Deutscher Logistik-Kongress 2021

Logistik in Zeiten unsicherer Lieferketten

Er war kurz weg – und im Oktober 2021 wieder da: der Deutsche Logistik-Kongress als Präsenzveranstaltung in Berlin. Nachdem es 2020 Corona-bedingt ausschließlich digital übertragene Formate gegeben hatte, fanden sich in diesem Jahr 1.301 Teilnehmende am Veranstaltungsort ein. 1.926 Interessierte waren für die Streaming-Angebote angemeldet.

Unter dem Motto „Chancen nutzen – Adapt to Lead“ ging es vom 20. bis zum 22. Oktober um die aktuellen Trends und Herausforderungen in Logistik und Supply Chain-Management. Die Schwerpunkte waren eher zukunftsorientiert, doch zogen sich natürlich auch die derzeitigen Herausforderungen des Wirtschaftsbereichs durch die Inhalte des Kongresses: Unterbrechungen in den Lieferketten, Mangel an bestimmten Materialien und Ersatzteilen sowie der Fachkräftemangel. Besondere Highlights waren die Verleihung des Deutschen Logistik-Preises und des Wissenschaftspreises Logistik.

Prof. Thomas Wimmer, der Vorstandsvorsitzende der BVL, sagte in seiner Eröffnungsrede: „In den vergangenen Wochen haben sich die Schlagzeilen über Lieferengpässe und Unterbrechungen in den Lieferketten gehäuft. Bleiben nun zu Weihnachten die Regale bei uns leer? Wir glauben das nicht. Von unseren Mitgliedern aus dem Handel hören wir, dass es wohl nicht zu signifikanten Engpässen kommen wird. In der Industrie ist die Lage schwieriger: Dort gibt es vermehrt Komponenten oder Produkte, die nicht rechtzeitig lieferbar sind. Bis auf Ausnahmen ist aber insgesamt nicht zu erwarten, dass ganze Produktgruppen fehlen werden.“

Wimmer wies auf die Bedeutung des Deutschen Logistik-Kongresses als Plattform für den intensiven Austausch von Wissen, Meinungen und Erfahrungen hin: „Es geht darum, eigene Impressionen zu sammeln und Ableitungen für den persönlichen Verantwortungsbereich zu treffen: Wie agieren wir im Wandel der Zeit, wenn Wahlergebnisse Veränderungen anmahnen? Wie gehen wir um mit Materialmangel, Kostensteigerungen, ungleichem Wettbewerb und Inflationsangst? Wie lautet die ‚License to Operate‘ der Logistik? Unser Wirtschaftsbereich ist ein Teil der Gesellschaft. Wir nehmen die Herausforderungen an. Wir bringen konkrete Lösungen ein.“

Hauptredner im Plenum des Kongresses waren Dr. Sigrid Nikutta (Deutsche Bahn), Prof. Siegfried Russwurm (BDI), Dorothea
von Boxberg (Lufthansa Cargo), Christian Erlach (Jungheinrich), Felix Fiege (Fiege Group), Frank Dreeke (BLG Logistics Group), Prof. Martin R. Stuchtey (Systemiq) und aus dem politischen Raum Norbert Lammert, der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und frühere Präsident des Deutschen Bundestages. Unter dem Vortragstitel „Demokratie braucht Demokraten“ hielt Lammert ein eindrückliches Plädoyer an die Verantwortung jedes Einzelnen, „die Werte zu verteidigen, die uns verbinden“.

Prof. Michael ten Hompel (TU Dortmund/ Fraunhofer IML) und Dr. Stephan Peters (Rhenus) stellten die während des Kongresses gegründete Open Logistics Foundation vor. Mit einer Open-Source-Plattform und der dahinterstehenden Community von
logistischen Akteuren werden erstmals in der Logistik Kräfte gebündelt, um gemeinsam Open-Source-Soft- und -Hardware zu
entwickeln, zu nutzen und so offene, föderale Plattform-Ökosysteme zu gestalten.

Der Bogen der zwölf Fachsequenzen war weit gespannt – von der Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle bis zu den Trends und Herausforderungen der Logistik in Afrika. Mehr als 100 Rednerinnen und Redner analysierten und diskutierten aktuelle Themen aus Sicht der Praxis und stellten Best-Practice-Lösungen vor. Es ging unter anderem um die Bereiche Circular Economy, Logistik in Städten, Plattformökonomie,Supply Chain 4.0 sowie Chancen und Grenzen von Resilienz und Transparenz von Lieferketten. Auch New Work und Logistikimmobilien standen auf dem Programm. Drei Plenumsdiskussionen – moderiert von der Journalistin Ursula Weidenfeld, von Sven Rutkowsky (Kearney) und von Prof. Julia Arlinghaus (Fraunhofer IFF) – trugen zur Vielfalt der Positionen und Formate bei.

Wer sich rechtzeitig angemeldet hatte, egal ob digital oder für das Event vor Ort, konnte auch schon vor dem Kongress in ausgewählte Inhalte hineinschnuppern. Drei Vortragssequenzen wurden in Form kostenfreier Webinare vorab angeboten: das Finale des Wissenschaftspreises Logistik,Erfolgsgeschichten aus der Praxis von Nachhaltigkeitsprojekten (ein Pre-Event, das vom BVL-Netzwerk Logistikcs4Future organisiert wurde) und Neuigkeiten aus den Logistik-Think-Tanks, Science & Research.

Das Hygienekonzept des Kongresses wurde im Zulauf auf die Veranstaltung regelmäßig aktualisiert. Es fußte auf behördlichen Vorgaben und berücksichtigte Erfahrungen und Erkenntnisse, die die BVL und ihre Partner bei anderen Veranstaltungen gesammelt hatten. Außerdem flossen die Vorgaben des Landes Berlin ebenso ein wie die fachliche Beratung durch den Epidemiologen Prof. Ralph Brinks von der Universität Witten-Herdecke. Neben dem Infektionsschutz berücksichtigte die BVL bei
der Organisation vielfältige Nachhaltigkeitskriterien, etwa die Kompensation der nicht reduzierbaren CO2 -Emissionen, die Planung des Caterings unter Nachhaltigkeitsaspekten, die Unterbringung aller Beteiligten am Veranstaltungsort oder im Umkreis von drei Kilometern oder das vergünstigte Angebot nachhaltiger Anreisemöglichkeiten mit der Bahn. Die Veranstaltung wurde von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe des Landes Berlin gefördert.

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