Titelstory

Die Pandemie als Katalysator

Im Februar 2020 war das Forum Automobillogistik die letzte große Veranstaltung der BVL, die unbeschwert und ohne Einschränkungen durch die herannahende Pandemie stattfinden konnte. Damals hätte man es sich noch nicht träumen lassen, dass BVL und VDA ein Jahr später auf ein ausschließlich digitales Format und damit in erster Linie auf die Vermittlung von Inhalten setzen mussten. Mehr als 1.200 Teilnehmer meldeten sich für das Forum an. In der Spitze folgten rund 550 Zuschauer gleichzeitig dem Livestream, insgesamt loggten sich rund 1.000 Teilnehmer ein. Im begleitenden Chat, in den sozialen Medien und auch in der sonstigen Berichterstattung fand das Forum große Resonanz – und damit kam in Ansätzen auch so etwas wie Networking in Gang.
Im Programm unter dem Leitgedanken „Supply Chains im Spannungsfeld – regional, nachhaltig, zollfrei?“ hatte das Thema Digitalisierung einen hohen Stellenwert, insbesondere mit Blick auf die Transparenz in Lieferketten, Planungsmethoden und Automatisierung. Daneben stand die Nachhaltigkeit im Fokus. Simon Motter, Leiter der Volkswagen-Konzernlogistik, ermutigte dazu, den Bahnverkehr und den CO2-neutralen Seetransport auszubauen. Im Panel „Brennstoffzelle – Zukunft der Logistik?“ gaben die Referenten konkrete Einblicke in die Pläne von Bosch und Daimler Truck.
Fast alle Rednerinnen und Redner wiesen auf die Katalysatorwirkung der Pandemie und der Lockdowns hin. Die Verletzlichkeit der Wertschöpfungsketten sei auf brutale Weise deutlich geworden. Nun stelle sich die Frage, was man aus den Ad-hoc-Lösungen und neuen Abstimmungsverfahren entlang der Lieferketten lernen könne – auf dem Weg zu einem „neuen Regelbetrieb“, wie es John Sobeck von der ZF Friedrichshafen AG formulierte. Hinsichtlich der Transparenz in der Lieferkette wies Dr. Arne Flemming von der Robert Bosch GmbH darauf hin, dass diese nicht nur nach unten, sondern auch nach oben praktiziert werden müsse.
DIW-Präsident Prof. Marcel Fratzscher erteilte einer Regionalisierung als Reaktion auf Lieferengpässe eine Absage. „Wir leben von internationalen Lieferketten“, so Fratzscher. Es gehe jetzt darum, die Widerstandsfähigkeit dieser Lieferketten zu erhöhen, Risiken breiter zu streuen und mit mehr Lieferanten in verschiedenen Ländern zusammenzuarbeiten. Er mahnte eine „klügere Globalisierung“ an und forderte ein Investitionsabkommen mit den USA. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sagte: „Das Programm des Forums zeigt, dass wir trotz der Belastungen durch Corona an der Zukunft arbeiten. Digitalisierung ist für unsere Mitgliedsunternehmen wichtiger denn je.“ Sie wies zudem darauf hin, dass die Automobilbranche sich dem Klimaschutz verpflichtet fühle und daher intensiv daran arbeite, den CO2-Fußabdruck in der Lieferkette zu verringern.

Hier gibt es Impressionen vom Forum

Antworten auf neue Gewohnheiten

Seit knapp einem Jahr prägt ein pandemiebedingt veränderter Alltag das Leben. Dazu gehören Abstandsgebote, Einkaufen nur mit Einkaufswagen, Bahnfahren nur mit Mund-Nasen-Schutz und Begrüßung ohne Handschlag. Digital ist Trumpf, denn der digitale Einkauf, der digitale Konzertbesuch, Videokonferenzen oder Webinare machen es einfach, die neuen Regeln einzuhalten, sich selbst und andere nicht in Ansteckungsgefahr zu bringen.

Als „normal“ empfinden viele diesen veränderten Umgang miteinander nach wie vor nicht. Doch es stellt sich eine neue Alltäglichkeit ein, in der das Aufziehen der Maske immer seltener vergessen wird, Menschen fast automatisch einen größeren Abstand zueinander suchen als noch vor zwölf Monaten – und man sich bei Videokonferenzen längst nicht mehr so allein fühlt wie im Frühjahr 2020. Hinzu kommt: die digitalen Formate sind innerhalb kürzester Zeit viel nutzerfreundlicher geworden.

Die BVL, ihre Weiterbildungseinheiten BVL Seminare und Deutsche Außenhandels- und Verkehrs-Akademie (DAV) und natürlich erst recht die BVL.digital GmbH haben die Chancen der Krise genutzt. Für die Mitglieder ebenso wie für Nicht-Mitglieder. Unter den Nutzern ihrer Angebote wurden neue Formate erprobt, die auf hervorragende Resonanz stoßen. Dabei ging es oft mit Siebenmeilenstiefeln zum Ziel, so beim Tag der Logistik im April 2020, der innerhalb weniger Wochen weitgehend auf digitale Veranstaltungsformate umgestellt wurde, vor allem aber beim Deutschen Logistik-Kongress, den die BVL im Oktober zu Beginn der zweiten Corona-Welle innerhalb von zehn Tagen von einem überwiegend analogen in ein digitales Format umbaute.

Save the Date: 20. bis 22. Oktober 2021

Im zweiten Corona-Jahr setzt die BVL für den Deutschen Logistik-Kongress auf ein Zwei-Phasen-Modell im Zulauf auf den Veranstaltungstermin vom 20. bis zum 22. Oktober 2021. In der ersten Phase plant sie ihn als sicheres und hochkarätiges Digital-Event. Parallel dazu laufen Vorbereitungen für einen Präsenzteil. Die Entscheidung über die konkrete Umsetzung einer analogen Netzwerkveranstaltung soll Anfang Juni fallen. Sollte die weitere Entwicklung hinsichtlich Infektionsgeschehen, Impfsituation und staatlicher Regelungen dann ein sicheres Präsenzformat mit persönlichen Begegnungen möglich erscheinen lassen, wird die BVL auf das Format Hybridveranstaltung umstellen, Inhalte überwiegend online präsentieren und sichere Räume für persönliche Begegnungen schaffen. „Wir sind überzeugt, auch in einem kleinen Zeitfenster eine Live-Veranstaltung umsetzen und der Logistik-Community eine der ersten Plattformen für unvermitteltes Netzwerken, Austauschen und Wiedersehen ermöglichen zu können“, so Christoph Meyer, Projektleiter des Kongresses. Wenn sich eine Chance biete, wolle die BVL sie mit Mehrwert für alle Beteiligten nutzen.