Forum Automobillogistik

Digitalisierung anpacken

Brexit-Experte Prof. Michael Hüther analysierte die möglichen Folgen eines britischen EU-Austritts für die Automobilindustrie.

Brexit-Experte Prof. Michael Hüther analysierte die möglichen Folgen eines britischen EU-Austritts für die Automobilindustrie.

Welche Chancen bringt Transparenz mit sich, und wie lassen sich diese Chancen für den Unternehmenserfolg nutzen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Ende Januar rund 450 Teilnehmer und
42 Aussteller beim Forum Automobillogistik in Frankfurt.

Bei der gemeinsamen Veranstaltung von BVL und VDA ging es auch um Automatisierung, künstliche Intelligenz, Vernetzung sowie Virtual und Augmented Reality. „Transparent, selbststeuernd und vernetzt gehen Hand in Hand“, sagte Jürgen Maidl, Bereichsleiter Produktionsnetzwerk Logistik bei BMW. Er betonte aber auch die gesellschaftliche Verantwortung, die mit der rasanten Entwicklung der Digitalisierung einhergeht. So dürften zum Beispiel Geringqualifizierte dabei nicht untergehen. In der Digitalisierung und dem Teilen von Daten liegen enorme Potenziale für moderne Logistikprozesse, wie VDA-Präsident Matthias Wissmann betonte.

Das nächste Forum Automobillogistik findet am 5. und 6. Februar 2019 in der BMW-Welt München statt.
www.bvl.de/fal

Hersteller, Zulieferer, Technologieanbieter und Forscher berichteten über den Status der Digitalisierung und Vernetzung in allen Bereichen der Automobilindustrie. Der BVL-Vorstandsvorsitzende Robert Blackburn rief den deutschen Mittelstand auf, nicht länger zu reden, sondern etwas zu tun. Denn nach aktuellen Umfragen sei der Einsatz von Tools, die Transparenz schaffen können – wie Sensorik oder Predictive Analytics –, in mehr als 20 Prozent der befragten Unternehmen noch nicht einmal geplant. Für eine erfolgreiche Digitalisierung im Mittelstand sei es entscheidend, die 5,9 Millionen Menschen mitzunehmen, die in kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Deutschland arbeiten.

BVL-Vorstandsmitglied Frauke Heistermann, Moderatorin einer Vortragssequenz zum Spannungsfeld von Blockchain und Big Data, zog folgendes Fazit: „Blockchain ist nicht nur sicher. Da sie eindeutige Transaktionen schafft, wird diese Technologie auch helfen, Unstimmigkeiten und Reibereien zwischen Akteuren zu vermeiden.“ Die Frage, wer wann was gemacht habe, sei immer eindeutig und schnell zu beantworten. Transparenz über die gesamte Prozesskette sei schon jetzt erfolgsentscheidend – die Abschottung von Daten sei in Zeiten der Digitalisierung keine Option mehr. Aber: Blockchain sei auch ressourcenintensiv. Inwieweit die Technologie für den Masseneinsatz tauglich werde, bleibe noch abzuwarten.

Prof. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, wies darauf hin, dass die Bürger des Vereinigten Königreichs in jedem Fall die Rechnung für den Brexit zahlen müssten. Wie auch immer Folgeverträge aussähen: Laut britischen Studien sei ein Verlust beim Pro-Kopf-Einkommen nicht zu vermeiden. Hüther verwies auf erhebliche Verflechtungen im Bereich Automotive und Automobil und erläuterte, dass pro 1.000 Euro, die ein Brite für ein Automobil ausgebe, aufgrund von Vorleistungen 173 Euro in Deutschland ankämen. Anders herum seien es lediglich 38 Euro. Im Falle eines „Hard Brexit“ würden Autohersteller also Standorte verlagern oder schließen und die Leistung über Skalierung in anderen Ländern ausgleichen. Deutschland dürfte, so Hüther, insgesamt vergleichsweise weniger wirtschaftlichen Schaden davontragen als das Vereinigte Königreich.