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Mitglieder bestätigen Strategie von Vorstand und Geschäftsführung

Die diesjährige Mitgliederversammlung der BVL, die eigentlich im Rahmen der Messe transport logistic in München stattfinden sollte, wurde am 3. Mai aus den StreamLab-Studios in Bremen im Internet übertragen. Die Abgabe der Stimmen erfolgte durch Stimmrechtsübertragung auf einige wenige in den Studios anwesende Mitglieder, die ihre Stimmen dort direkt abgaben. Insgesamt waren 181 Mitglieder stimmberechtigt vertreten.

Vorstand und Geschäftsführung berichteten den Mitgliedern über ein wechselvolles Jahr 2020, das mit einem höchst erfolgreichen Forum Automobillogistik begann, in dem aber nach Ausbruch der Corona-Pandemie nur noch vereinzelt Präsenzformate möglich waren – wie der Handelslogistik-Kongress und das Forum Ersatzteillogistik. „Die Präsenz beim Deutschen Logistik-Kongress im Oktober fiel dann der zweiten Pandemiewelle zum Opfer, ein Stress- und Agilitätstest ohnegleichen“, so der Vorstandsvorsitzende Prof. Thomas Wimmer.

Geschäftsführer Uwe Peters erläuterte, dass die BVL im Jahr 2019 drei Viertel ihrer Einnahmen aus Veranstaltungen realisiert habe. Diese Einnahmen seien 2020 um 85 Prozent zurückgegangen. Die BVL steuere mit einem schmerzhaften Kostensenkungs- und Restrukturierungsprogramm gegen, müsse aber auch 2021 mit Mindereinnahmen aus dem Veranstaltungsgeschäft rechnen. Der Jahresabschluss 2020 und das Budget 2021 fanden die Zustimmung der Mitglieder und wurden genehmigt. Die Mitglieder entlasteten den Vorstand und die Kassenprüfer einstimmig bei jeweils eigener Enthaltung.

Um die Einkommensseite der BVL zu stärken, stellten Vorstand und Geschäftsführung eine nach Mitgliedergruppen differenzierte Erhöhung der Mitgliedsbeiträge ab dem Jahr 2022 sowie eine Sonderumlage für 2021 zur Abstimmung. Uwe Peters wies darauf hin, dass die Erhöhung nicht über den Inflationsausgleich der letzten 20 Jahre hinausgehe – bei gleichzeitiger deutlicher Ausweitung der Angebote des Vereins. Auch diese beiden Maßnahmen, die die finanziellen Spielräume der BVL für die Umsetzung ihrer Vorwärtsstrategie 2025 stärken, wurden von den Mitgliedern bestätigt. Vorstand und Geschäftsführung dankten für die Solidarität, mit der die Mitglieder ihren Verein tragen – und die Last auf viele Schultern verteilen.

Die Entscheidungen der Mitgliederversammlung bringen folgende Änderungen mit sich:

-         Eine Beitragsanpassung mit Wirkung ab dem 1. Januar 2022, die z. B. bei den Professionals eine Erhöhung von 140 Euro auf 190 Euro p.a. vorsieht

-         In der Satzung wird die Option verankert, für das jeweils laufende Mitgliedsjahr als außerordentliches Instrument eine betraglich gedeckelte Umlage zu entscheiden

-         Für 2021 wird von dieser Option Gebrauch gemacht und eine Umlage erhoben, die sich z. B. bei den Professionals auf 50 Euro zusätzlich zum bereits gezahlten Mitgliedsbeitrag belaufen wird.

Die Veränderungen für die einzelnen Mitgliedergruppen im Detail werden kurzfristig im Internet hinterlegt. Die Mitglieder werden mit individuellen Schreiben über die Umlage 2021 informiert.

Personelle Veränderungen in den Gremien

Neu in den Vorstand wählten die Mitglieder Dorothea von Boxberg, CEO der Lufthansa Cargo AG. Für eine weitere dreijährige Amtszeit wiedergewählt wurde Frank Dreeke, CEO der BLG Logistics Group. Er wurde nach seiner Wahl als stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Mitglied des Finanzausschusses bestätigt. Die Mitglieder verabschiedeten nach zwölfjähriger höchst engagierter Vorstandsarbeit den Rechnungsführer Dr.-Ing. Stefan Wolff, Vorsitzender des Aufsichtsrats der 4flow AG. Seine Nachfolge im Amt des Rechnungsführers tritt Stephan Wohler an, Mitglied des Vorstands der Edeka Minden-Hannover sowie der Edeka Foodservice Stiftung und & Co. KG. Er wird damit neben dem Vorstandsvorsitzenden Prof. Thomas Wimmer und Frank Dreeke Mitglied des BVL-Präsidiums. Bereits im März hatte der Lufthansa-Vorstand Peter Gerber anlässlich seines beruflichen Wechsels nach Brüssel sein BVL-Vorstandsmandat niedergelegt. Aus dem zweiköpfigen Team der Kassenprüfer verabschiedete sich Wolfgang Simonis. Wiedergewählt als Kassenprüfer wurde Dr. Maik Speel, neu gewählt wurde Dr. Andreas Mansch.

Ehrungen

Die BVL wird getragen vom Engagement vieler ehrenamtlich tätiger Mitglieder und dem Einsatz der Verantwortlichen in der Geschäftsstelle. Mit großem Dank und der Ehrenmitgliedschaft in der BVL zeichnete der Vorstand das scheidende Vorstandsmitglied Dr.-Ing. Stefan Wolff ebenso aus wie das scheidende Beiratsmitglied Prof. Frank Straube (TU Berlin). Straube war zwölf Jahre lang Mitglied des Vorstands und anschließend zehn Jahre Mitglied des Beirats. Die Goldene Ehrennadel verlieh der Vorstand dem nach zehn Jahren scheidenden Beiratsmitglied Thomas Zernechel, bis Ende 2020 Leiter der Konzernlogistik der Volkswagen AG. Uwe Peters, Ende Juni 2021 ausscheidender hauptamtlicher Geschäftsführer der BVL, erhielt für seine Leistungen ebenfalls die Goldene Ehrennadel.

Die neuen Ehrenmitglieder der BVL

18 Ehrenmitgliedschaften hat die BVL in den 43 Jahren ihres Bestehens verliehen, zwei davon in diesem Jahr. Der Vorstand dankt mit dieser hohen Auszeichnung Prof. Frank Straube und Dr.-Ing. Stefan Wolff für ihr langjähriges Engagement in der und für die BVL und den Wirtschaftsbereich Logistik.

Prof. Frank Straube leitete viele Jahre die Konzeptgruppe des Deutschen Logistik-Kongresses und gab wichtige Impulse für eine wegweisende Programmgestaltung. Zwölf Jahre lang war er Mitglied des Vorstands, zehn Jahre Mitglied des Beirats, aus dem er jetzt ausschied, – und ist seit 16 Jahren Vorsitzender der Jury des Manufacturing Excellence Awards. Corona-bedingt konnte Frank Straube seine Ehrung nicht persönlich während der Mitgliederversammlung entgegennehmen. Die Urkunde wurde ihm wenige Tage zuvor zugeschickt.

Dr.-Ing. Stefan Wolff war schon als Student und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin beim Deutschen Logistik-Kongress engagiert. Von 2001 bis 2011 arbeitete er im Förderbeirat mit, ab 2007 als dessen Vorsitzender. Mitglied des Vorstands, aus dem er jetzt ausschied, war er seit 2009, Rechnungsführer der BVL seit 2017. Parallel zu dieser Gremienarbeit engagierte auch er sich in der Konzeptgruppe für den Deutschen Logistik-Kongress und übernahm für einige Jahre deren Leitung. Zum Abschluss seiner Rechnungsführer-Tätigkeit war Wolff zur Mitgliederversammlung nach Bremen angereist.

Abschied nach zwölf Jahren engagierter Vorstandsarbeit: Dr.-Ing. Stefan Wolff (r.)

Abschied nach zwölf Jahren engagierter Vorstandsarbeit: Dr.-Ing. Stefan Wolff (r.)

Kommentar von Prof. Dr. Peer Witten, Ehrenvorsitzender der BVL

Integrierende Kraft

Die BVL ist durch die Einschränkungen, die die Corona-Pandemie für ihr Veranstaltungsgeschäft bedeutet, in schweres Fahrwasser geraten. Ein Minus von mehr als zwei Millionen Euro im Jahr 2020 bedeutet eine herbe Einbuße für den Verein. Der Verlust zehrt rund ein Drittel des Eigenkapitals auf. Was ist zu tun? Als Vorstandsvorsitzender der Jahre 1999 bis 2007 und Ehrenvorsitzender der BVL bestärke ich die heute Verantwortlichen nachdrücklich in dem, was sie entschieden haben: Zuversicht statt Resignation, Sparprogramm und Vorwärtsstrategie gleichermaßen, Entwicklung innovativer digitaler und hybrider Formate.

Vier Jahrzehnte lang hat die BVL solide gewirtschaftet, die Finanzen haben immer gestimmt. Wozu aber ist ein Vereinsvermögen da, wenn nicht für Investitionen oder zur Überbrückung von Krisenzeiten. Wir waren stolz darauf, die Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008/2009 unbeschadet zu überstehen. Wir sahen die Gefahr wirtschaftlicher Stagnation oder einer Rezession. An eine Pandemie, die den Verein so stark betreffen würde, haben wir nie gedacht. Nun gilt es, klug und umsichtig mit dem Vermögen umzugehen, das der Verein aus Mitgliedsbeiträgen und Veranstaltungserlösen aufgebaut hat.

Dabei hilft es immens, dass die Mitglieder sich solidarisch zeigen mit ihrer BVL und ihre Zustimmung sowohl zu einer Beitragserhöhung ab 2022 als auch zu einer Umlage 2021 gegeben haben. Damit erreichen wir zwei Ziele: das betriebsnotwendige Kapital muss auch 2021 oder 2022 nicht angegriffen werden – und Vorstand und Geschäftsführung erhalten trotz der angespannten Situation die finanziellen Spielräume, die sie für den eingeschlagenen Restrukturierungs- und Innovationskurs brauchen. Durch die Erfahrungen in der Pandemie wird die Logistik gerade als systemrelevant für die Versorgungssicherheit anerkannt. Ihr Bild in der Öffentlichkeit wandelt sich. Ich bin davon überzeugt, dass dieser zentral wichtige Wirtschaftsbereich die BVL weiterhin braucht – als integrierende Kraft und als Plattform des Austausches zwischen Logistikern aus der Industrie, dem Handel, den Logistikdienstleistern und den Experten aus der Wissenschaft.

Prof. Dr. Peer Witten / Foto: Logistik-Initiative Hamburg, Peter Vogel

Prof. Dr. Peer Witten / Foto: Logistik-Initiative Hamburg, Peter Vogel