von der Planung bis zur Realisierung des Neubaus und stellte anhand von Grundrissen die Struktur der Anlage vor. Dazu gehören unter anderem sechs Fahrzeughallen, Räumlichkeiten für den Wachdienst, die Telekommunikationsabteilung der Stadt Nürnberg/Feuerwehr, Ausbildungsbereiche sowie Werkstätten wie Schreinerei und Wäscherei, Logistikflächen für Sondergeräte und spezielle Dekontaminationsbereiche.
Beim anschließenden Rundgang mit Florian Thüroff konnten wir die zuvor vorgestellten Bereiche aus nächster Nähe erleben. Besonders deutlich wurde dabei, dass jede Feuerwache neben dem regulären Wachdienst auch zentrale Aufgaben für andere Standorte übernimmt. In der Feuerwache 1 ist beispielsweise die Schneiderei angesiedelt, die für Berufs- und freiwillige Feuerwehren Uniformen repariert, anpasst und bestickt. Hierfür werden täglich Logistikrundläufe organisiert, um die Einsatzbereitschaft jederzeit sicherzustellen.
Ebenso beeindruckend ist die hauseigene Schreinerei, die verschiedenste Holzarbeiten übernimmt – von individuellen Anfertigungen bis hin zum schnellen Verschließen beschädigter Fenster nach Einsätzen. Ergänzt wird dies durch ein Sondergeräte-Logistiklager, ein kompaktes Hochregallager, in dem unter anderem Löschmittel, Wasserpumpen für Unwetterlagen und spezielle Löschbehälter für Lithium-Ionen-Brände vorgehalten werden.
Ein besonders spannender Aspekt war die Geschwindigkeit und Effizienz der logistischen Abläufe: Im Einsatzfall werden benötigte Gerätschaften innerhalb von nur zwei Minuten auf entsprechende Logistikfahrzeuge verladen und gesichert. Diese Reaktionsfähigkeit verdeutlicht, wie essenziell reibungslose Prozesse in kritischen Situationen sind.
Darüber hinaus dient die Wache auch als Ausbildungsstandort, unter anderem für den Sanitätsdienst und Werkfeuerwehren. Ein weiteres Highlight war die Möglichkeit, einen bereits aufgebauten Krisenstab für eine anstehende Großübung zu besichtigen. Die hierfür benötigten Bürostrukturen – meist in Sporthallen oder Besprechungsräumen eingerichtet – können innerhalb von etwa einer Stunde nach Alarmierung vollständig aufgebaut werden.
Insgesamt erhielten wir einen beeindruckenden Einblick in einen hochkomplexen Logistikapparat, der sich in vielerlei Hinsicht von klassischen wirtschaftlichen Logistiksystemen unterscheidet. Dennoch konnten wir als Logistikexperten einige wertvolle Impulse mitnehmen.
Ein besonderer Dank gilt der Feuerwehr Nürnberg, die uns diese Einblicke ermöglicht hat. Bemerkenswert war zudem, dass sowohl unmittelbar vor als auch nach unserer Veranstaltung Einsätze stattfanden – ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie fordernd und unvorhersehbar der Alltag der Einsatzkräfte ist. Dem gesamten Team gebührt großer Respekt und Dank für ihren unermüdlichen Einsatz und ihre Einsatzbereitschaft zum Schutz unserer Gesellschaft.