Aus den Regionalgruppen

Auf der Suche nach einer neuen Normalität

Ein Netzwerk wie die BVL lebt ganz wesentlich von persönlichen Begegnungen und dem Austausch untereinander. Lockdowns und Kontaktbeschränkungen machten die Jahre 2020 und 2021 zu einer Durststrecke für das Vereinsleben, erst recht im internationalen Austausch. Das Engagement vieler ehrenamtlicher in der BVL hat ganz wesentlich zur Resilienz der Organisation in der Pandemiezeit beigetragen. Eine neue Normalität ist jedoch noch nicht erreicht.

Das Jahr 2021 begann mit einem Town-HallMeeting, zu dem sich rund 50 Regionalgruppensprecherinnen und -sprecher online mit den Hauptamtlichen in der Geschäftsstelle zusammenschalteten. Auf der Agenda standen die wirtschaftliche Lage der BVL und die finanziellen und organisatorischen Konsequenzen, die Vorstand und Geschäftsführung als Restrukturierungsprojekt 2021 ff. zusammengestellt hatten. Es folgte eine Runde von Frühjahrsgesprächen mit allen 28 Sprecherteams der Regionalgruppen. Die hohe Transparenz in der Vorgehensweise wurde mit großer Solidarität belohnt – und sorgte für den nötigen Schwung, auch unter den erschwerten Bedingungen nicht in der ehrenamtlichen Arbeit nachzulassen.

Am 10. Juni trafen sich Regionalgruppensprecher und Chairpersons, studentische Sprecher und Young Professionals sowie Vertreter des Vorstands und der Geschäftsstelle online zum jährlichen Erfahrungsaustausch. Die als Antwort auf die Pandemie etablierten digitalen Veranstaltungen beschäftigten die Teilnehmenden aus allen Gremien: Was war gut, was weniger? Wie wollen wir in der Nach-Corona-Zeit verfahren? Einig waren sich alle, dass digitale Veranstaltungen auch in Zukunft Teil des Portfolios der Regionalgruppen sein sollen. Die Reichweite hat in den vergangenen Monaten überzeugt, und viele Themen sind für Logistikerinnen und Logistiker deutschlandweit relevant, nicht nur für die einer bestimmte Region.

Um die bessere Verzahnung der Berufserfahrenen und der Studierenden geht es auch bei der Integration der studentischen Gruppen in die Teams der Professionals. 18 der 25 studentischen Gruppen konnten 2021 Schritt für Schritt in die Professional-Gruppen integriert und so die Kommunikation und Zusammenarbeit gestärkt werden. Spezielle Veranstaltungen und themenspezifische Projekte wie Logistics4Future sollen gezielt den Logistiknachwuchs ansprechen.

International

Am 24. Juni kamen die Chairpersons und Representatives zu einem digitalen Treffen mit Vertretern der Geschäftsstelle in Bremen zusammen. Das Treffen generierte ein Stimmungsbild auch im internationalen Kontext: Wie ist die aktuelle Situation? Wo wollen wir hin? Welche Anforderungen hat das internationale Netzwerk? Schnell wurde klar, dass Bedürfnisse und Ausprägungen der individuellen Arbeit der internationalen Chapter ganz unterschiedlich sind – so unterschiedlich wie die Länder und Communitys vor Ort selbst. Regelmäßige Meet-ups stellen den Informationsfluss sicher.

Einigkeit herrschte darüber, dass die Internationalisierung der BVL vor dem Hintergrund der Globalisierung richtig und wichtig ist. Denn gerade die Logistik ist ein internationaler Wirtschaftsbereich, der nicht an Grenzen haltmacht. Das internationale Netzwerk der BVL ist ein Mehrwert, der deutlicher sichtbar werden sollte. Mitglieder der BVL haben durch die Chairpersons und  Representatives in allen Teilen der Welt Ansprechpartner, die durch die BVL verbunden sind. Das Netzwerk ist kontinuierlich gewachsen, vor allem das Jahr 2011 war ergiebig, was die Internationalisierung der BVL angeht: Gleich vier neue internationale Chapter wurden damals gegründet – neben Russland waren es Singapur, Brasilien und das Chapter Türkei. Zurzeit gibt es elf internationale Chapter, hinzu kommen acht Representatives. Als Sprecher der ersten Stunde in einigen dieser Gruppen zeichnete die BVL im abgelaufenen Jahr Jean Junjing Wang, Mirco Nowak, Stephan Grüner und Dominik Bühring mit der Ehrennadel aus.

Veranstaltungen der Regionalgruppen

Die Regionalgruppen, das Netzwerk Young Professionals und die Chapter luden im Jahr 2021 zu rund 160 Veranstaltungen ein, immerhin 20 davon fanden in Präsenz statt. Drei Beispiele: Logistik der „Polarstern“ "Logistics Extreme“ – so stand es im Titel der Veranstaltung der Regionalgruppe Rhein/Neckar am 9. September zum Thema "Die Logistik der ,Polarstern‘ – Expeditionen ins ewige Eis“. Dr. Uwe Nixdorf Logistikleiter am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, brachte den rund 40 Teilnehmenden Informationen und beeindruckende Bilder von der „Mosaic“-Expedition in die Arktis mit. Ziel dieser Expedition war es, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen. Für ein Jahr ließ sich die Besatzung auf dem Forschungseisbrecher „Polarstern“ in einer Eisscholle einfrieren, um per Drift die Arktis im Jahresverlauf zu erforschen. Corona machte einen Strich durch so manche logistische Rechnung. So konnte eine bereits angelegte Landebahn im Eis nicht angeflogen werden, weil Norwegen die Grenzen schloss. Damit entfiel eine geplante Luftbrücke. Im September gestartet, wurde die „Polarstern“ erstmals am 1. Dezember über einen russischen Eisbrecher versorgt. Auf die Frage, was das Team denn vergessen habe mitzunehmen, antwortete Nixdorf tatsächlich mit: „Nichts!“

Eindrücke vor Ort im Hafen Trier

„Kekse essen im Hafen Trier – Hafenbesichtigung und Networking mit dem Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft (BVMW)“ – der Titel machte bereits deutlich: Bei der Veranstaltung der Regionalgruppe Mittelrhein/Mosel am 30. Juni sollte die persönliche Begegnung wieder mehr Raum bekommen. Nach zahlreichen Online-Meetings mit zum Teil sehr kreativen Konzepten wie einer virtuellen Weinprobe freuten sich die Organisatoren, endlich wieder Gäste am Hafen Trier begrüßen zu können. Mit fast 1,6 Millionen Tonnen Schiffsgüter- und Bahnumschlag versteht sich der Hafen mit seinen Partnern als Logistikdrehscheibe der Großregion Trier/Eifel/Saarland/Luxemburg und verknüpft die Verkehrsträger Straße, Schiene und Wasserstraße. Bei einem Rundgang über das Gelände lieferte Volker Klassen, Geschäftsführer Hafen Trier und Sprecher der Regionalgruppe, einen Blick hinter die Kulissen dieser logistischen Herausforderung und gab einen Überblick über die 40 Betriebe mit mehr als 2.500 Beschäftigten am Hafen Trier. Im Anschluss gab es dann auch die im Veranstaltungstitel versprochenen Kekse.

Digitalisierungslücken im Rettungswesen

Am 22. April war die Regionalgruppe Ruhr zu Gast beim Fraunhofer IML in Dortmund. Prof. Uwe Clausen als Gastgeber begrüßte die 35 online zugeschalteten Teilnehmer. Auf dem Programm: Einblicke in die Logistik des Rettungswesens, insbesondere in das Projekt „Euriale“. Im Bereich der Notfallmedizin gibt es bereits erste TelematikAnwendungen zur  Unterstützung der optimalen Notfallversorgung. Ziel des Projekts unter Leitung von Prof. Matthias Klumpp ist es, die Möglichkeiten des 5G-Mobilfunks zu nutzen, um eine störungsfreie Datenübertragung von Real-Time-Bild-, Video- und Audioinformationen in Notfallsituationen zu gewährleisten und damit die Notfallprozesse zu optimieren. Dabei sollen Ersthelfer, Notarztpersonal und stationäres Arztpersonal unmittelbar kommunizieren und Daten austauschen können. „Die erste Meile in der Rettungskette ist digital ganz gut ausgestattet, für alles danach gibt es heute kaum digitale Instrumente“, so Klumpp. Die Partner des Konsortiums sind neben dem Fraunhofer IML die Universität Duisburg-Essen, das Universitätsklinikum Münster, die Feuerwehr Dortmund und Adesso Mobile Solutions.