Fokus

Mut zur Zukunft – beherzt anpacken

„Die Weltwirtschaft befindet sich in einer schwierigen Zeit als Folge schlechter politischer Entscheidungen“, sagte Robert Blackburn, Vorstandsvorsitzender der BVL, auf dem Deutschen Logistik-Kongress. Wirtschaftliche Unsicherheiten durch den Brexit und Handelskonflikte sind ein Teil der Herausforderungen, denen sich die Entscheider in Logistik und Supply Chain dieser Tage mutig stellen müssen. „Mutig machen“ war daher das Motto des diesjährigen Deutschen Logistik-Kongresses vom 23. bis zum 25. Oktober in Berlin. 3.207 Teilnehmer kamen zusammen und erhielten von Top-Referenten aus Wirtschaft, Forschung und Politik Einblicke, was die Logistik mit Mut erreichen kann. „Ich bin davon überzeugt, dass unter anderem die Digitalisierung große Chancen für unseren Wirtschaftsbereich beinhaltet“, betonte Blackburn in seiner Eröffnungsrede. „Die Logistik ist dabei, die Schlüsselfunktion der Zukunft zu werden. Sie ist der Treiber der digitalen Veränderung.“

„Mut ist der zentrale Baustein für die Gestaltung des digitalen Wandels“, so begann Alexander Birken, CEO des E-Commerce-Riesen Otto, die Reihe der Vorträge am ersten Kongresstag. Das bedeute auch, sich von Althergebrachtem zu verabschieden, das vielleicht bisher ein Erfolgsgarant war. Neue Technologien zu implementieren, sei ein essenzieller Schritt, um mit den aktuellen Entwicklungen mitzuhalten. Unternehmer sollten den Mut aufbringen, in zukunftsweisende Projekte zu investieren. Angela Titzrath, Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), weiß, was das heißt: Die HHLA prüft in Kooperation mit dem Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen CML gerade die Möglichkeit, Container im Hamburger Hafen per Drohne zu transportieren. „Bei uns lernen Boxen fliegen – und wir meinen das ernst“, sagte Titzrath und fügte hinzu: „Mut spornt zu Innovationen an.“

Fest steht aber auch: Ohne motivierte und qualifizierte Mitarbeiter geht es nicht. Christoph Pieper vom Automobilzulieferer Winkelmann betonte: „Wir müssen unsere Mitarbeiter mitnehmen, sie zu Transformationsprozessen ermutigen und ihre Ängste davor, was Transformation mit ihren Jobs macht, ernst nehmen.“ Das, so Birken, sei nur mit Mut zum ehrlichen Dialog möglich.

Insgesamt diskutierten rund 150 Vortragende an drei Kongresstagen zahlreiche Themen rund um die moderne Logistik. Neben den wirtschaftlichen Unsicherheiten ging es um aktuelle Trends und Technologien, den Fachkräftemangel und die Herausforderung, die Logistik der Zukunft nachhaltig zu gestalten. 

Mehr Tempo für weniger Abgas

Der innerstädtische Verkehr verdichtet sich mehr und mehr. Das liegt zum Teil am zunehmenden Individualverkehr, doch auch der Warentransport hat einen hohen Anteil am Verkehrsaufkommen. Vordenker in der Logistik sind daher gefragt, Lösungen für einen besseren Verkehrsfluss zu ermitteln. Auf dem Kongress stellte Dr. Christian Grotemeier von BVL.digital die Studie "Accelerating Urban Logistics“ vor, die die Innovationseinheit der BVL gemeinsam mit Here Technologies durchgeführt hat. Die größten Problemfelder im städtischen Straßenverkehr sehen Logistiker vor allem in der Verkehrsleitung, aber auch in fehlenden Park- und
Haltemöglichkeiten für die Warenauslieferung. Dabei bietet die Optimierung des Verkehrsflusses ein großes Potenzial für die städtische Umweltpolitik, denn wenn das Tempo steigt, sinken die Emissionen. Grundlage der Studie sind die Analyse von 58 Milliarden Verkehrsdatenpunkten sowie eine Befragung von 400 Logistikexperten. Über die Bedeutung der Mobilität für eine erfolgreiche Zukunft sprach auch der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Andreas Scheuer: „Wir haben mit unserem Innovationsprogramm einen Plan, nämlich, dass Deutschland Klassenbester bleibt. Dazu muss man mobil und digital zusammenbringen“. (ka)

Internationale Beziehungen

Im Rahmen der feierlichen Show am Ende des ersten Kongresstages wird jährlich der Deutsche Logistik-Preis vergeben – in diesem Jahr an die BMW Group. Als Ehrengast des Abends sprach der Botschafter der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland, S. E. Wu Ken, über die neuen interkontinentalen Handelswege durch die „Belt and Road Initiative“ der Volksrepublik China. Wu Ken und Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG, unterhielten sich über die neue Seidenstraße und die Chancen für globale Supply Chains. „In Zeiten zunehmender Risiken lautet die richtige Antwort: überregionale Zusammenarbeit“, betonte Wu Ken. Die „Belt and Road Initiative“ bedeute genau das: internationales Zusammenrücken. In einem Gespräch auf Augenhöhe bestärkten Wu Ken und Staake ihren Willen zur Zusammenarbeit. Ein Lichtblick in der angespannten Lage des Welthandels. (ka)