BVL Intern

Grüner wird´s nicht ?! Workshop bei 4 flow

14 Studierende von fünf Universitäten aus drei Ländern: So liest sich die Teilnehmerliste des Workshops „Grüner wird’s nicht?! – Logistische Aspekte bei der Lieferantenauswahl in der Automobilindustrie“, der im November bei der Logistikberatung 4flow in Stuttgart stattfand. Eingeladen hatte die studentische Regionalgruppe Baden-Württemberg. Aufgrund der internationalen Besetzung mit je einem Teilnehmer aus Frankreich und Schweden wurde der Workshop in englischer Sprache abgehalten. In drei Gruppen bearbeiteten die Studierenden eine konkrete Aufgabe: Ein Automobilhersteller möchte seine Logistikprozesse umweltverträglicher gestalten. Anhand einer Fallstudie untersuchten sie, welche Lieferanten für Kopfstützen und Schrauben vor diesem Hintergrund infrage kommen. In einem ersten Schritt berechnete jede Gruppe anhand einer Excel-Tabelle, mit welcher Art und Anzahl von Containern die größtmögliche Menge an Kopfstützen und Schrauben für ein Automodell pro Strecke transportiert werden kann. Anhand der so ermittelten Faktoren ging es im zweiten Schritt darum, die kostengünstigste Transportkombination zu bestimmen. Ganz wie im echten Leben war der limitierende Faktor bei der Bearbeitung die Zeit: So waren die Aufgaben recht anspruchsvoll, und die Teilnehmer fühlten sich richtig gefordert. Zum Schluss waren sich aber alle einig, dass die Aufgabe nicht nur herausfordernd, sondern vor allen Dingen interessant war und einen guten Einblick in die Arbeit eines Supply Chain Consultants ermöglichte.

Über den Wolken – Logistik in der Luftfahrt

Die Diehl Aviation Laupheim GmbH ist ein internationaler Zulieferer für Avionik und Kabinenintegration. Zu ihrem Portfolio zählen Produkte wie Kabinenausstattungen, Brandschutz, Wasserversorgung und Klimatisierung sowie umfangreiche Retrofit-Lösungen. Namhafte Flugzeughersteller wie Airbus, Boeing oder Bombardier sind Kunden von Diehl Aviation. Am 14. November war die Regionalgruppe Allgäu/Bodensee mit rund 40 Besuchern zu Gast in Laupheim und blickte hinter die Kulissen des Premium-First-Tier-Suppliers. Lars Lippold, Head of Logistics, stellte den Besuchern die Geschichte des Standorts, aktuelle Entwicklungen und jüngste Umbauten in der Logistik vor. Im Konferenzraum mit originaler A380-Frachtertonne konnten die Gäste einzelne Produkte bestaunen, zum Beispiel Rückzugs- und Schlafräume für die Crew oder komplexe Sondereinbauten zur Unterbringung von Sonderbordwerkzeugen. Im Anschluss ging es auf eine Führung durch das Werk. An Informationsstationen erhielten die Gäste tiefere Einblicke, unter anderem vom Logistikdienstleister Stute, der seine Leistungen für Diehl vorstellte. Ein Highlight der Besichtigung war das Sonderladungsträger-Hochregallager mit zwei kurvengängigen Regalbediengeräten und Fördertechnik.

Urbane Logistik optimieren

„Innovationen für den Traum der optimalen urbanen Logistik“ lautete der Titel des Start-up-Pitches, zu dem das Netzwerk Young Professionals Ende November in die Bertelsmann-Repräsentanz in Berlin geladen hatte. Die optimale urbane Logistik ist emissionsfrei, geräuschlos, flexibel und kostengünstig – eine ziemliche Herausforderung. Jonas Sindram von PEM Motion erläuterte, wie die Ausgründung der RWTH Aachen Mobility-Start-ups unterstützt. Sven Kindervater gewährte den Teilnehmern einen Einblick in das Unternehmen Citkar GmbH aus Berlin und erzählte davon, wie aus der Idee, ein Kettcar umzubauen, das Produkt „Loadster“ entstand: das erste Fahrrad, das ein Nutzfahrzeug ersetzen kann. Roland Prejawa von Urban Cargo blickte aus der Sicht eines CO2-neutralen Dienstleisters auf die Entwicklungen der urbanen Logistik und berichtete aus dem Alltag eines unabhängigen Service-Anbieters mit all seinen Chancen und Risiken.

 

Drei Fragen an Stefan Kellberger, Sprecher der Regionalgruppe Ostbayern

BVL: Sie haben in diesem Jahr zum ersten Mal denLogistik-Kongress besucht. Wie lautet Ihr Fazit?

Der Kongress bietet eine großartige Möglichkeit,sich über neue Entwicklungen im Bereichder Logistik zu informieren, bestehendeKontakte zu vertiefen und neue zu knüpfen.Das Motto „Mutig machen“ passt sehr gut indie heutige Zeit, in der es weltweit viele Anzeichenvon Abschottung und Ausgrenzunggibt – oder anders ausgedrückt: von Angst. Esgab viele Anregungen, mutig in die Zukunftzu gehen. Ich habe mich bei den Vorträgenund Fachforen, aber auch bei den Abendveranstaltungensehr wohl gefühlt.

BVL: Was haben Sie für Ihre Arbeit und Ihren Alltagmitgenommen?Mir wurde wieder bestätigt, dass die Digitalisierunggerade für die Logistik eine der großenHerausforderungen, aber auch eine einzigartigeChance ist, um weiter erfolgreich dieGrundlage für eine globalisierte Wirtschaft zubilden. Wir müssen unsere Mitarbeiter dabeimitnehmen und qualifizieren.

BVL: Sie sind Vertriebsleiter bei einem großen Paketdienst.Der Onlinehandel wächst unaufhaltsam.Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?Um das Wachstum weiterhin ökonomischund ökologisch bewältigen zu können, mussvor allem das Thema „letzte Meile“ im Fokusbleiben. Hier leistet besonders der sukzessiveAusbau alternativer Zustellmöglichkeiteneinen entscheidenden Beitrag. In denBallungsräumen ist die Zustellung mit emissionsfreienFahrzeugen ein wichtiger Faktor,um die Akzeptanz bei den Bewohnern zu steigern.Der gesamte Wirtschaftsbereich zusammenmit den Versendern muss es schaffen,Logistik als Dienstleistung ins Bewusstseinder Konsumenten zu bringen, die zwar etwaskostet, aber ihren Preis wert ist.

 

Logistik bei minus 25 Grad

Lebensmittel verlangen unterschiedliche Lagerbedingungen. Wie man die in der Praxis unter einen Hut bekommt, das schaute sich die Regionalgruppe Ostbayern im Lidl-Distributionszentrum in Straubing an. Andreas Ranzenberger, Bereichsleiter Betrieb, führte die Gruppe durch die 24.000 Quadratmeter große Halle. Täglich fahren 140 Lkw das Lager an und versorgen 82 Lidl-Filialen – nachts mit gekühlter Ware und tagsüber mit dem Trockensortiment. Das Lager ist in vier Temperaturzonen unterteilt: ungekühlt, leicht gekühlt mit einer Maximaltemperatur von 20 Grad Celsius, gekühlt mit 0 Grad und tiefgekühlt mit einer Temperatur von minus 25 Grad. Die Besucher stellten interessiert Fragen, nur im Tiefkühlbereich waren sie auffallend still: Die Gäste waren nicht ganz so gut ausgestattet wie die Lagerarbeiter, die dort mit mehreren Bekleidungsschichten und Gesichtsmasken geschützt sind. Die Krankheitsquote dieser Mitarbeiter unterscheidet sich übrigens nicht von jener der Kollegen aus den klimatisch gemäßigteren Bereichen. 

Drahtesel de luxe  volles Haus bei Canyon

Wie viel Logistik steckt eigentlich in einem Premium-Fahrrad? Dieser Frage ging die Regionalgruppe Mittelrhein/Mosel am 21. November bei der Firma Canyon Bicycles in Koblenz nach. Mit 30 Teilnehmern war die Veranstaltung ausgebucht. Im Jahr 1985 als Fahrradhändler gegründet, produziert das Unternehmen seit 1996 eigene Räder – 100.000 Stück waren es im Jahr 2018. Die meisten gehen nach Deutschland und Europa. 2017 gelang der Sprung in die USA, seitdem steigt der Marktanteil dort. Das Besondere bei Canyon: Das Engineering der Räder und die Endmontage finden ausschließlich in Deutschland statt. Canyon arbeitet nicht mit Händlern oder Vertriebspartnern zusammen, sondern verkauft die Fahrräder ausschließlich über das Internet an die Endverbraucher. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 900 Mitarbeiter, etwa 15 Prozent davon in der Logistik. In einer Führung ging es für die Gäste von den einzelnen Komponenten bis zum fertigen Rad. André Koch, Director Supply Chain Management & Logistics, zeigte den Besuchern den Wareneingang, das Komponenten- und Kommissionierlager, die Montage und Fertigung.