Innovation in der Logistik - Fallbeispiel 4 "Pick-by-Vision"

Pick-by-Vision: Aktive Fehlervermeidung bei der manuellen Kommissionierung mit Augmented Reality

Manuelle Kommissioniersysteme sind wegen ihrer hohen Flexibilität und Rentabilität sehr beliebt. Gleichzeitig sind sie aber durch den Faktor Mensch besonders fehleranfällig. Die Technische Universität München entwickelte mit Pick-by-Vision ein System, bei dem eine Datenbrille den Kommissionierer durch visuelle Informationen optimal unterstützt und so hilft, Fehler beim Zusammenstellen von Artikeln mit teils schwerwiegenden Folgen zu verhindern.

Auf einen Blick:

  • Projektname: Pick-by-Vision II
  • Anwendungsbereich: Lagerlogistik / Kommissionierung
  • Forschungseinrichtung: Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik fml an der TU München
  • beteiligte Personen: Prof. Willibald A. Günthner, Tobias Rammelmeier
  • Projektpartner (Auszug): CIM GmbH, gepasystem GmbH, texxo Mobile Solution GmbH, TriloglQA, Adolf Würth GmbH & Co. KG, Kühne + Nagel (AG & Co.) KG
  • gefördert aus Haushaltsmitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. (AiF) im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.
Optimierung durch Technikinnovation: Pick-by-Vision reduziert manuelle Kommissionierfehler um bis zu 40 Prozent.

Was ist Pick-by-Vision?

Die Kommissionierung ist eine der zentralen Aufgaben in der Lagerlogistik. Obwohl es eine vergleichsweise einfache Tätigkeit ist, hängen von ihr bedeutende nachgelagerte Prozesse wie Produktion, aber auch wichtige Zielgrößen wie Kundenzufriedenheit ab. Mit dem Projekt Pick-by-Vision hat sich der Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik das Ziel gesteckt, die Mann-zu-Ware-Kommissionierung durch visuelle Informationen so zu optimieren, dass Fehler nahezu ausgeschlossen werden. Im Mittelpunkt des Projekts steht eine Datenbrille, die den Träger jederzeit mit kontextbezogenen Informationen versorgt. Die Brille zeigt dem Kommissionierer, in welchem Regal sich ein Artikel befindet sowie den kürzesten – und somit effizientesten – Weg dorthin. Die Position des Kommissionierers wird dabei durch ein Trackingsystem erfasst.

Zur Fehlererkennung dient eine in die Brille integrierte Kamera. Wird der auf einen Artikel aufgedruckte Barcode in deren Sichtfeld gehalten, informiert das System den Kommissionierer, ob er die richtige Ware gegriffen hat und in welcher Menge dieser Artikel zusammengetragen werden muss.

Erweiterte Informationen durch erweiterte Realität

Der stetige technische Fortschritt von Hardware-Komponenten eröffnet auch in der Logistik neue Anwendungsmöglichkeiten. Pick-by-Vision ist ein Beispiel dafür, wie sich logistische Prozesse durch die Nutzung dieser technischen Möglichkeiten optimieren lassen. „Augmented Reality“ nennt sich die Technologie, der sich die Wissenschaftler beim Projekt bedienten. Im Gegensatz zur virtuellen Realität, bei der sich ein Anwender komplett in einer computergenerierten Umgebung bewegt, wird die wirkliche Umgebung mit virtuellen Informationen angereichert und überlagert. Die rechnergenerierten und visualisierten Informationen werden kontextabhängig – das heißt zur richtigen Zeit und am richtigen Ort – in die Realität integriert.

Aktive Fehlerreduktion senkt Kosten

Die größte Fehlerquelle bei der Kommissionierung ist der Mensch. Unachtsamkeiten führen zum Griff ins falsche Lagerfach oder zur Zusammenstellung falscher Mengen – mit direkten Konsequenzen für den Kunden oder die eigene Produktion. Schon wenige Typ-, Mengen- oder Auslassungsfehler, die nicht rechtzeitig bemerkt werden, können schwerwiegende Folgen haben, beispielsweise, wenn durch ein falsches Bauteil Maschinen oder Fahrzeuge beschädigt werden. Verlassen fehlerhafte Lieferungen das Lager, verursachen Reklamationsabwicklungen und Nachlieferungen vermeidbare Kosten. Durch das wachsame Kameraauge der Datenbrille können Fehler schon bei deren Entstehung aktiv erkannt und so verhindert werden. Ein reaktives Fehlermanagement, bei dem Überprüfungen nach dem eigentlichen Kommissionierprozess notwendig sind, kann somit ganz eingespart oder zumindest reduziert werden.

Fehlerreduktion um 40 Prozent

In der Folge ergeben sich konkrete wirtschaftliche Vorteile, denn schon ein Prozent mehr Kommissionierfehler können zehn Prozent höhere Kosten in der Auftragsabwicklung verursachen. In Labor- und Praxistests konnte belegt werden, dass Pick-by-Vision die Fehlerquote gegenüber einer klassischen Kommissionierung um 40 Prozent reduziert. Daneben erleichtert die visuelle Unterstützung aber auch die Arbeitsabläufe des Kommissionierers. Bislang ist es üblich, beim manuellen Zusammentragen von Artikeln eine Pickliste mitzuführen, auf der Informationen wie Stückzahl und Lagerort der Waren vermerkt sind. Mit Pick-by-Vision und der automatisierten Identifikation bleiben beide Hände frei und auch das Abhaken einer Liste ist nicht mehr nötig. Bislang wurde Pick-by-Vision zu Test- und Evaluationszwecken bei Projektpartnern eingesetzt. Die Einführung der Google-Datenbrille wird von den Entwicklern daher mit Spannung erwartet, da diese eine mögliche Schnittstelle bietet, um Pick-by-Vision umfassend und anwenderfreundlich in der Praxis zu implementieren.

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