Fokus

Nachhaltigkeit auf allen Ebenen

Definition

„Nachhaltig gestalten – Winning the Next Decade“: So lautet das Jahres- und Kongressmotto der BVL zum Start in die 20er-Jahre des 21. Jahrhunderts. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff „Nachhaltigkeit“? Haben wir überhaupt ein einheitliches Verständnis? Die erste Definition von nachhaltiger Entwicklung findet sich im sogenannten Brundtland-Bericht, veröffentlicht von der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen im Jahr 1987: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.“ Diese Definition impliziert bereits, dass Nachhaltigkeit neben dem Schutz der Umwelt weitere Aspekte einbezieht. Der Brundtland-Bericht gilt als der Startschuss der öffentlichen Debatte zum Thema Nachhaltigkeit. Eine Konsequenz war die Einberufung der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung („Rio-Konferenz“). 1992 wurde dort die Agenda 21 beschlossen.

Drei Aspekte

Ob im „Nachhaltigkeitsdreieck“ oder im „Drei-Säulen-Modell“ dargestellt – Nachhaltigkeit umfasst drei Bereiche: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung formuliert: „Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunktenzu berücksichtigen. Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen.“ Mit der Agenda 2030, die im Jahr 2015 auf die Agenda 21 folgte, erarbeiteten die Vereinten Nationen 17 Ziele einer nachhaltigen Entwicklung, die in gleicher Weise für Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer gelten. Angesprochen werden nicht nur die Regierungen der jeweiligen Länder, sondern auch Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft und Wissenschaft. Die 17 Ziele beinhalten Frieden und Rechtsstaatlichkeit, Bekämpfung von Armut und Hunger, Gesundheit und Wohlergehen, das Recht auf Bildung, Gleichstellung, menschenwürdiges Leben und Arbeiten sowie den Schutz des Klimas und unserer Ressourcen.

Standards 

Die Ziele 12 und 13 der Vereinten Nationen lauten „Nachhaltige/r Konsum und Produktion“ sowie „Maßnahmen zum Klimaschutz“. Um die Erderwärmung zu stoppen und damit das Klima zu schützen, ist es notwendig, den Ausstoß des Treibhausgases CO2 deutlich zu reduzieren. Der erste Schritt ist die Ist-Analyse, also die Bestimmung der eigenen Treibhausgasbilanz. Mit dem „Greenhouse GasProtocol“ steht Unternehmen eine einheitliche und international anerkannte Methode zur Verfügung, um ihren Ausstoß an Treibhausgasen zu berechnen. Die Unternehmensstandards wurden auf Initiative des World Resources Institute (WIR) und des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) entwickelt und berücksichtigen Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette in drei sogenannten Scopes: Scope 1 umfasst die direkten Emissionen aus eigenen Unternehmensprozessen, Scope 2 bezieht die indirekten Emissionen aus gekaufter Elektrizität und Wärme ein. Scope 3 erweitert die Berechnungen um Emissionen aus der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette, auf die das Unternehmen keinen direkten Einfluss hat.

Nachhaltige Logistik

Seit einigen Wochen ist Nachhaltigkeit das große Gesprächsthema auch auf den Regionalgruppenveranstaltungen der BVL. Die Menschen im Wirtschaftsbereich Logistik sind sich ihrer Verantwortung bewusst und haben eine solide Basis, auf der sie aufbauen können: Nachhaltigkeit durch Effizienz ist in Logistik und Supply Chain Management selbstverständlich. Die Digitalisierung schafft zusätzliche Möglichkeiten, zum Beispiel durch maximale Transparenz in Transportnetzen und Versorgungsketten. So lassen sich Leerfahrten schon heute vielfach vermeiden und Lieferstrecken so kurz wie möglich halten. Wer mit Echtzeitdaten navigiert, kann zudem Staus und Verkehrsbehinderungen ausweichen. Das ist nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern auch ökologisch und sozial. Neue Technologien führen auch auf anderen Wegen zu einer Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs: Der Einsatz von Elektromobilen oder E-Lastenrädern gerade in Innenstädten vermindert den CO2-Ausstoß weiter.


Workshop

Im BVL-Jahresworkshop, der Auftaktveranstaltung des Jahres 2020, beschäftigten sich auch die Mitarbeiter der Geschäftsstelle mit dem Thema Nachhaltigkeit. Impulse lieferte der Gastvortrag von Michael Maass, Vice President Sustainability Solutions bei der Kühne + Nagel (AG & Co.) KG, der auch der Gastkommentator in dieser Ausgabe des LOG.Letters ist. In Kleingruppen diskutierten die Mitarbeiter, wie sich der Leitgedanke „Nachhaltig gestalten – Winning the Next Decade“ mit Leben füllen lässt und was jeder Einzelne dazu beitragen kann. Es entstanden rege Diskussionen mit vielen Anregungen aus dem privaten und beruflichen Alltag. Am Ende wurden Nachhaltigkeitsmaßnahmen vereinbart, über deren Umsetzung die Geschäftsstelle die Mitglieder auf dem Laufenden halten wird. Ganz nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber!“. (ka/as)

 

Nachhaltigkeit in der Logistik - Gastkommentar von Michael Müller, Vice President Sustainability Solutions bei Kühne + Nagel

Die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz haben in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung und Präsenz gewonnen – zu Recht. Wir sehen inzwischen im politischen und im wirtschaftlichen Bereich zahlreiche Debatten und erste Maßnahmen, dem Klimawandel entschlossen entgegenzutreten. Wie stehen wir in der Logistik zu diesem Thema? Die weltweiten Transporte haben mit circa sieben Prozent einen beträchtlichen Anteil an den globalen CO2-Emissionen. Allein der Schifffahrtssektor erreicht mit jährlich knapp einer Milliarde Tonnen CO2-Ausstoß einen Wert, der dem Gesamtausstoß Deutschlands entspricht. Es steht somit außer Frage, dass wir gefordert sind, praktikable Lösungen zum Klimaschutz voranzutreiben. Kühne + Nagel hat in den letzten Jahren ein Maßnahmenpaket geschnürt: Allein 2018 haben wir im Nachhaltigkeitsbereich mehr als 200 Aktivitäten in rund 70 Ländern umgesetzt. Unser Net-Zero-Carbon-Programm haben wir im September 2019 initiiert. Ab 2020 kompensiert das Unternehmen den nicht vermeidbaren eigenen CO2-Ausstoß. Unser Ziel ist, dass bis 2030 alle Transporte der Zulieferer im Netzwerk von Kühne + Nagel CO2-neutral sind. Hierfür beteiligt sich Kühne + Nagel an naturbasierten Kompensationsprojekten. Diese freiwilligen Maßnahmen unterstützen die 17 Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Dies ist allerdings nur eine Übergangslösung. Über die Entwicklung nachhaltiger
und innovativer Lösungen für Lieferketten wollen wir die CO2-Emissionen zukünftig vollständig vermeiden.