Ein Nachruf auf den Unternehmer und Mäzen Klaus-Michael Kühne
verstorben am 24. August 2026
Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) trauert um Klaus-Michael Kühne
Mit dem Tod von Klaus-Michael Kühne verliert die deutsche und internationale Logistik eine ihrer bedeutendsten, prägendsten und unvergesslichsten Persönlichkeiten. Er war Unternehmer aus tiefster Überzeugung, Vordenker aus Leidenschaft und Förderer aus Herzensbedürfnis – auch als Ehrenmitglied der Bundesvereinigung Logistik (BVL). Sein Leben war und ist untrennbar mit der Entwicklung der globalen Logistik verbunden.
Geboren am 2. Juni 1937 in Hamburg, trat Klaus-Michael Kühne in die Fußstapfen seines Großvaters August Kühne, der das Unternehmen Kühne+Nagel im Jahr 1890 gemeinsam mit Friedrich Nagel gegründet hatte. Was als hanseatische Spedition begann, formte Klaus-Michael Kühne zu einem der global führenden Logistikkonzerne – mit weltweit 85.000 Mitarbeitenden, an 1.300 Standorten in 100 Ländern, davon etwa 15.000 Beschäftigte in Deutschland.
Klaus-Michael Kühne war kein Erbe, der das Geschaffene verwaltete. Er war ein Gestalter, der das Überlieferte stets neu erfand – auch wenn es unbequem war. In einer Zeit des globalen Wandels, der Digitalisierung der Lieferketten und des Bewusstseins für nachhaltige Mobilität hat er immer wieder bewiesen, dass Weitsicht und unternehmerischer Mut eng beieinander liegen und einander bedingen.
Die BVL dankt besonders für das ehrenamtliche Engagement von Klaus-Michael Kühne: für Kunst, Kultur, humanitäre Projekte, Wissenschaft, Vereine und Verbände – insbesondere „seines“ Wirtschaftsbereichs Logistik. Über viele Jahrzehnte hinweg engagierte er sich mit einer Hingabe, die weit über das übliche Maß hinausging. Ob als langjähriges Mitglied, als Förderer oder als geschätzter Impulsgeber auf dem Deutschen Logistik-Kongress – Klaus-Michael Kühne verstand die BVL als das, was sie im besten Sinne sein kann: einen Ort des offenen Austauschs zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Er glaubte daran, dass die Zukunft nicht allein in den Unternehmenszentralen entschieden wird, sondern im Dialog und im Miteinander ihrer Protagonisten.
Klaus-Michael Kühnes Leidenschaft galt nicht nur der Spitzenforschung und -Lehre, sondern auch der Wirtschaftsfachschule Deutsche Außenhandels- und Verkehrsakademie (DAV), der er nicht nur über seinen Freund Hanspeter Stabenau sehr verbunden war. Dort wurden exzellente Fachkräfte für die Speditions- und Logistikwirtschaft ausbildet – speziell diejenigen, die so schon seit den 1960er Jahren auf dem „Zweiten Bildungsweg“ zu anerkannten Abschlüssen und akademischen Weihen gelangen konnten. Kühne glaubte an die Kraft der Bildung. Die Lebensläufe der Absolventen gaben ihm recht.
Klaus-Michael Kühne wusste: Logistik ist ein Handwerk, das gelernt sein will. Aber sie ist auch eine Wissenschaft, die verstanden sein und eine Kultur, die weitergegeben werden muss – als Wissen, Können und Ethos in Generationen von Fach- und Führungskräften. Als einer der Großen der Logistik verstand er es zudem, sein Wissen und seine Erfahrungen nicht für sich zu behalten, sondern sie großzügig und unprätentiös zu teilen.
Im Unternehmer-Colloquium Spedition (UCS) stand er als Gesprächspartner und Ratgeber zur Verfügung – nicht als Patriarch, sondern als mitdenkender Kollege, der die Herausforderungen kleinerer und mittelständischer Speditionen ebenso ernst nahm wie die großen strategischen Fragen des globalen Logistikmarkts. Sein Engagement im UCS war Ausdruck eines tiefen Respekts vor dem Unternehmertum in all seinen Facetten.
Klaus-Michael Kühnes Wirken war eingebettet in ein umfassendes philanthropisches Schaffen. Mit der Kühne-Stiftung förderte er die Logistikforschung und -ausbildung auf internationalem Niveau. Die Kühne Logistics University in Hamburg steht als lebendiges Zeugnis für seinen Glauben daran, dass eine starke akademische Grundlage die Voraussetzung für leistungsfähige und verantwortungsbewusste Logistik ist. Auch der Hamburger Gesellschaft gegenüber blieb er zutiefst verbunden – als Förderer der Elbphilharmonie, als Investor und als Mensch, dem die Kultur seiner Heimatstadt am Herzen lag.
Klaus-Michael Kühne hinterlässt einen Wirtschaftsbereich, den er geprägt hat wie kaum ein anderer. Er hinterlässt Institutionen, die durch ihn gewachsen und stark geworden sind. Und er hinterlässt Menschen, die ihn nie vergessen werden – seine Ehefrau, Familie und Freunde sowie Weggefährten, Führungskräfte und Mitarbeitende seines Unternehmens und seiner Stiftungen, Wettbewerber, Hochschul-Verantwortliche, Professoren, Studierende und Kulturschaffende.
Die Bundesvereinigung Logistik, die Deutsche Außenhandels- und Verkehrs-Akademie und das Unternehmer-Colloquium Spedition werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Sie werden fortführen, wofür er mit Engagement und Inbrunst eingetreten ist: den Dialog, die Bildung, den Zusammenhalt und die Exzellenz in der Logistik.
Wir verneigen uns in tiefer Dankbarkeit vor einem Menschen, der viel bewegt hat.
Die Logistik hat einen Mentor und Visionär verloren – und die Welt einen Menschen, der sie in seiner unnachahmlichen Art immer wieder ein Stück besser gemacht hat.
Möge er ruhen in Frieden.
Bremen, 24. August 2026
Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer Ehrenvorsitzender der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.
Kai Althoff Vorstandsvorsitzender der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.
Christoph Meyer und Nicolai Hastedt Geschäftsführer der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.