Handelslogistik-Kongress

Tiefgreifender Wandel

Mensch und Maschine Hand in Hand und die Katalysatorwirkung der Corona-Pandemie auf den Handel – das waren die Kernthemen des Handelslogistik-Kongresses, der in diesem Jahr von Köln aus via Internet übertragen wurde.

Bei der zweitägigen Veranstaltung fanden sich 457 Teilnehmende im Netz zusammen, davon gut die Hälfte aus Handel und Industrie. Rund 50 Rednerinnen und Redner diskutierten über Aspekte von Digitalisierung, über Nachhaltigkeit und neue Geschäftsmodelle – und stellten eigene Lösungswege vor. Wie ein roter Faden zog sich eine Erkenntnis durch alle Vorträge: Die Corona-Pandemie mit Kontaktbeschränkungen, Lockdowns und in der Folge stark verändertem Kundenverhalten beschleunigt strukturelle Veränderungen der Handelslandschaft im Turbo-Gang. Besonders deutlich wurde dies in einem Interview mit Miguel Müllenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Galeria Karstadt Kaufhof AG, sowie in der Gesprächsrunde mit den Zalando-Managern Dr. Jan-Hendrik Bartels und Dr. Carsten Keller.

Darin, dass die Innenstädte in Zukunft „anders“ aussehen werden, waren sich die drei Handelsexperten einig. Müllenbach zeigte sich überzeugt: „Die Innenstädte werden weiterhin Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt haben.“ Es gehe jetzt um neue Aufenthalts- und Logistikkonzepte, zum Beispiel durch die Umwidmung von Parkhaus- in Logistikflächen. Kuratierte Sortimente, Service und Beratung sowie Vernetzung und nahtlose Übergänge zwischen stationärem und digitalem Angebot – das waren seine Stichworte.

Diese Gedanken griffen Bartels und Keller auf: Logistik kann nach ihrer Auffassung zum Wettbewerbsvorteil in einer Handelslandschaft werden, in der Online- und OfflineElemente im Sinne von „Connected Retail“ verbunden sind. „Der Store ist in der Regel schneller als das Fulfillment-Center“, so Bartels. Kein Wunder, wenn 80 Prozent der Haushalte zum Beispiel von Galeria-Häusern aus in nur 30 Minuten erreichbar sind. Eine Erfolg versprechende Option für den Handel dürften also kooperativ gestaltete integrierte Modelle sein. Und die Logistik muss sich auf eine Dezentralisierung ihrer Lagerflächen sowie kleinteiligere,  kundenindividuellere Transporte einstellen.

Traditionsmesse im Online-Format

Als langjähriger Partner der Messe München beteiligt sich die BVL alle zwei Jahre am fachlichen Rahmenprogramm der Messe
transport logistic. In diesem Jahr wurde aus der Präsenzmesse eine reine Online-Konferenz. Vom 4. bis zum 6. Mai liefen abwechslungsreiche Formate über die Online-Plattform der Messe. Die BVL war an jedem der drei Veranstaltungstage dabei.

Inhaltlich ging es bei den von der BVL organisierten und inhaltlich gestalteten Foren um die Themen „New vs. Old – sind Plattform-Anbieter die besseren Speditionen?“, „CO2-Einsparung in der Logistik – ein Ding der Unmöglichkeit?!“ und „Digitale Attacken auf Supply Chains – Cyber-Security und wie Sie sich schützen“. Alle Foren waren gut besucht: 781 Interessierte konnte das Forum „New vs. Old“ verzeichnen und wurde im Schlussbericht der Messe München sogar als eines von drei Highlights gelistet. 654 Gäste verfolgten das Thema „CO2-Einsparung“, und beim etwas spezielleren Fachgebiet der Cyber-Sicherheit waren es 199. In allen Foren beteiligten sich die Teilnehmenden ausgesprochen rege über die ChatFunktion, stellten Fragen oder gaben selbst Tipps und teilten eigene Erfahrungen. Inhaltlich herrschte Konsens: Digitalisierung und Nachhaltigkeit – das sind auch oder gerade in Zeiten von Corona die Themen, die in der Logistik ganz oben auf der Agenda stehen.