22.10.2026
Mars, die Rewe Group, Rigterink, Einride und L.I.T. erhalten den Deutschen Logistik-Preis 2026. Prämiert wird ihr gemeinsames Vorhaben, eine elektrifi-zierte Lieferkette für schnelldrehende Konsumgüter über Unternehmensgrenzen hinweg aufzubauen. Die Auszeichnung wird im Rahmen der BVL Supply Chain CX im Estrel Berlin verliehen. Den zweiten Platz belegt die Rüdinger Spedition aus Krautheim, den dritten Platz erreicht der Snackhersteller Lorenz.
Das Siegerprojekt verbindet die Transportnetze von Produktion und Handel mit Logistik-dienstleistern und Technologiepartner zu einem durchgängigen elektrischen Korridor. Mars und Rewe Group realisieren das Konzept gemeinsam mit Einride sowie den Logistik-dienstleistern L.I.T. und Rigterink. Damit wird aus bislang getrennt organisierten Lkw-Verkehren eine aufeinander abgestimmte elektrifizierte Lieferkette vom Produktions-standort bis zur Versorgung der Märkte: Produkte aus Mars-Werken in Veghel, Viersen und Verden gelangen über das Zentrallager in Minden zum Rewe-Distributionszentrum in Oranienburg. Von dort aus werden rund 300 Märkte im Berliner Raum und weiter darüber hinaus versorgt.
Die Projektpartner zeigen, dass die Umstellung auf E-Lkw weit mehr erfordert als den Austausch von Antriebstechnologien. Produktionsrhythmen, schwankende Warenströme, Anlieferzeitfenster, Reichweiten, Lenkzeiten und Ladekapazitäten mussten in einer ge-meinsamen Planung zusammengeführt werden. Begrenzte Ladeinfrastruktur wird von mehreren Partnern genutzt und muss mit den Transportabläufen synchronisiert werden. Einride stellt hierfür Fahrzeuge, Transportleistungen und digitale Anwendungen für Lade-, Batterie- und Emissionsmanagement bereit. Rigterink elektrifiziert die Strecke zwischen Minden und Oranienburg sowie weitere Relationen mit Fahrzeugen aus der eigenen Flotte, die mittlerweile 22 Elektro-Lkw umfasst. Rewe ergänzt die elektrifizierten Ver-kehre mit weiteren Fahrzeugen. Ladeinfrastruktur wurde unter anderem an Standorten in Veghel, Recklinghausen, Verden, Minden und Oranienburg geschaffen. Darüber hinaus werden z.T. auch öffentliche Ladepunkte genutzt.
Die Umsetzung erfolgte im laufenden Betrieb und erforderte eine enge Abstimmung aller Beteiligten. In der Anlaufphase wurden elektrische Transporte teilweise unterbrochen, um die Lieferfähigkeit abzusichern. Nach Anpassungen in Planung und Prozessen konnte der Betrieb stabilisiert werden. Gerade diese gemeinsame Steuerung von Warenfluss, Ener-gieversorgung und Fahrzeugumlauf macht den Ansatz beispielhaft.
Bis Ende August 2026 absolvierten die verbundenen elektrischen Transportnetze von Mars und Rewe mehr als 3,7 Millionen Kilometer. Nach Berechnungen der Projektpartner wurden so rund 3.500 Tonnen CO₂-Äquivalente sowie etwa 1,1 Millionen Liter Diesel ein-gespart. Gegenüber vergleichbaren Dieseltransporten liegen die Emissionen nach dem Well-to-Wheel-Ansatz um mehr als 70 Prozent niedriger. Die Kennzahlen beziehen sich auf sämtliche betrachtete elektrifizierte Transporte beider Netze.
Die Jury würdigt damit einen Ansatz, der über eine einzelne Flottenumstellung hinaus-geht. Das Projekt schafft die Grundlage, weitere Relationen der Konsumgüterindustrie an einen funktionierenden elektrischen Korridor anzubinden und das Modell perspektivisch auf andere Regionen und Branchen zu übertragen.
Die Rüdinger Spedition kombiniert eine konsequente Bündelung von Stückgutmengen mit digitaler Steuerung, hoher Auslastung und gezieltem Einsatz elektrischer Nutzfahrzeuge. Im ländlich geprägten Zustellgebiet bündelt das Unternehmen Sendungen aus bis zu acht Stückgutnetzwerken. Dadurch entstanden wirtschaftlichere Touren: Seit 2018 stieg die Zahl der Eingangssendungen um 460 Prozent, während die durchschnittliche Kilometer-leistung je Stopp von 33 auf acht Kilometer zurückging. Damit wurde die Basis geschaf-fen, um den Nahverkehr effizient elektrifizieren zu können.
Rüdinger verfügt heute über 38 Elektro-Lkw, darunter 21 elektrische Sattelzugmaschi-nen. Sämtliche Nachtlinien werden elektrisch bedient; auch im Nahverkehr fährt mehr als die Hälfte der Flotte batterieelektrisch. Photovoltaik, Batteriespeicher, intelligente Lade-steuerung und eine optimierte Strombeschaffung senken die Energiekosten. Bis 2029 soll der eigene Nahverkehr vollständig elektrifiziert sein.
Lorenz wird für das Projekt „Pathfinder“ ausgezeichnet. Am Standort Neunburg vorm Wald liegen Produktion und Zentrallager nur etwa 500 Meter voneinander entfernt. Für den Transport der Fertigwaren auf dieser Strecke wurden bislang jährlich rund 180.000 Paletten in etwa 5.500 Fahrten mit Diesel-Lkw bewegt.
Diesen Pendelverkehr leisten durch Pathfinder heute vier autonome Elektrofahrzeuge Je-des Fahrzeug kann bis zu 15 Paletten transportieren. Lorenz bezieht den Transport als Dienstleistung von Einride, das die vier autonomen Fahrzeuge besitzt und betreibt. Eine digitale Plattform priorisiert die Transporte und überwacht die Fahrzeugbewegungen in Echtzeit. Im Regelbetrieb können so bis zu 1.350 Paletten am Tag zum Zentrallager transportiert werden. Für Ausnahmesituationen stehen zwei Elektro-Lkw und vier Trailer bereit.
Das Vorhaben verbindet Automatisierung und Elektrifizierung in einer bestehenden Werkslogistik. Die Fahrzeuge nutzen Strom aus der unternehmenseigenen Photovoltaik-anlage. Lorenz bezieht die Transportleistung im Modell „Transport as a Service“ und rech-net bereits nach einem Jahr mit einem wirtschaftlichen Betrieb. Perspektivisch prüft das Unternehmen auch fahrerlose Transporte auf öffentlicher Straße sowie automatisierte Be- und Entladeprozesse. Lorenz leistet hier ebenfalls Pionierarbeit: im Regelbetrieb den Ein-satz von autonomen Fahrzeugen.

