Fokus

Kompetenzzentrum Sachsen  Fachwissen und Erfahrung in Sachen Automobil

Forum Automobillogistik

Das Forum Automobillogistik als Gemeinschaftsveranstaltung des Verbands der Automobilindustrie e. V. (VDA) und der BVL ist der jährliche Treffpunkt von Logistikern und Supply Chain Managern der Hersteller (OEM) und Lieferanten sowie von Automobilexperten aus Logistik-, IT-, Verpackungs-, Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen. Am 5. und 6. Februar findet das Forum zum zweiten Mal in seiner Geschichte in Leipzig statt. Und das aus gutem Grund: Die Stadt hat in den letzten Jahren einen erstaunlichen Strukturwandel durchlaufen, der sie in eine Drehscheibe der Automobilindustrie und der Logistik verwandelte.


Tradition 

Das Land Sachsen blickt auf eine lange Geschichte als Automobilstandort zurück. Seit über 100 Jahren kommen Innovationen aus dem Bereich Mobilität von dort: Lenkrad links, Schalthebel mittig, Frontantrieb in Serie – vieles, was heute selbstverständlich ist, wurde von Sachsen aus verbreitet. Der Trabbi war das erste Auto mit serienmäßiger Kunststoffkarosserie. Auch nach der Wiedervereinigung konnte sich das Bundesland als Automobilhochburg behaupten, und namhafte Autokonzerne siedelten sich dort an: Sachsen ist ein Kompetenzzentrum in Sachen Automobil. Laut der dortigen Wirtschaftsförderung kommt heute ungefähr jeder achte in Deutschland gebaute Pkw aus Sachsen. Insgesamt fünf Fahrzeug-und Motorenwerke sind ansässig, hinzu kommen 780 Zulieferer, Ausrüster und Dienstleister. Mit 95.000 Beschäftigten, davon 80 Prozent bei Zulieferern, hat die Automobilindustrie einen Anteil von 27 Prozent am Industrieumsatz Sachsens.

Wirtschaft 

Als größte Stadt Sachsens hat Leipzig einen wesentlichen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg der Logistik im Bundesland. 2018 erwirtschaftete die sächsische Logistik 11,7 Milliarden Euro Umsatz. Dabei arbeiten rund 130.000 Menschen im Wirtschaftsbereich – rund acht Prozent aller Beschäftigten in Sachsen, das damit zu den logistikaffinen Bundesländern gehört und für logistikintensive Unternehmen besonders attraktiv ist. In Chemnitz, Dresden und Zwickau finden sich Standorte von Volkswagen, in Leipzig stehen Werke von Porsche und BMW. 2017 waren im Leipziger Cluster Automobil- und Zulieferindustrie rund 18.500 Menschen beschäftigt.

Technik

Aktuelle Themen in der Automobilproduktion sind der Elektroantrieb und eine kraftstoffsparende Leichtbauweise. Bei der Daimler-Tochter Accumotive in Kamenz werden Lithium-Ionen-Batterien hergestellt. Großflächig planar aufgebaute Bipolarbatterien, die sich ins Chassis eines Elektrofahrzeugs integrieren lassen, ent-wickeln das Fraunhofer IKTS, IAV Automotive Engineering und Thyssenkrupp Systems Engineering mit dem Projekt „Embatt“. An der TU Chemnitz arbeiten Wissenschaftler und Techniker im Exzellenzcluster „Merge“ auf dem Gebiet der Leichtbauforschung. An der TU Dresden sitzt das zweite große Leichtbauzentrum, das Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik. 2020 kommt der Volkswagen ID aus dem Werk in Zwickau auf den Markt. Durch neue Technologien und die Einführung neuer Baureihen kommen ständig neue Materialflüsse hinzu, Produktion und Logistik müssen also Hand in Hand arbeiten. Daher steht das Forum Automobillogistik in diesem Jahr unter dem Titel „Grenzen einreißen – Produktion und Logistik verschmelzen“.

Innovation

Durch die zentrale Lage des Veranstaltungsorts inmitten der Automobilhochburg bietet sich die Möglichkeit zu attraktiven Werksbesichtigungen. Im BMW-Werk Leipzig entstehen seit März 2005 BMW-Automobile für Kunden in der ganzen Welt: Rund 1.000 Fahrzeuge rollen täglich vom Band. Allein in der klassischen Produktion der 1er- und 2er-Reihe stellt das Werk täglich mehr als 860 Automobile her. Hinzu kommt seit September 2013 die Produktion des BMW i3 und seit Mai 2014 des BMW i8 – zweier zukunftsweisender Fahrzeuge mit alternativen Antrieben und Karosserien aus Carbon. Vier Windräder auf dem Werksgelände liefern Strom zur Produktion dieser Fahrzeuge.Die BMW Group erhielt in diesem Jahr den Deutschen Logistik-Preis mit ihrem Projekt „Logistics Next“. Dazu gehört der Einsatz von autonomen Transportsystemen. Am Standort Leipzig bringt ein autonomer Outdoor-Transportroboter, der „Autotrailer“, Lkw-Auflieger selbstständig vom Stellplatz zur Ent- und Beladestation. Das Konzept hat sich so gut bewährt, dass es in Leipzig in Serie geht. Bereits im Serienbetrieb im Einsatz ist der „Sortbot“: Er erkennt Kleinladungsträger mithilfe einer 3-D-Kamera und künstlicher Intelligenz und stapelt die Behälter mithilfe eines Sauggreifers auf der Palette. Das Porsche-Werk Leipzig ist eines der modernsten und nachhaltigsten der Welt. Gerade wird es zum fünften Mal erweitert, damit es fit ist für die Produktion der nächsten Generation des Kompakt-SUV Macan mit vollelektrischem Antrieb. Und bei Leesys – Leipzig Electronic Systems GmbH nutzt man die Vorteile von Business Intelligence und analysiert in Echtzeit das Materialflusssystem. Ein spannender Hintergrund also, vor dem das Forum Automobillogistik 2020 agieren kann. Weitere Informationen und das vollständige Programm zum Download hält die Veranstaltungsseite parat. (ka/le)

 

Neu denken! Gastkommentar von Michael Müller, CEO Müller – Die lila Logistik AG

Besser machen genügt nicht mehr. Dies zeigt auch der Titel des Forums Automobillogistik „Grenzen einreißen – Produktion und Logistik verschmelzen“. Wobei nicht nur die Automobilindustrie vor massiven Umbrüchen steht. Produktion und Logistik müssen den Umbruch als Chance verstehen und neue Wege der Zusammenarbeit finden, um sich auf die Veränderungen des Marktes einzustellen. Neue Produkte und ein geändertes Käufer und Nutzerverhalten führen zu hoher Planungsunsicherheit, was neue Anforderungen an die Flexibilität in der Supply Chain stellt. Die Variantenvielfalt ist weiterhin hoch und die Lieferketten eng verzahnt, sodass sich die Grenzen zwischen Logistik und Produktion mehr und mehr auflösen. Das Thema Digitalisierung bleibt einer der wichtigsten Treiber.Die Zahl von IT-geführten Prozessen muss weiter zunehmen, dabei darf die Robustheit der Prozesse nicht aus den Augen gelassen werden. Doch nicht überall schöpft man die sich bietenden digitalen Möglichkeiten derzeit voll aus. Es geht nicht nur um die Optimierung des Materialflusses, sondern auch um die Weiterentwicklung des Informationsflusses. Nicht zu vergessen die Nachhaltigkeit, die sich von einer gesellschaftlichen Forderung zu einem elementaren Bestandteil vieler Unternehmensstrategien entwickelt und sich auch in der Supply Chain wiederfinden muss. Die zahlreichen Herausforderungen bieten jedoch auch große Chancen für beide Seiten. Es gilt, bestehende Prozesse zu hinterfragen und in neuen Geschäftsmodellen vor- und querzudenken, um gute, zukunftsfähige Konzepte zu erstellen und die operative Umsetzung aktiv zu gestalten und so einen wertvollen Beitrag für die Neuausrichtung der Geschäftsmodelle auf beiden Seiten zu leisten.