Branchen-, Themen- und Fachforen

Innovationsprozesse mutig vorantreiben

Gastgeber Oliver Zipse, Vorstandsvorsitzender von BMW, bei seiner Keynote im Plenum des Forums Automobillogistikder

Gastgeber Oliver Zipse, Vorstandsvorsitzender von BMW, bei seiner Keynote im Plenum des Forums Automobillogistikder

Rund 500 Teilnehmer und 50 Aussteller kamen am 5. und 6. Februar in der BMW-Welt in München zum Forum Automobillogistik von BVL und VDA zusammen.

„Die Chancen und Herausforderungen durch die Digitalisierung sind real. Wir müssen sie verstehen und unsere Geschäftsmodelle weiterentwickeln“, sagte Bernhard Mattes, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), bei der Eröffnung. „Die moderne Automobillogistik steht hier an vorderster Front“, so Mattes. „Mit der Automotive Supply Chain haben wir ein einmaliges, komplexes und bestens verzahntes Netzwerk von Fahrzeugherstellern, Zulieferern und Dienstleistern geschaffen. Dieses Netzwerk ist – neben der Qualität unserer Produkte – die Grundlage des Erfolgs der deutschen Automobilindustrie.“
Drei Keynote-Speaker gestalteten den Auftakt des ersten Forumstages: Gastgeber Oliver Zipse, damals Mitglied und heute Vorsitzender des Vorstands von BMW, schilderte, wie sich Wertströme intelligent gestalten lassen – vom Anfang bis hin zum Kunden. Der stellvertretende Vorsitzende der Robert Bosch GmbH, Prof. Stefan Asenkerschbaumer, sprach darüber, warum Supply Chains digitalisiert und vernetzt werden sollten. Dr. Jörg Mosolf, geschäftsführender Gesellschafter der Mosolf Group, erläuterte, dass es bei aller Digitalisierung auch künftig die Menschen seien, die die Wertschöpfung gestalteten.

Der BVL-Vorstandsvorsitzende Robert Blackburn sprach in einer Keynote am zweiten Forumstag über die Chancen und Perspektiven, die sich aus der Echtzeitsteuerung ergeben – ein Thema, das zurzeit branchenübergreifend ganz oben auf der Agenda steht. „Echtzeitsteuerung ist eine Grundvoraussetzung für eine Smart Factory nach Industrie 4.0, die es beispielsweise erlaubt, auch bei individuellen Kundenwünschen und bis zur Losgröße 1 wirtschaftlich zu produzieren“, sagte Blackburn. Dazu aber müssten alle relevanten Daten für alle Beteiligten sofort und jederzeit verfügbar sein – es müsse einen umfassenden und flächendeckenden Datenaustausch geben. Blackburn: „Das heißt, Echtzeitsteuerung ist nur partnerschaftlich möglich, sie kann nicht einseitig vorgegeben werden. Um auch zukünftig erfolgreich zu sein, ist es wichtig, in Netzwerkstrukturen auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten.“

Zentrale Themen des diesjährigen Forums waren unter anderem Automatisierung und Digitalisierung in allen Stufen der Wertschöpfungskette, Produktionsplanung und -steuerung, auch angesichts immer individuellerer Kundenwünsche, und die Möglichkeiten, die sich durch intelligente Vernetzung und den Datenaustausch in Echtzeit eröffnen, zum Beispiel für mehr Nachhaltigkeit oder zur Optimierung der anspruchsvollen Aftermarket-Supply-Chain. Dazu sprachen Logistikexperten der Automobilhersteller und Zulieferer sowie Unternehmensberater und Wissenschaftler.

Mit der Möglichkeit zu exklusiven Einblicken in die Logistikpraxis schloss die zweitägige Veranstaltung. Neben dem BMW-Werk konnten die Teilnehmer das Entwicklungszentrum von Knorr-Bremse besuchen, das Werk von MAN Truck & Bus oder das Depot des Lebensmittellieferservices von Amazon Fresh.

Die Teilnehmer verfolgten mit großem Interesse die Inhalte des Handelslogistik-Kongresses im März in Köln

Die Teilnehmer verfolgten mit großem Interesse die Inhalte des Handelslogistik-Kongresses im März in Köln

Handelslogistik-Kongress

Einblicke in die Handelswelt der Zukunft

Seit diesem Jahr beteiligt sich die BVL neben EHI, GS1 Germany und dem Markenverband als weiterer Partner an der Ausrichtung des Handelslogistik-Kongresses Log. Die Teilnehmer profitieren von einem breiteren Spektrum an Themen, Referenten und Praxisbeiträgen.

Mit einer Rekordbeteiligung von rund 430 Besuchern war der erste Durchgang für die BVL ein voller Erfolg. Individualisierte Kundenwünsche, verkürzte Planungszeiträume und schwankende Nachfragesituationen – das sind nur drei von vielen Aspekten, die für den Handel beinahe täglich neue Anforderungen mit sich bringen. Wer die immer komplexer und dynamischer werdenden Logistikstrukturen der Handelsbranche beherrschen will, ist gefordert, sich verstärkt auch mit Themen wie den zunehmenden Personalengpässen in den Logistikzentren, den zahlreichen Kooperationsmöglichkeiten entlang der Supply Chain sowie den logistischen Herausforderungen des kanalübergreifenden Handels zu befassen.

Prof. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, misst dem Thema künstliche Intelligenz eine ähnlich große Bedeutung zu: „Sie hat das Potenzial, die Logistik im Handel auf den Kopf zu stellen.“ Zukunftsszenarien, in denen sich 30 Maschinen darüber unterhalten, wie sich Produkte am besten mit einem Zwei-Finger-Greifer picken lassen, sind für den renommierten Dortmunder Logistikforscher keineswegs wirklichkeitsfremd. „Roboter werden in Zukunft voneinander lernen können“, sagte ten Hompel. Jeder Roboter, der sein Wissen einbringe, könne im Ranking unter den Maschinen nach oben steigen.

Vertrauen, Technologie, Blockchain und Last Mile Logistics waren die prägnantesten Stichwörter, die auf dem Kölner Kongress aus der Handelspraxis zur Sprache kamen. Robert Köbsch, Head of Supply Chain & Logistik des zum Edeka-Konzern gehörenden Lebensmittel-Lieferdienstes Bringmeister, präsentierte zum Beispiel ein pfiffiges Konzept, mit dem es möglich ist, frische Waren direkt in den Kühlschrank zuzustellen. Stephan Wohler von der Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover stellte ein Logistikkonzept vor, das auf eine schnellere Warenverfügbarkeit und schlanke Prozesse setzt, um dem Kunden ein optimales Einkaufserlebnis zu ermöglichen.

Vertreter der Hamburger Beiersdorf AG sowie des Drogeriemarktkonzerns DM präsentierten auf dem Kongress zudem die ersten Ergebnisse des von GS1 Germany initiierten Pilotprojekts für das Ladungsträgermanagement mittels der Blockchain-Technologie. Kern der Zusammenarbeit war es, den vielfach praktizierten papiergebundenen Zug-um-Zug-Palettentausch mit Palettenscheinen durch ein wesentlich effizienteres Blockchain-Verfahren zu ersetzen. Erstes Fazit der Beteiligten in Köln: Die Technologie bietet viel Potenzial. In den nächsten Schritten gilt es nun, weitere Anwendungsfälle zu formulieren.

Forum Chemielogistik

Internes Know-how sichern

Mit dem Schwerpunktthema „Ressourcen effizient einsetzen“ fand Mitte Mai das Forum Chemielogistik der BVL am BASF-Standort Schwarzheide und im Deutschen Hygiene-Museum Dresden statt.

Gastgeber Dr. Colin von Ettingshausen, kaufmännischer Geschäftsführer und Arbeits-direktor bei BASF Schwarzheide, unterstrich vor den rund 140 Teilnehmern: „Der Standort hat das Potenzial, zum ersten Anlaufpunkt für die neue Seidenstraße zu werden und sich zu einer Logistikdrehscheibe zu entwickeln.“ Hinsichtlich der Ressourcen geht es in Schwarzheide – wie auch an anderen Chemiestandorten – darum, qualifiziertes Personal zu halten und zu gewinnen. Thomas Schmidt (Infraserv Logistics) berichtete dazu von der Herangehensweise am Standort Frankfurt.

Ausgangspunkt einer Podiumsdiskussion unter Leitung von Prof. Thomas Wimmer war die aktuelle Chemielogistik-Studie 2019 von Miebach Consulting. Sie zeigt, dass die Logistik tatsächlich ein wichtiger Faktor für den Unternehmenserfolg ist, und stellt Skepsis und Zurückhaltung bei der Anwendung von 4PL-Konzepten fest. Hintergrund dafür ist vor allem die Sorge um internen Know-how-Verlust durch Outsourcing von Steuerungsaufgaben. Die Podiumsteilnehmer Dr. Klaus-Peter Jung (Miebach), Constantin Reuter (Camelot), Berthold Jesse (DB Cargo BTT), Dr. An-dreas Backhaus (BASF) und Albert Schönecker (Covestro) bestätigten diese Entwicklung.

Forum Ersatzteillogistik

Viele Möglichkeiten zur Optimierung

Wohl jeder Ersatzteillogistiker hat mit knappen Mitarbeiterzahlen, Flächen-kapazitäten und Finanzmitteln zu kämpfen. Auf dem Forum Ersatzteillogistik der BVL am 4. April in Nürnberg diskutierten die rund 200 Teilnehmer, wie sich trotz solcher Einschränkungen Innovationen weiter vorantreiben lassen. Prof. Alexander Martin von der Universität Erlangen-Nürnberg empfahl, Einlagerungen, Lagerhaltungen und Liefernetzwerke mit Data Analytics zu verbessern. „Auf den Erfolg vieler Projekte haben Verfügbarkeit, Quantität und Qualität von Daten einen nicht zu unterschätzenden Einfluss“, sagte der Logistikwissenschaftler. Andere Referenten mahnten zielführende Anwendungen von künstlicher Intelligenz und Verbesserungen im Bestandsmanagement an. Mit Kennzahlen-Reviews, Prozessaudits, Bestellmessungen, Verschrottungsbudgets und anderen Maßnahmen könnten sich laut dem VW-Logistiker Matthias Heppding obsolete Ersatzteile identifizieren und entfernen lassen.

Das Spektrum weiterer Optimierungsmaßnahmen reicht von niedrigeren Komponentenpreisen für Kunden, die bislang auf dem grauen Markt eingekauft haben, bis hin zur vollständigen digitalen Transformation von Logistikprozessen. Auch das Outsourcing an einen Dienstleister ist weiterhin ein Erfolgskonzept, wie Helge Ketels, Head of Material Support & Optimization bei Nordex Energy, schilderte. „Voraussetzung hierfür ist eine genaue Dokumentation der Stamm- und Bewegungs-
daten sowie aller Arbeitsprozesse inklusive Notlösungen“, sagte der Windkraftanlagenlogistiker.