Fokus

Inhaltliche Vielfalt, angeregte Diskussionen und ein reibungsloser Ablauf

Innerhalb von nur einer Woche das Konzept des diesjährigen Deutschen Logistik-Kongresses von analog, hybrid und digital auf rein digital umzustellen – dieser Herausforderung hat sich die BVL gestellt. Und es hat funktioniert! Etliche Meter Kabel, knapp 20 Monitore, drei Kameras und ganz viel Manpower und Engagement waren nötig, um den Kongress über die Bildschirme laufen zu lassen. Entsprechend groß war die Anspannung, als der Countdown vor der offiziellen Eröffnung durch Prof. Thomas Wimmer, den Vorstandsvorsitzenden der BVL, die letzte Minute herunterzählte. Doch schon bald kamen die ersten positiven Rückmeldungen im Chat: „Professionelles Format, alles stabil. Kompliment!“, „Toll, dass es so digital klappt!“. Moderiert wurde der Kongress in diesem Jahr von Christina Thurner, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Loxxess AG in Unterföhring und Mitglied im Vorstand der BVL, die ihre Aufgabe so souverän und locker meisterte, dass sie sich gleich für das nächste Jahr empfahl, wie Wimmer betonte.

Auch während der Kongresspausen wurden die Teilnehmer nicht sich selbst überlassen: Dr. Christian Grotemeier, Geschäftsführer von BVL.digital, und Boris Felgendreher, Gründer und Host des BVL.digital Podcasts, gaben Hinweise zur Benutzung der Plattform, stimmten auf die kommenden Inhalte ein und ließen Programmpunkte Revue passieren. Sogar eine Podcast-Folge wurde live auf der Bühne mitgeschnitten: Dr. Peter Gebhard, Bereichsleiter Logistik bei der Hipp GmbH & Co. Vertrieb KG in Pfaffenhofen und Beiratsmitglied der BVL, berichtete unter dem Titel „Konsumgüterlogistik in Zeiten von Corona – in zwölf Wochen von ,normal‘ bis ,Wahnsinn‘ und zurück“ von seinen Erfahrungen zu Beginn der Pandemie.

Das Kongressprogramm war gewohnt vielseitig. Zahlreiche Redner waren live vor Ort in Berlin, andere wurden zugeschaltet. Alles verlief reibungslos. Zum Kongressauftakt sprachen Karl Gernandt von der Kühne Holding AG, Christoph Bornschein von der TLGG Group, Hildegard Müller vom VDA, Dr. Sigrid Nikutta von der Deutschen Bahn AG sowie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Gernandt rief in seinem Vortrag über die Anpassungsfähigkeit der Logistiker dazu auf, der Logistik einen gesellschaftlich anerkannten Sinn zu geben. „Wir können viel mehr als Transport“, sagte er und betonte, dass die Logistik in der Krise eindrucksvoll ihre License to Operate gezeigt habe. Bornschein meinte, dass dieser exogene Schock vielleicht nötig gewesen sei, um Veränderungen anzugehen und einzuführen. Jetzt sei es an der Zeit, das Narrativ zu ändern, wenn es um das Thema Digitalisierung gehe. Es sei kein Kampf „Mensch gegen Maschine“. Die Digitalisierung biete eine Unterstützung für den Menschen. Müller sprach sich auch angesichts drohender neuer Lockdowns für offene Grenzen aus: „Wir brauchen internationale Zusammenarbeitund keine Handelskonflikte.“ Das Thema Zusammenarbeit lag auch Sigrid Nikutta am Herzen: Umweltschutz könne man nur gemeinsam meistern. „Wir müssen es schaffen, effizient zusammenzuarbeiten“, sagte sie. Die CO2-Emissionen im Verkehr stiegen, weil die Mobilität zunehme. Der Verkehr müsse umverteilt und der kombinierte Verkehr ausgebaut werden. Eine lebhafte Podiumsdiskussion unter dem Titel „Nachhaltig gestalten – Winning the Next Decade“ entwickelte sich zwischen Frank Dreeke von der BLG Logistics Group, Simone Menne, Multi-Aufsichtsrätin, und Dr.-Ing. Claas Helmke, German Zero e. V. Obwohl die Diskussionsteilnehmer zusammengeschaltet wurden, ergab sich ein lebendiger Schlagabtausch – auch dank der flotten Moderation von Ursula Weidenfeld.

Am Kongressfreitag waren Frank Thelen von Freigeist Capital und Béatrice Guillaume-Grabisch, Nestlé S.A., als Redner zugeschaltet, und Robert Habeck, Parteivorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, stand live auf der Bühne. Thelen appellierte an die Teilnehmer, dass Innovationen schneller kommen müssten: Die Veränderungen in unserer Gesellschaft unterlägen einem exponenziellen Wachstum, 5G sei heute eigentlich schon von gestern. Robert Habeck äußerte sich zwar nicht zur K-Frage, machte aber deutlich, dass eine zukünftige Regierung an einer entsprechenden CO2-Bepreisung nicht vorbeikommen werde und dass staatliche Subventionen in Zukunft an Nachhaltigkeit gebunden sein sollten. Wer nicht live dabei sein konnte, hat über „DLK 2020 Replay“ nun zwölf Monate lang die Möglichkeit, die Inhalte des Kongresses plus Bonusmaterial kostenpflichtig abzurufen. Das Paket ist buchbar unter www.deutscher-logistik-kongress.de.

Trotz allem kein Geisterspiel

Viele Mitarbeiter der BVL-Geschäftsstelle rechnen ihre Zugehörigkeit in der Anzahl der Kongresse, die sie mitgestaltet, erlebt und durchlitten haben. Kreativität ist gefragt, Akribie in der Vorbereitung und Umsetzung vor Ort, Konzentration, ein offenes Ohr für die Belange von Ausstellern, Rednern und Teilnehmern. Belohnt wird man durch die einzigartige Stimmung in Berlin, die Zufriedenheit der Kunden – und das Gefühl, bei allem Stress und aller Mühe Teil einer superkollegialen Mannschaft zu sein. Auch in diesem Jahr, das ab Mitte März von der Corona-Pandemie überschattet wurde, haben die Teams in der Geschäftsstelle alles gegeben, um ein hervorragendes Programm auf die Beine zu stellen. Immer mal wieder ging der Blick auf die Infektionskurve, und wir stellten uns die Frage, ob die Zeit für oder gegen uns spielen würde. Schließlich fiel die Entscheidung dann doch für einen rein digital übertragenen Kongress. Statt der großen BVL-Mannschaft fuhr nur ein zehnköpfiges Team nach Berlin, um dort – sozusagen am Originalschauplatz – zu koordinieren und zu gestalten, was im Internet übertragen wurde. Technik dominierte die „Sendesäle“. Leer waren die Foyers, Stille herrschte, wo sich sonst die Gäste an den Kaffeebars drängen, Wiedersehen feiern, neue Kontakte knüpfen. Und doch kam Kongressgefühl auf, gab es so eine Art trotzige „Der Kongress lebt“-Überzeugung. Vielleicht ist das auch an den Monitoren rübergekommen – erste Rückmeldungen lassen das vermuten. Der Kongress 2020 war kein Geisterspiel. Aber mit allen gemeinsam wäre er einfach schöner gewesen.

Der Deutsche Logistik-Preis 2020

Für sein Projekt „Integrativ. Intelligent. Automatisiert.“ wurde das Einzelhandelsunternehmen DM-Drogerie-Markt mit dem Deutschen Logistik-Preis 2020 ausgezeichnet. In einem strategischen Netzwerkanalyse- und Planungsprozess war zunächst die Entscheidung für einen weiteren DM-Verteilstandort in Deutschland gefallen, um das anhaltende Mengenwachstum zu bewältigen. Gleichzeitig entwickelten die Logistiker auch eine innovative logistische Infrastruktur. In deren Zentrum stehen digitale Filial-Zwillinge für jeden einzelnen Markt. Ein stark automatisierter intralogistischer Bereitstellungsprozess hat die Aufgabe, die auf sortenreinen Originalpaletten eintreffenden Artikel für die sieben Kommissionierroboter so aufzureihen und diesen anzudienen, wie sie für den physischen Bau der Filial-Mischpaletten benötigt werden.

Mehr Informationen zum Preisträger 2020

Inhalte vorab - On the Road to DLK

Schon im Vorfeld des diesjährigen Deutschen Logistik-Kongresses gab es einige Inhalte in Form von sogenannten Pre-Events. Den Anfang machte die Online-Konferenz „Nachhaltigkeit in der Transportlogistik“ von BVL.digital, unter anderem mit Steffen Bilger, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. In der Sequenz Infrastruktur – Voraussetzung für einen zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort“ hörten die Teilnehmer einen Impulsvortrag von Bruno Fischer, SBB Cargo, über die besonderen Herausforderungen, die der Ausbau des intermodalen Verkehrs in der Schweiz mit sich bringt. In der anschließenden lebhaften Diskussion von Panelisten und Moderator ging es vor allem um die Unterschiede zwischen der Schweiz und Deutschland. Die Session „Circular Economy“ war besonders interaktiv gestaltet: Zwischen den Vorträgen von Nanja Hedal Kløverpris von Novo Nordisk und Dylan McNeill von Philips sowie Hedda van Ralte von der Hogeschool Rotterdam waren die Teilnehmer in das Simulationsspiel zur Circular Economy „The Blue Connection“ eingebunden. In der Thesis Conference ging der Publikumspreis an Christoph Jochimsthal, Kühne Logistics University, heute Young Professional als Spezialist in der Distributionslogistik bei der BMW Group in München. Im Finale um den Wissenschaftspreis Logistik setzte sich Dr. Felix Weidinger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für ABWL/Operations Management an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, durch. Das erfuhr er aber erst während der Preisverleihung im Rahmen des Kongresses. Aufzeichnungen der Pre-Events stehen kostenfrei auf der Website der BVL zur Verfügung.

Hier geht es zu den Aufzeichnungen der Pre-Events