Strategie

Nachholbedarf bei Cloud-Nutzung in der Logistik

Mit Blick auf die Herausforderungen bei internationalen und nationalen Lieferketten rückt die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit in der Logistik immer mehr in den Fokus. Eine Initiative, an der die BVL beteiligt ist: der digitale Lieferschein.

Wie beeinflusst die IT die Zusammenarbeit? Welche digitale Perspektive hat die Logistik? Diese Fragen hat die BVL in einer breit angelegten Studie in Zusammenarbeit mit Arvato Systems gestellt. Insbesondere ging es dabei um die Cloud-Nutzung in der Logistik. Mehr als 590 Logistikerinnen und Logistiker haben sich an der Studie beteiligt, die damit eine umfassende Vermessung der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit in der Transport- und Intralogistik bietet. Das Ergebnis: Die Intensität der Kooperation lässt noch Luft nach oben. Besonders der Handel bewertet sie im Vergleich zur Industrie und zu den  Logistikdienstleistern tendenziell als geringer. IT und insbesondere Cloud-Technologie werden von den meisten Befragten als ein Schlüsselfaktor identifiziert. Gleichwohl besteht in der Logistik noch großer Nachholbedarf bei der Nutzung von Cloud-Technologien: Derzeit arbeitet nur rund die Hälfte der Logistik-Dienstleistungsunternehmen in der Cloud und ermöglicht damit eine leichtere unternehmensübergreifende Kooperation. Viele wichtige Systeme und Tools sind noch nicht miteinander vernetzt, hier besteht großer Handlungsbedarf. Immerhin ist die Notwendigkeit den meisten bewusst: Es besteht eine hohe Investitionsbereitschaft für derartige Technologien. 

Digitaler Lieferschein bringt Warenverkehr in Fahrt

Versenden Unternehmen Produkte, stellen sie einen Lieferschein auf Papier aus, der die Lieferung bis zum Wareneingang begleitet. Er wird manuell weitergereicht und bearbeitet – das ist zeitaufwendig, fehleranfällig und verbraucht Ressourcen. Der digitale Lieferschein soll diese Probleme bald beheben. Auf dem Deutschen Logistik-Kongress stellten die BVL und GS1 Germany ihr Projekt gemeinsam mit Rewe als beispielhaftem Nutzer vor.

20 Unternehmen aus Konsumgüterindustrie, Handel und Logistik hatten im August und September vier Wochen lang den digitalen Lieferschein im Rahmen eines Pilotprojekts in Kooperation mit T-Systems getestet. Mit Erfolg: 68 Prozent der befragten Anwenderinnen und Anwender würden die standardisierte Branchenlösung zur digitalen Abwicklung von Lieferscheinen gerne auch weiterhin nutzen. Denn, so das Ergebnis: Die Dauer einzelner Lieferprozesse verkürzte sich um bis zu zehn Tage.

Betrieben wird der digitale Lieferschein als Web-App in der Open Telekom Cloud. Als ersten chritt hinterlegen die verladenden Unternehmen die Lieferscheine digital. Damit das digitale Dokument eindeutig der jeweiligen Lieferung zugeordnet werden kann, nutzen sie den GS1-Standard GDTI (Global Document Type Identifier). Beim Verladen scannt der Fahrer oder die Fahrerin einen QR-Code mit der Smartphone-Kamera und erhält so einen zeitlich begrenzten, sicheren Zugriff auf den digitalen Lieferschein in der Cloud. Dieser enthält ebenfalls einen QR-Code, der bei Anlieferung vorgezeigt wird. Der Empfänger scannt den angezeigten QR-Code vom Handy des Fahrers oder der Fahrerin und bestätigt elektronisch den Erhalt der Ware. Damit lassen sich die nachfolgenden Schritte, etwa die Erstellung von Ablieferbelegen und Abrechnungen an Händler und Spediteur, direkt anstoßen.
Nach Auswertung des Pilotprojekts wird der digitale Lieferschein nun weiterentwickelt. Zudem entsteht eine GS1-Anwendungsempfehlung, die Unternehmen bei der Umsetzung unterstützen soll. Bereits 2022 könnte es erste konkrete  Anwendungen geben.