Forum Automobillogistik

Auf dem Weg zu einem neuen Regelbetrieb

Eigentlich hatte das Forum Automobillogistik 2021 eine analoge Veranstaltung in Wolfsburg werden sollen. Stattdessen sendeten BVL und VDA am 9. und 10.Februar aus Bremen und Berlin – und erreichten im Netz mehr als 1.000 Teilnehmer.

Auch im Programm unter dem Leitgedanken „Supply Chains im Spannungsfeld – regional, nachhaltig, zollfrei?“ hatte das Thema Digitalisierung einen hohen Stellenwert, insbesondere mit Blick auf die Transparenz in Lieferketten, Planungsmethoden und Automatisierung. Daneben stand die Nachhaltigkeit im Fokus. Simon Motter, Leiter der Volkswagen-Konzernlogistik, ermutigte dazu, den Bahnverkehr und den CO2-neutralen Seetransport auszubauen. Im Panel „Brennstoffzelle – Zukunft der Logistik?“ gaben die Referenten konkrete Einblicke in die Pläne von Bosch und Daimler Truck.

Fast alle Rednerinnen und Redner wiesen auf die Katalysatorwirkung der Pandemie und der Lockdowns hin. Die Verletzlichkeit der Wertschöpfungsketten sei auf brutale Weise deutlich geworden. Nun stelle sich die Frage, was man aus den Ad-hoc-Lösungen und neuen Abstimmungsverfahren entlang der Lieferketten lernen könne – auf dem Weg zu einem „neuen Regelbetrieb“, wie es John Sobeck von der ZF Friedrichshafen AG formulierte. Hinsichtlich der Transparenz in der Lieferkette wies Dr. Arne Flemming von der Robert Bosch GmbH darauf hin, dass diese nicht nur nach unten, sondern auch nach oben praktiziert werden müsse.

DIW-Präsident Prof. Marcel Fratzscher erteilte einer Regionalisierung als Reaktion auf Lieferengpässe eine Absage. „Wir leben von internationalen Lieferketten“, so Fratzscher. Es gehe jetzt darum, die Widerstandsfähigkeit dieser Lieferketten zu erhöhen, Risiken breiter zu streuen und mit mehr Lieferanten in verschiedenen Ländern zusammenzuarbeiten. Er mahnte eine „klügere Globalisierung“ an und forderte ein Investitionsabkommen mit den USA. 

„Viele große Themen scheinen hinter der Pandemie kleiner geworden zu sein – das sind sie aber nicht“, so der BVL-Vorstandsvorsitzende Prof. Thomas Wimmer, der in seiner Keynote neun Impulse aus dem Wirtschaftsbereich Logistik beschrieb. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sagte: „Das Programm des Forums zeigt, dass wir trotz der Belastungen durch Corona an der Zukunft arbeiten. Digitalisierung ist für unsere Mitgliedsunternehmen wichtiger denn je.“ Müller wies zudem darauf hin, dass die Automobilbranche sich dem Klimaschutz verpflichtet fühle und daher intensiv daran arbeite, den CO2-Fußabdruck in der Lieferkette zu verringern.

Beim VDA Logistik Award 2021, der am ersten Forumstag vergeben wurde, teilten sich in diesem Jahr zwei Unternehmen den Sieg: die Volkswagen-Konzernlogistik und die BMW Group. Volkswagen hatte mit dem Projekt „Produktionssteuerungswerkzeug zum Management von Shutdowns und Relaunches im Volkswagen-Konzern“ überzeugt – der Antwort der Logistiker auf den Corona-Shutdown. Dieses Projekt hatte in der ersten Corona-Welle eine deutliche Reduzierung der unternehmerischen Risiken ermöglicht. Die Pick-Plattform der BMW Group ist eine innovative Cloud-basierte Software, mit der sich verschiedene Kommissionierlösungen in der Produktionslogistik effizient verknüpfen lassen. Software-Kosten und Zeitaufwand im Kommissionierprozess lassen sich so erheblich reduzieren.

Mehr als 1.200 Interessierte hatten sich für das Forum angemeldet. In der Spitze folgten rund 550 Personen gleichzeitig dem Livestream, insgesamt loggten sich rund 1.000 Teilnehmende ein. Im begleitenden Chat, in den sozialen Medien und auch in
der sonstigen Berichterstattung fand das Forum große Resonanz.