Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitsplätze im Wirtschaftsbereich Logistik

Eine Erhebung unter Logistik-Experten im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V., Stand: Oktober 2015

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Management Summary

Die Digitalisierung in Industrie, Handel und Dienstleistungen ist bereits in vollem Gange – und sie beginnt in vielen Unternehmen in der Logistik oder dem Supply-Chain Management. Das hat wesentliche Auswirkungen auf die rund drei Millionen Arbeitsplätze im Wirtschaftsbereich. Die Logistiker übernehmen eine Führungsrolle bei der Digitalisierung – auch in Form einer stärkeren Zusammenarbeit der Bereiche Logistik und IT.

Diese Erhebung unter Managern und Fachkräften stellt einen Schnappschuss der Experteneinschätzungen dar und fasst die internen Herausforderungen zusammen, die sie in den Unternehmen sehen. Die Ergebnisse belegen, dass sich die Experten des immensen Wandels und der Herausforderungen bewusst sind; sie sind aber optimistisch und sehen die Chancen. Als Voraussetzung für den Erfolg definieren sie eine Qualifizierungsanstrengung der Mitarbeiter, Unternehmen und der Hoch- und Berufsschulen.

Zur Befragung

Für die Erhebung wurden 103 Online-Fragebögen von deutschen Logistik-Expertinnen und Experten aus Handel, Industrie, Logistik-Dienstleistung und Wissenschaft ausgewertet. Die Befragung fand im August und September 2015 unter BVL-Mitgliedern statt. Von den Teilnehmern stammten 39 Prozent aus der Industrie, 18 Prozent aus dem Handel, 40 Prozent aus der Logistikdienstleistung und 4 Prozent aus der Wissenschaft. 63 Prozent der Teilnehmer haben Managementaufgaben, 37 Prozent sind überwiegend operativ tätig. Für die Auswertung wurden Altersgruppen gebildet: junge Mitarbeiter: 18-30 Jahre, mittlere Mitarbeiter: 31-55 Jahre und ältere Mitarbeiter: 55 Jahre und älter.

Frage 1: Wie hoch schätzen Sie den Anteil der Arbeitsplätze im Logistikbereich ihres Unternehmens, der sich durch die Digitalisierung verändern wird? (Angabe in Prozent)

Die befragten Logistik-Experten gehen im Schnitt davon aus, dass sich 47 Prozent aller Arbeitsplätze in ihrer Abteilung durch die Digitalisierung verändern werden. Dieser Wert ist bei allen Altersklassen ähnlich. Manager schätzen den Anteil sogar noch etwas höher ein.

Frage 2: Welchen Mehrwert für Arbeits- und Lebensqualität bringen Digitalisierungsprozesse für Ihren Arbeitsplatz? (Mehrfachantworten)

Drei positive Effekte der Digitalisierung auf den persönlichen Arbeitsplatz kristallisieren sich heraus. 60 Prozent rechnen damit, effizienter arbeiten zu können, fast genauso viele (58%) versprechen sich Erleichterungen durch zentrales Datenmanagement. An dritter Stelle steht die bessere Kommunikation von Standorten, Abteilungen und Mitarbeitern mit 51 Prozent. Beim zentralen Datenmanagement haben vor allem die Jungen hohe Erwartungen (68%). Überdurchschnittlich häufig sehen die Älteren gar keinen Mehrwert in der Digitalisierung (13% statt 8% insgesamt).

Frage 3: Welche Herausforderung bedeutet die Digitalisierung für Ihren Arbeitsplatz?

47 Prozent sagen, ihre Arbeit werde temporeicher. Genauso viele gehen davon aus, dass ihr Aufgabenbereich komplexere Vorgänge umfassen wird. 45 Prozent sehen höheren Qualifizierungsbedarf bei sich selbst.

Starke Unterschiede zwischen den Altersklassen gibt es vor allem bei drei Einschätzungen. So sagen 56 Prozent der Älteren, ihre Arbeit sei temporeicher geworden (47% gesamt). Dafür sind es bei den Jüngeren fast 55 gegenüber 35 Prozent im Durchschnitt, die als Folge der Digitalisierung mehrere Vorgänge gleichzeitig bearbeiten müssen. Je weiter die Karriere fortgeschritten ist, desto stärker spüren die Logistiker die höhere Komplexität durch die Digitalisierung. Der Anteil der Mitarbeiter steigt in den Altersklassen von 27 über 49 auf 63 Prozent (Durchschnitt 47%).

Auffällig ist, dass die Mitarbeiter mittleren Alters besser mit dem Digitalisierungsstress zurechtkommen als die Jüngeren und die Älteren. Nur 19 Prozent der 31-55-jährigen klagen über mehr Stress, dagegen sind es 41 Prozent bei den jüngeren Kollegen und 44 Prozent bei den älteren.

Frage 4: Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Sicherheit Ihres Arbeitsplatzes aus?

Nur 17 Prozent der Logistik-Experten sehen ihren Arbeitsplatz durch die Digitalisierung gefährdet. Fast die Hälfte (47%) sehen gar keine Veränderungen für den konkreten Arbeitsplatz. 37 Prozent gehen sogar davon aus, dass ihr Arbeitsplatz sicherer wird.

Diese Zuversicht beziehungsweise Gelassenheit ist in allen Altersklassen in etwa gleich, wobei die Jüngeren in der Tendenz etwas optimistischer sind. Etwas größer sind die Unterschiede zwischen den Managern und den operativen Fachkräften. Wer operativ als Logistiker tätig ist, macht sich eher Sorgen um die Sicherheit seines Arbeitsplatzes.

Die wichtigste Herausforderung sehen die BVL-Mitglieder in der Qualifizierung. 78 Prozent der Befragten gaben an, ihr Arbeitgeber müsse als Erstes Mitarbeiter für die Digitalisierung fit machen. Die Notwendigkeit der Qualifizierung betrifft aber auch die Hoch- und Berufsschulen: Über die Hälfte (54%) der Befragten zeigte sich unzufrieden mit dem Kenntnisstand, mit dem Berufsanfänger in das Unternehmen kommen.

Mit 63 Prozent an zweiter Stelle der dringlichsten Aufgaben steht die Anschaffung und Entwicklung von digitalen Steuerungssystemen, von Software und von Datenbanken. Nicht weit dahinter, an dritter Stelle, steht mit 58 Prozent die Förderung von Innovationen und Weiterentwicklungen aus den Abteilungen.

Frage 5: Hat Ihr Unternehmen das richtige Personal, um die Digitalisierungsprozesse in der Logistik erfolgreich voranzubringen?

Die gute Nachricht: 80 Prozent der Befragten sehen in ihrem Unternehmen die richtigen Kolleginnen und Kollegen, um den Herausforderungen der Digitalisierung in der Logistik zu begegnen. Aber 51 Prozent sagen, dass das Personal nicht in ausreichender Zahl vorhanden ist. 20 Prozent verneinen grundsätzlich, mit dem derzeitigen Mitarbeiterbestand den Umbrüchen Herr werden zu können.

Dabei machen sich die Manager etwas mehr Gedanken um die Personalausstattung. Von ihnen geben nur 25 Prozent an, wunschlos glücklich mit der Personalausstattung zu sein. Bei den operativ tätigen Logistikern liegt der Wert bei 35 Prozent.

Frage 6: Sind junge Mitarbeiter, die neu in Ihre Abteilung/Ihr Unternehmen kommen, durch ihre Ausbildung oder ihr Studium ausreichend für die digitalen Herausforderungen gewappnet?

Über die Hälfte der Befragten (54%) kritisiert, dass die Hochschulen und Berufsschulen Berufseinsteiger nicht ausreichend auf das Thema Digitalisierung vorbereiten.

Dabei liegen die Einschätzungen in Industrie, Handel und Logistikdienstleistung weit auseinander.

85 Prozent der Befragten aus der Logistikdienstleistung sind mit dem Ausbildungsstand der neuen Mitarbeiter zufrieden.

In der Industrie sind es immer noch 54 Prozent. Im Handel dagegen, wo durch den E-Commerce viele Prozesse im Umbruch sind, äußern sich nur 39 Prozent der Befragten zufrieden mit der Arbeit der ausbildenden Hoch- und Berufsschulen.

Frage 7: Was muss Ihr Arbeitgeber tun, um die Digitalisierung des Unternehmens im Bereich Logistik voranzutreiben?

Die Qualifizierung der Mitarbeiter ist in den Augen der Befragten die wichtigste Aufgabe der Unternehmensführung. An zweiter Stelle steht die Aufrüstung in der IT: Digitale Steuerungssysteme, Software und Datenbanken werden als Voraussetzung angesehen, die Chancen der Digitalisierung für sich zu nutzen. Ergänzend zur IT stehen auf der anderen Seite die Innovations- und Entwicklungsprozesse in den Abteilungen. Hier sehen 58 Prozent der Befragten eine Aufgabe für die Unternehmensführung.

Frage 8: Finden Sie an Ihrem Standort die infrastrukturellen Bedingungen (z.B. leistungsfähige Internetverbindung) für Digitalisierungsprozesse in der Logistik vor?

Der oft angemahnte Ausbau der digitalen Infrastruktur ist für ein gutes Viertel der Befragten (28%) problematisch. Die große Mehrheit der Befragten sieht aber darin anscheinend kein Hindernis für die Digitalisierung der Prozesse im Unternehmen.

Frage 9: Wie bewerten Sie die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Wirtschaft insgesamt?

Die grundsätzliche Haltung der befragten Logistik-Experten gegenüber der Digitalisierung ist ausgewogen positiv. Die Mehrheit (51%) aber wägt ab zwischen den Risiken und Chancen. 43 Prozent sehen vor allem die positiven Effekte. Eine klare Ablehnung kommt nur von 6 Prozent der Befragten.

Es ist vor allem der Handel, der den Optimismus trägt. Dort sind 56 Prozent der Befragten optimistisch, was die Auswirkungen der Digitalisierung anbelangt. Der Anteil derer, die Chancen und Risiken abwägen, liegt bei 62 Prozent, reine Optimisten sind nur 36 Prozent.

Bei dieser Frage zeigt sich zum ersten Mal ein sehr deutlicher Einfluss des Alters auf der Einschätzung. Die über 55-Jährigen lehnen zu 19 Prozent die Digitalisierung komplett ab. Dies geht aber vor allem zu Lasten des Anteils derer, die Chancen und Risiken abwägen. Der Anteil der Optimisten weicht nicht vom Durchschnitt ab.

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an

Ulrike Grünrock-Kern / Presse- und Öffentlichkeitsarbeit / Web 2.0, Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.
Tel.: 0421 / 173 84 21; Mail: gruenrock-kern@bvl.de; www.bvl.de

Dr. Ben Zimmermann / wbpr_ Kommunikation
Tel.: 089 / 99 59 06 39; Mail: ben.zimmermann@wbpr.de; www.wbpr.de

Die 1978 gegründete Bundesvereinigung Logistik (BVL) e. V. ist eine gemeinnützige, neutrale und überwiegend ehrenamtliche Organisation. Als Plattform für Manager der Logistik in Industrie, Handel und Dienstleistung, für Wissenschaftler und Studierende bildet sie mit heute mehr als 10.000 Mitgliedern eine Brücke zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und ist Podium für den nationalen und internationalen Gedankenaustausch zwischen Führungskräften aus Logistik und Supply Chain Management.

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