Entsorgungslogistik: Mehr als nur Müllbeseitigung

Logistik ist heute überall dort vorzufinden, wo Waren produziert werden. Wenn Logistik jedoch nur als Verteilung von Rohstoffen, Dienstleistungen, Produkten und Informationen verstanden wird, gerät ein wichtiger und überaus spannender Logistikbereich aus dem Blickfeld. Von entscheidender Relevanz für den reibungslosen Ablauf der Logistik ist nämlich auch die Beseitigung aller nicht weiter verwertbaren Produktionsrückstände. Diese Aufgabe übernimmt die sogenannte Entsorgungslogistik. Damit ist sie gewissermaßen das Gegenstück zur Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslogisitik. Vor allem hinsichtlich der behandelten Objekte grenzt sich die Entsorgungslogistik von den übrigen Logistikbereichen ab. So beziehen sich die anderen logistischen Teilsysteme auf Produktionsgüter, während in der Entsorgungslogistik Rückstände aller Art behandelt werden. Außerdem verläuft die Flussrichtung der Objekte in entgegengesetzter Richtung.

Grundlagen der Entsorgungslogistik

Grundaufgabe der Entsorgungslogistik ist es, Abfälle aller Art zu sammeln, zu sortieren, zu verpacken, zu lagern und schließlich abzutransportieren. Bei den Abfällen kann es sich alle möglichen Arten von Abfallstoffe wie Ausschuss, Überschuss, überalterte Fertigwarenbestände, recycelbare Materialien, ungewollte Kuppelprodukte oder auch Ladehilfsmittel wie zum Beispiel Paletten und Verpackungen handeln.

Die Entsorgungslogistik besteht aus drei Stufen. Sie werden auch als Wertrückgewinnungsstufen bezeichnet. Die erste Stufe ist die Redistributionslogisitk. In dieser Phase werden die anfallenden Rückstände eingesammelt, sortiert und für die weitere Verwendung klassifiziert. Die zweite Stufe ist die Aufbereitungslogistik, in der die gesammelten Rückstände stofflich (Recycling) oder energetisch (Verbrennung) verwertet werden. Die dritte und letzte Stufe ist die Wiedereinsatzlogistik. Hierbei wird die endgültige Verteilung der Rückstände vorgenommen. Material das nicht weiterverarbeitet oder verbrannt werden kann, wird deponiert.

Da diese Entsorgungsprozesse teuer sind, wird in den Unternehmen schon bei der Planung neuer Produktionsabläufe darauf geachtet, die Menge des anfallenden Abfalls möglichst gering zu halten. Durch die Einbindung der Entsorgungslogistik bereits im Planungsstadium können Einsparpotenziale aufgedeckt und somit Entsorgungskosten minimiert werden. Schon Henry Ford wies zum Beispiel einen Teil seiner Lieferanten an, ihm Fertigteile in Holzboxen bestimmter Größe anzuliefern. Diese Boxen wurden zerlegt und ergaben dann den Boden zahlreicher früher Ford-Modelle. Die Entsorgungslogistik arbeitet auch heute noch nach diesem Prinzip: Abfall soll möglichst vermieden werden. Wo das nicht möglich ist, wird eine interne oder externe Verwertung der Rückstände angestrebt – Recycling also. Die Entsorgung als Abfall ist die am wenigsten attraktive Lösung, da hier die höchsten Kosten anfallen.

Das Kreislaufwirtschaftsgesetz

Für die einzelnen Bereiche der Entsorgungslogistik gibt es zahlreiche Vorschriften, Auflagen und Gesetze. Das bedeutendste ist das Kreislaufwirtschaftsgesetzt (KrWG). Der Zweck des Gesetzes ist die Förderung der Kreislaufwirtschaft, um die natürlichen Ressourcen zu schonen und Abfälle möglichst umweltfreundlich zu beseitigen. Das Ziel des Gesetzes ist es, die Menge an Abfällen so weit wie möglich zu reduzieren. Entsprechend erfasst das Gesetzt nicht nur Abfälle zur Beseitigung, sondern auch Abfälle zur Verwertung (Rohstoffe und Wirtschaftsgüter), die nicht auf eine Deponie gehören, sondern stofflich oder energetisch verwertet werden.

Unterschieden werden auch die Abfallarten. Nach dem Gesetzt gibt es zwei Arten von Abfällen: gefährliche Abfälle und ungefährliche Abfälle.

Von Bedeutung für die Entsorgungslogistik ist das Verursacherprinzip, die Vermeidungspflicht, die Produktverantwortung und die Verwertungspflicht.

Verursacherprinzip: Um die Entstehung und Verwertung von Abfällen erfolgreich organisieren zu können, muss klar sein, wer dafür verantwortlich ist. Daher sind nach dem KrWG Erzeuger und Besitzer von Abfällen zur Vermeidung, Verwertung und Beseitigung verpflichtet.

Vermeidungspflicht: Diese Verpflichtung zielt darauf ab, dass bei der Produktion so wenige Abfälle wie möglich entstehen.

Produktverantwortung: Hier geht darum, schon bei der Entwicklung und der Produktion eine Verminderung des Abfalls sicher zu stellen. Auch sollen Entsorgungslösungen entwickelt werden, um den Produktions- und Verwertungskreislauf zu schließen.

Verwertungspflicht: Abfälle können nicht immer vermieden werden. Sie müssen ordnungsgemäß und umweltverträglich verwertet werden. Allerdings nicht „um jeden Preis“, sondern nur dann, wenn es der Umwelt zuträglich ist. Weiterhin muss die Verwertung für den Betroffenen (technisch) möglich und wirtschaftlich verträglich sein.

Operative Aufgaben der Entsorgungslogistik

Ein Unternehmen muss sich in Bezug auf die Entsorgungslogistik um die Rückstände aus den Produktions- und Arbeitsprozessen kümmern. Daraus können die folgenden operativen Aufgaben der Entsorgungslogistik abgeleitet werden:

  • Verminderung und Vermeidung von Abfällen schon in der Produktion
  • Verminderung und Vermeidung von Verpackungsabfällen
  • Verbesserte Verwertung und Wiedereinsteuerung von Abfällen durch Sammlung, Trennung und Rückführung
  • Nachweisführung über gefährliche Abfälle
  • Planung und Management des betrieblichen Entsorgungssystems

Entsorgungslogistik oder Recyclinglogistik

Nun dürfte deutlich geworden sein: Die Entsorgungslogistik ist ein integraler Bestandteil aller Produktionsprozesse. Das Hauptaugenmerk liegt zwar nach wie vor in der Beseitigung von Produktionsrückständen, doch gerade in Zeiten stetig steigender Rohstoffpreise wird zunehmend darauf geachtet, durch geschicktes Recycling einen Großteil der eingesetzten Rohstoffe einer gewinnbringenden Verwendung zuzuführen. Die frühzeitige Einbindung entsprechender Spezialisten auch aus dem Bereich Entsorgungslogistik schon im Stadium der Produktionsplanung ist deshalb heute an der Tagesordnung. Weitere Aufgaben werden hinzukommen, gesetzliche Vorgaben können sich wandeln und veränderte Produktionsmethoden werden neue Entsorgungslösungen erfordern. Die Aufgabenvielfalt in der Entsorgungslogistik wird also wahrscheinlich auch in Zukunft eher zu- als abnehmen und den Bereich zu einer Kreislauflogistik wandeln.

Quellen

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/entsorgungslogistik.html

https://books.google.de/books?id=b1O3tvUc2kwC&pg=PA158&lpg=PA158&dq=wiedereinsatzlogisitk&source=bl&ots=pH7-EKltJT&sig=Uszrlz5Ci81j6v3w5LI-L88D8-c&hl=de&sa=X&ei=thXbVJGNDYn2UIHPgfgP&ved=0CDAQ6AEwAg#v=onepage&q=wiedereinsatzlogisitk&f=false

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