22 Mar 17

Blockchain in der Logistik: Aufbruch ins „Internet der sicheren Transaktionen“

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Blockchain ist eine Technologie zur Speicherung von Daten, die von der Entwicklergemeinde um das Open-Source-Projekt Bitcoin erfunden, erprobt und für die digitale Währung optimiert wurde. Doch sie hat das disruptive Potenzial, um auch in anderen Branchen bisherige Geschäftsmodelle in Frage zu stellen. Etwa in der Logistik und im Supply Chain Management.

Ein neues Schlagwort macht in der Logistikbranche die Runde: Blockchain. Der Hafen von Rotterdam hat bereits den Test von Blockchain-Logistikanwendungen angekündigt. In den nächsten zwei Jahren will ein Firmen-Konsortium im größten europäischen Seehafen verschiedene Applikationen ausprobieren, um logistische und vertragliche Informationen untereinander schnell und sicher auszutauschen.

Den Anfang machte die Reederei Maersk, die kürzlich zusammen mit dem Computerkonzern IBM in einem Pilotversuch Container-Transporte mit Blumen aus Kenia, Orangen aus Kalifornien und Ananas aus Kolumbien nach Rotterdam mit Hilfe der Blockchain nachverfolgt hat. Ziel des Projekts ist der Aufbau eines globalen Netzwerks von Spediteuren, Reedereien, Häfen und Zollbehörden.

Es soll voraussichtlich noch in diesem Jahr einsatzbereit sein und dabei helfen, Betrug und Fehler zu reduzieren. Zudem verkürzt diese Lösung den Zeitraum, in dem Produkte aus Übersee im Transit- und Verschiffungsprozess gebunden sind. Sie verbessert gleichzeitig das Bestandsmanagement und hilft letztlich dabei, Ausschuss und Kosten zu reduzieren.

Fälschungen von Transaktionen sind unmöglich

Worum geht es bei dieser Technologie? Wortwörtlich aus dem Englischen übersetzt bedeutet „Blockchain“ eine „Kette aus Transaktionsblöcken“. Sie ist als dezentrale Datenbank zu verstehen, die es Unternehmen und Privatpersonen erlaubt, Zahlungen und andere Transaktionen ohne jegliche Vermittler durchzuführen.

Dabei werden beliebige Informationen in verschlüsselten und komprimierten Dateneinheiten, den sogenannten Blocks, gespeichert. Das Speichern erfolgt hierbei nicht nur auf einem zentralen Server, sondern auf allen Speichermedien des Netzwerks – allerdings erst nach einer Überprüfung. Auch die Aktualisierung erfolgt auf allen Speichermedien gleichzeitig.

Das Prinzip hinter Blockchain: Transaktionen werden sauber hintereinander aufgelistet – in einer lückenlosen Kette. Jede Transaktion bekommt einen Zeitstempel und ist durch kryptologische Verfahren abgesichert. Hierbei werden Private und Public Key der beiden Beteiligten – Sender und Empfänger – verwendet. Eine Nachfolgertransaktion passt nur auf den Vorgänger, dies wird über eine Hash-Verknüpfung sichergestellt. Dabei liegen diese Datenketten identisch auf einer Vielzahl von dezentralen Rechnersystemen, was Fälschungen unmöglich macht.

Die Bitcoin-Währung kommt ohne Banken aus

Bestes Beispiel ist die digitale Währung Bitcoin, die ohne Banken auskommt. Die bisherige Regulierung wird hier durch Transparenz abgelöst. Das Fehlen einer zentralen Vermittler-Instanz sorgt nicht nur für ein beschleunigtes Abwicklungstempo, auch die Sicherheit der Transaktionen nimmt durch den dezentralen Ansatz deutlich zu. Ähnlich wie ein Tsunami hat Blockchain dadurch das Potenzial, bisherige Geschäftsmodelle in vielen Branchen zu zerstören – auch in der Logistik.

So will etwa das Emirat Dubai bis zum Jahr 2020 sämtliche Papier-Dokumente im Güter-Im- und Export durch so genannte Smart Contracts auf Blockchain-Basis ersetzen. Damit sollen Nachverfolgung, Versand und Güterbewegung vereinfacht werden Der Lieferstatus und weitere Informationen werden in Echtzeit bereitgestellt – und das alles mit einer großen Transparenz, um Betrug und Geldwäsche zu verhindern.

Die Blockchain-Technologie kann in einem vernetzten Auftragszusammenhang, wie ihn etwa die catkin-Plattform anbietet, eine sichere Vertragsabwicklung (z.B. zum Eigentum der Ware), eine automatisierte Auftragsbestätigung – etwa, wenn Bedingungen beidseitig erfüllt werden – ermöglichen. Auch der automatisierte Geldfluss zwischen Leistungspartnern in der Supply Chain über laufend errechneter finanzieller Transaktionen zu den einzelnen Leistungen lässt sich damit sicher gestalten. Und dies global und unabhängig von der eingesetzten Plattform- oder Softwarelösung.

Heute werden die geschäftlichen Transaktionen über das Portal noch zentral über einen Broker zwischen zwei oder mehreren authentifizierten Teilnehmern abgewickelt. Auch beim Abstimmen von Rechnungsdaten, was eine zweite Transaktion bedeutet, oder dem Tracken von Ressourcen wie Containern, Loks oder LKW ist derzeit noch eine vertrauenswürdige, zentrale Instanz im Spiel.

Die Blockchain-Technologie bietet viel Raum für die Phantasie

Doch wenn diese Transaktionen künftig über eine Blockchain zertifiziert und dezentral global gespeichert werden können, bieten sich viele neue Möglichkeiten: Beispielsweise die sichere Speicherung von Business-Transaktionen auch außerhalb der eigenen Community und für alle Beteiligten jederzeit validierbar. Mit Hilfe von Smart Contracts könnten Aufträge nur unter bestimmten (variabel gestaltbaren) Konditionen automatisch bestätigt oder automatisiert bezahlt werden. Weitere denkbare Einsatzmöglichkeiten:

  • Auftragsdokumente werden von den Beteiligten digital signiert (Stampery)
  • Dateien zu einem Auftrag werden dezentral und sicher gespeichert
  • Über „Trusted Internet of Things“ kann ein sicherer Datenaustausch zwischen global authentifizierten Geräten im Auftragskontext stattfinden
  • Weltweit ist eine sichere Authentifizierung von „Unique Assets“ (z.B. Container, Waggons, Pakete …) möglich

Die Blockchain-Technologie bietet hier noch viel Raum für unsere Phantasie. Irgendwann lässt sich damit vielleicht sogar die Vision der automatisiert bepreisten und abgewickelten Wertschöpfungskette realisieren. Das Entscheidende dabei hat das Magazin „The Economist“ mit der Titelüberschrift „The trust machine“ auf den Punkt gebracht: Die Blockchain stellt aufgrund ihrer Eigenschaften das Vertrauen technisch her, das bisher von Intermediären als Dienstleistung angeboten wird.

Dadurch können Personen oder Unternehmen, die einander nicht kennen, ohne Risiko und großen Aufwand miteinander ins Geschäft kommen. Und es lässt sich die Vertrauenslücke schließen, die entsteht, wenn wirtschaftliche Beziehungen in den digitalen Raum wandern. Nicht umsonst ist in diesem Zusammenhang bereits vom Aufbruch in ein „Internet der Werte“ die Rede, mit dem das „Internet der Dinge“ um einen wesentlichen Aspekt ergänzt wird.

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