Deutscher Logistik-Preis

DM-Drogerie Markt: Vorbildliche Verbindung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Für das Projekt „Integrativ. Intelligent. Automatisiert.“ hat die BVL 2020 das Einzelhandelsunternehmen DM-Drogerie Markt mit dem Deutschen Logistik-Preis ausgezeichnet. Mit seinem Projekt setzte sich DM-Drogerie Markt gegen drei weitere Finalisten durch, nämlich die Barilla Deutschland GmbH, die Engelbert Strauss GmbH und die Volkswagen Konzernlogistik GmbH.

DM stand – und steht – vor einer Vielzahl von Herausforderungen: In den Innenstädten sinkt die Kundenfrequenz, der Wettbewerb ist intensiv. Konsumtrends entwickeln sich immer schneller, während die logistischen Kapazitäten von DM durch ein vorangegangenes starkes Wachstum knapper sind.   

Und so sieht die Lösung aus: In einem strategischen Netzwerkanalyse- und Planungsprozess fiel zunächst die Entscheidung für einen weiteren – und damit zwölften – DM-Verteilstandort in Deutschland, um das anhaltende Mengenwachstum zu bewältigen. Hintergrund: Im Jahr 2019 sorgten etwa 3.700 Menschen in der DM-Logistik und bei einem Dienstleister für insgesamt 270.000 Filialanlieferungen mit insgesamt 3,5 Millionen Paletten, auf denen 540 Millionen Kommissioniereinheiten gepackt waren. Die Wahl fiel auf ein Grundstück im Güterverkehrszentrum der brandenburgischen Gemeinde Wustermark vor den Toren Berlins.

Doch das Projekt umfasste weit mehr als den Bau eines neuen Logistikgebäudes. Gleichzeitig entwickelten die Logistiker auch eine innovative logistische Infrastruktur. In deren Zentrum stehen digitale Filial-Zwillinge für jeden einzelnen Markt. Dazu wurden alle mehr als 2.000 DM-Märkte mit ihrer jeweiligen Regalarchitektur und den individuellen Artikelplatzierungen digitalisiert. Der digitale Zwilling bildet die Grundlage dafür, die Artikel auf den Wareneingangspaletten aus Wustermark intelligent zu kombinieren – und so die Filiallogistik beim Einräumen der Produkte zu erleichtern.

Dazu hat der stark automatisierte intralogistische Bereitstellungsprozess in Wustermark die Aufgabe, die auf sortenreinen Originalpaletten eintreffenden Artikel für die sieben Kommissionierroboter so aufzureihen und diesen anzudienen, wie sie für den physischen Bau der Filial-Mischpaletten benötigt werden. Gleichzeitig wurden die Mitarbeiter in den DM-Märkten mit 30.000 Smartphones ausgestattet, die ihnen beispielsweise jetzt helfen, die Laufwege zum Befüllen der Regale zu optimieren.  

Im Ergebnis sorgt die nun hochautomatisierte vorgelagerte Logistik für Einsparungen bei den Logistikaufwendungen von mehreren Millionen Euro jährlich. Sie resultieren unter anderem aus einem um mehrere 10.000 Stunden reduzierten Zeitaufwand für die Mitarbeiter in den DM-Märkten und einem um fast zwei Millionen Kilometer verringerten Lkw-Transportaufkommen.

Videointerview mit dem Preisträger

Video-Präsentation des ausgezeichneten Projektes

Sonderpreis zum Deutschen Logistik-Preis - Volkswagen: Sehen lernen im Zeitalter der Digitalisierung

Neben dem Deutschen Logistik-Preis 2020 verlieh die BVL in diesem Jahr einen Sonderpreis „Digitalisierung der Logistik“. Preisträger ist die Volkswagen Konzernlogistik für ihr Programm „Digitaler Blick“.

Die Einreichung war ungewöhnlich. Nicht mit einem operativen Logistikprojekt, sondern mit einer mehrstufigen internen Kampagne für eine stärker digitalisierte Arbeit ging die Volkswagen Konzernlogistik in das Rennen um den Deutschen Logistik-Preis 2020. Ausgangspunkt des Change-Programms war die Erkenntnis: Der reine Wissensaufbau in Sachen Digitalisierung reicht nicht aus. Damit die Mitarbeiter eine aktive Rolle in der digitalen Transformation übernehmen können, sind Aufgeschlossenheit und eine positive Einstellung gegenüber Veränderungen erforderlich – ein digitales Mindset.

Der Vorstand der BVL folgte der Empfehlung der Jury des Deutschen Logistik-Preises, die lautete: „Das Mitarbeiter-mitnehmende, hoch motivierende Konzept der Volkswagen Konzernlogistik, Expertise und Digitalisierung zusammenzubringen, verdient eine Auszeichnung: einen „Sonderpreis Digitalisierung der Logistik“, der eine starke Signalwirkung an andere Unternehmen aller Branchen aussendet.“

Jurymitglied und Laudator Marc Schmitt, CEO und Co-Founder der Evertracker GmbH in Hamburg, führte bei der Preisverleihung in Berlin aus: „Besonders ich, der bereits seit Jahren darüber spricht und schreibt, dass Technologien und Innovationen nur ein kleiner Teil der Digitalisierung sind und es besonders auf die Mitarbeiter ankommt, finde dieses Projekt natürlich besonders großartig. Mitarbeiter müssen geschult und für die Digitalisierung begeistert werden. Konzerne und Mittelständler müssen genau so agieren wie die Volkswagen Konzernlogistik, wenn sie richtig aufgestellt sein wollen.“

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Nachhaltigkeitspreis Logistik- Transgourmet: Nachhaltige Foodservice-Logistik

Eine ganzheitliche Strategie für nachhaltige Foodservice-Logistik mit Vorbildcharakter erhielt in diesem Jahr die meisten Stimmen der Jury. Transgourmet Deutschland machte damit das Rennen und holte sich den 9. Nachhaltigkeitspreis Logistik der Bundesvereinigungen Logistik Österreich und Deutschland. Punktgleich auf Platz zwei sah die Jury Hello Fresh und Ifco Systems.

Corona-bedingt fand die Preisverleihung nicht wie ursprünglich geplant im Frühjahr in Wien statt, sondern während des ausschließlich mit Zuschauern im Internet durchgeführten Deutschen Logistik-Kongresses. Die BVL-Organisationen waren froh, damit endlich einen angemessenen Rahmen gefunden zu haben, um den diesjährigen Preisträger zu ehren.

Vor allem Dienstleister, Industrieunternehmen und Infrastrukturunternehmen waren dem Aufruf gefolgt und hatten der Jury ihre Projekte zur Begutachtung vorgelegt. Thematisch spannt sich der Bogen der 13 Einreichungen von integrierten Gesamtkonzepten über ein Kreislaufwirtschaftsmodell, Verpackungsoptimierung, Citylogistik bis hin zu klimafreundlich gestalteten Standorten.

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Video von der Verleihung des Nachhaltigkeitspreises 2020