Unternehmen setzen auf Digitalisierung und KI für Effizienz und Zukunftsfähigkeit
Künstliche Intelligenz ist in Logistik und Supply Chain Management angekommen. Zahlreiche produktive und pilotierte Anwendungsfälle zeigen, wie Unternehmen aktiv experimentieren und implementieren, um mit KI vor allem effizienter zu arbeiten und Kosten zu senken. Gleichzeitig bleibt die Auswahl der besten Resilienzstrategie angesichts geopolitischer Unsicherheiten eine zentrale Aufgabe. Das sind wesentliche Ergebnisse der neuen BVL-Vertiefungsstudie „KI und Resilienz: Supply Chains erfolgreich transformieren“, die auf der Studie „Trends und Strategien in Logistik und Supply Chain Management 2025/2026“ aufbaut und in Kooperation mit 4flow durchgeführt wurde. Für die Vertiefungsstudie wurden 61 Expertinnen und Experten aus Industrie, Handel und Dienstleistung interviewt. Sie gibt Einblicke in konkrete Anwendungen künstlicher Intelligenz, zeigt Strategien zur Stärkung der Resilienz auf und erörtert Rahmenbedingungen, unter denen Unternehmen die neuen Technologien wirtschaftlich und verantwortungsvoll nutzen können. Der BVL-Vorstandsvorsitzende und CEO von 4flow Kai Althoff: „Die Vertiefungsstudie macht deutlich, dass Resilienz ein immer wichtigeres Thema in internationalen Lieferketten wird und Digitalisierung und KI dazu beitragen können, die geforderte Resilienz zu erreichen. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass das Potenzial von KI in den Unternehmen erkannt wird, es aber gleichzeitig noch vielfältige Hürden bei der erfolgreichen und wirtschaftlichen Nutzung gibt.“
Komplexität bleibt Herausforderung für Supply Chains
Hohe und tendenziell zunehmende Komplexität ist einer der wichtigsten Trends in Logistik und Supply Chain Management. Als wesentliche Treiber nennen die Befragten eine hohe Produkt-, Sortiments- und Variantenvielfalt, geopolitische Ereignisse und Naturkatastrophen sowie eine volatile und schwer prognostizierbare Kundennachfrage. Knapp die Hälfte der genannten Komplexitätstreiber liegt innerhalb der Unternehmen oder ihrer Supply Chains und kann damit zumindest teilweise beeinflusst werden. Unternehmen sollten deshalb wirtschaftlich sinnvolle Vielfalt erhalten, unnötige interne Komplexität konsequent abbauen und Transparenz über die eigene Supply Chain schaffen. Dies bildet zugleich eine wichtige Grundlage, um Risiken frühzeitig zu erkennen und Resilienzmaßnahmen wirksam umzusetzen.
Resilienz wird zum dauerhaften Wettbewerbsfaktor
Für alle interviewten Expertinnen und Experten besitzt Supply-Chain-Resilienz eine hohe Bedeutung; 61 Prozent gehen davon aus, dass sie künftig noch wichtiger wird. Die Maßnahmen zur Steigerung der Resilienz zielen auf die Absicherung kritischer Versorgungswege, das Vorhalten zusätzlicher Kapazitäten, eine höhere Reaktionsfähigkeit sowie auf Supply-Chain-Risikomanagement und Szenarioplanung. Als besonders erfolgsreich haben sich Multi-Sourcing, höhere Bestände und Local-for-local Ansätze erwiesen. Welche Kombination von Maßnahmen besonders wirksam ist, hängt dabei vor allem von Risikoprofil und Reifegrad ab. „Resilienz kann mit unterschiedlichen Maßnahmen und Strategien verbessert werden“, sagt Althoff. „Entscheidend ist, die für die jeweilige Supply Chain richtigen Maßnahmen zu identifizieren und gegen Effizienz und Kosten abzuwägen.“ KI-Einsatz: Effizienz und Entscheidungsunterstützung im Mittelpunkt 83 Prozent der befragten Unternehmen nutzen oder pilotieren KI bereits in verschiedenen Anwendungsfällen. Das wichtigste Motiv ist branchenübergreifend die Senkung von Kosten beziehungsweise die Steigerung der Effizienz. Darüber hinaus soll KI helfen, schneller und qualitativ besser zu entscheiden, Komplexität zu beherrschen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Besonders verbreitet sind Anwendungen in Planung, Optimierung und Monitoring. Hinzu kommen Chatbots und persönliche Assistenzsysteme, Lösungen für Content-Erstellung und Dokumentation, Prognosen sowie Datenanalyse und Datenpflege. KI agiert dabei überwiegend nicht autonom, sondern unterstützt Menschen bei ihren Entscheidungen. Viele produktive oder erfolgreich pilotierte Anwendungen sind zudem standort- oder unternehmensweit skalierbar.
Klare Strategie und Business Case sind entscheidend
Trotz der hohen Dynamik verfügt ein erheblicher Teil der Unternehmen noch über keine klar erkennbare Strategie für die KI-Implementierung mit Regeln zur Auswahl, Risikosteuerung, Bewertung und Skalierung von KI-Projekten oder Piloten. Unternehmen wollen zudem ihre Handlungs- und Urteilsfähigkeit bewahren. 94 Prozent der Befragten befürworten Maßnahmen, um Abhängigkeiten von KI und KI-Anbietern zu begrenzen. Prozesshoheit, eigene Technologie oder Infrastruktur, klare Governance, Anbieteroptionalität und ein Parallelbetrieb beim Rollout spielen dabei eine wichtige Rolle. Fast die Hälfte der Erfolgsfaktoren für eine KI-Transformation sehen die Expertinnen und Experten in Verhalten, Kultur und Organisation. Der Business Case bleibt am Ende entscheidend: KI schaffe dann nachhaltigen Nutzen, wenn technologische Möglichkeiten, Prozesse, Kompetenzen und Wirtschaftlichkeit zusammen gedacht werden, lautet eine Essenz der Studie. Weitere Inhalte der Studie finden sich in der Übersicht, die auf der Seite www.bvl-trends.de abrufbar ist. Der vollständige Studienbericht ist am 20.10.2026 erschienen. Partner für die Umsetzung der Vertiefungsstudie ist 4flow SE um das Autorenteam Wendelin Groß, Dr. Ole Hansen und Hannes Zörner mit Unterstützung von Prof. Dr.-Ing. habil. Thorsten Schmidt von der TU Dresden und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der BVL.