Deutscher Logistik-Kongress 2019

Veränderungsfähige Logistik entwickelt mutige Lösungen

"Mutig machen“ lautete in diesem Jahr das Motto des Deutschen Logistik-Kongresses, der vom
23. bis zum 25. Oktober stattfand. 3.207 Teilnehmer erlebten in Berlin ein vielseitiges Programm und einen Kongress in neuem Design.

Generalleutnant Michael Vetter und der Autor und Publizist Sascha Lobo

Generalleutnant Michael Vetter und der Autor und Publizist Sascha Lobo

Der Wirtschaftsbereich zeigte sich nach zehn Wachstumsjahren diesmal skeptisch, was die weitere Entwicklung angeht. „Um die Konjunktur anzukurbeln, haben Notenbanken früher Zinsen gesenkt. Das geht angesichts der Nullzinsphase derzeit nicht, und das macht Sorge“, sagte Robert Blackburn, der Vorstandsvorsitzende der BVL, in seiner Eröffnungsrede. Die größten Risiken für den Wirtschaftsbereich Logistik liegen aus seiner Sicht in den weltwirtschaftlichen Unsicherheiten, die ganz überwiegend Folgen schlechter Politik seien. Insbesondere gelte das für die ungelösten und sich möglicherweise ausweitenden Handelskonflikte – und für den Brexit mit seinen Implikationen für das Gesamtgefüge in Europa.

Der Vorstandsvorsitzende der BVL sprach als Gastgeber zum Auftakt des Kongresses, gefolgt von Alexander Birken, dem Vorstandsvorsitzenden der Otto Group, 11Prof. Michael ten Hompel, dem Leiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML, sowie Angela Titzrath, der Vorstandsvorsitzenden der Hamburger Hafen und Logistik AG.

Am Nachmittag des ersten Kongresstages trat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer im Plenum auf. Er hatte seinen
Vortrag so angekündigt: „Mutig machen – dieser Konferenztitel passt perfekt zur Politik des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Unsere Schienen-, Straßen-, Wasser- und Luftwege sind die Basis für unsere Erfolge als Logistikweltmeister. Wenn wir jetzt mutig und konsequent die Chancen der Digitalisierung und des technischen Fortschritts nutzen, können wir Abläufe, Transporte und Prozesse ganz neu organisieren: digital, vernetzt und klimafreundlich. Dafür setzen wir umfangreiche Maßnahmen um – vom Innovationsprogramm Logistik 2030 bis zum Aktionsbündnis Kombinierter Verkehr.“

Die Diskutanten der Podiumsrunde am ersten Kongresstag – alle erst jüngst als CEOs berufen – verantworten die strategische Weiterentwicklung ihrer Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Die diesjährige Podiumsdiskussion widmete sich den Fragen, bei denen von Chefs Mut gefordert ist und bei denen sie selbst andere ermutigen. Welche Herausforderungen sehen sie für Supply Chain-Management und Logistik im aufziehenden Jahrzehnt der 2020er, und wie wollen sie diesen begegnen? Die Diskussion zwischen Dr. Lars Brzoska (Jungheinrich), Reiner Heiken (Hellmann) und Prof. Jana Koehler (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) vermittelte interessante Erkenntnisse.

Prof. Thomas Wimmer, Michael Müller, Robert Blackburn, der chinesische Botschafter Wu Ken, Erich Staake und Prof. Frank Straube

Prof. Thomas Wimmer, Michael Müller, Robert Blackburn, der chinesische Botschafter Wu Ken, Erich Staake und Prof. Frank Straube

Eine internationale Runde fand sich unter der Moderation von Frank Dreeke (BLG Logis-tics) zusammen: Jessica Hanson (Bosch North America), Nick Vyas (University of Southern California) und Erick Yong (Greentec Capital) blickten aus unterschiedlichen Perspektiven auf Fragen von Digitalisierung, auf Entscheidungen unter Unsicherheit, auf den Welthandel und auf die Rolle der Logistik für die Entwicklung Afrikas.

Ebenfalls höchst spannend fanden viele Zuhörer die Diskussion zwischen Generalleutnant Michael Vetter und dem Autor und Publizisten Sascha Lobo zum Thema Cyber-Sicherheit. Ihre Impulse boten eine gedankliche Ergänzung zu Fachsequenzen wie „Potenziale aus neuen Technologien“, „Künstliche Intelligenz trifft Logistik“, „Die Zukunft der Logistik-IT-Landschaft“ oder „Grenzen einreißen – Produktion und Logistik“. Das Plenum mit Vorträgen von Europa-Politiker Guy Verhofstadt, Christoph Eltze (Rewe Digital), Martin Daum (Daimler) und Dr. Anselm Eggert (Lufthansa Cargo) beendete den Kongress.

Vielfältige Highlights bot auch in diesem Jahr der Galaabend in der Arena Berlin. Mit Michael Müller hieß nach vielen Jahren Pause wieder ein Regierender Bürgermeister die Teilnehmer des Kongresses persönlich willkommen. Schließlich hält die BVL mit dieser Veranstaltung der Stadt seit 36 Jahren die Treue. Müller zeigte sich beeindruckt von der großartigen Kulisse und dem inhaltlichen Programm.

Bevor es an die Verleihung des Deutschen Logistik-Preises ging, begrüßte der Vorsitzende der BVL-Geschäftsführung, Prof. Thomas Wimmer, den Botschafter der Volksrepublik China, S. E. Wu Ken, zu einem Gespräch auf der Bühne. Dritter im Bunde war Erich Staake, Vorstandsvorsitzender von Duisport. Im Gespräch der drei ging es um die Chancen und Perspektiven der neuen Seidenstraße, also der von China vorangetriebenen Belt-and-Road-Initiative. Vom Duisburger Hafen aus führt der Weg entlang der eisernen Seidenstraße über Polen, Russland und Kasachstan bis in die chinesischen Städte Chongqing, Wuhan und Yiwu. Bis zu 35 Züge wöchentlich rollen heute schon über die 11.000 Kilometer lange Strecke. Welches Potenzial steckt in diesem riesigen Infrastrukturprojekt – und wo liegen die Risiken? Übrigens: Das geplante Projekt umfasst eigentlich zwei Routen. Der nördliche „Silk Road Economic Belt“ verläuft von China über Zentralasien, den Iran, die Türkei und die russische Hauptstadt Moskau bis nach Zentral- und Westeuropa. Die südliche „Maritime Silk Road“ soll Chinas Seehandel mit Südostasien, dem Mittleren Osten, Ostafrika und Europa verbinden.

Im Rahmen der Gala ehrte die BVL das Logistikteam der BMW Group mit dem Deutschen Logistik-Preis. Prof. Thomas Strothotte begrüßte die jungen Preisträger des Thesis Awards, die sich zu einem Foto versammelten. Und die Initiative „Die Wirtschaftsmacher“ zog mit einem großen Team aus Initiatoren, Mitmachern und Logistikhelden in die Arena ein und präsentierte Aktivitäten und Erfolge des ersten Jahres.