Ulrike Grünrock-Kern
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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"Logistik ist individuell - Logistik produziert Effizienz" - unter diesem Spannungsbogen standen die 27. Dortmunder Gespräche im Kongresszentrum der Westfalenhallen Dortmund. Dazu erfolgte noch ein Appell: "Es ist Zeit, die Welt aus logistischer Perspektive zu sehen." Was immer anspruchsvollere Kundenwünsche für die Logistik- und Netzwerkmanager bedeuten, zeigten die Einführungsvorträge aus Sicht der angewandten Forschung und Wissenschaft sowie von Seiten der Anbieter und Anwender. Die zweitägige Veranstaltung bot den rund 350 Teilnehmern aktuelle Trends und Lösungen. 20 Aussteller präsentierten im Foyer des Kongresszentrums Produkte für Lager, Transport und Lieferketten-Management.
Prof. Dr. Michael ten Hompel, geschäftsführender Leiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML, wagte einen Blick in die Zukunft: "In zehn Jahren wird jedes Handy einen RFID-Scanner haben, jeder Ladungsträger mit einem Funkchip getagt sein, 50 Prozent der Läger werden über das Internet gesteuert werden." Das damit ganz kurz skizzierte "Internet der Dinge", in dem Objekte wie Waren, Handies und Logistiksysteme mit anderen Handies, PCs und Minicomputern kommunizieren, ist dabei keine Zukunftsmusik mehr. Prof. Dr. Elgar Fleisch, Lehrstuhlinhaber und Institutsleiter an der Universität St. Gallen und an der ETH Zürich, stellte in seinem Vortrag die schon heute möglichen Einsatzfälle vor. Bibliotheken, in denen Staubsaugerroboter nachts den mit Funkchips ausgestatteten Bücherbestand inventarisieren. Oder, pädagogisch proaktiv eingesetzt, die mit SmartGuide ausgestattete Zahnbürste, die Kinder nach ausreichender Zahnpflege dadurch belohnt, dass zur Belohnung eine Micky Mouse auf dem Display tanzt.
Diese Alltagsbeispiele zeigten nicht nur, wie weit Basistechnologien wie Transponder-Chips und vernetzte Systeme schon gediehen sind und welche vielfältigen Anwendungen sie bieten können, sondern illustrierten auch den von Professor ten Hompel prognostizierten enormen Datenzuwachs von einer Vertausendfachung innerhalb von zehn Jahren.
Hier sind IT-Lösungen gefragt, um diese Informationsflut nicht nur zu bewältigen, sondern sinnvoll und effizient zu nutzen. Heinz Paul Bonn, Vizepräsident des BITKOM und Schirmherr auch der diesjährigen Dortmunder Gespräche, stellte denn auch die technologischen und gesellschaftspolitischen Aufgaben heraus und beschrieb die schon in seiner Branche vorhandenen Lösungen. Ob Standardsoftware wie SAP-Systeme oder Service-orientierte Architektur mit intelligent vernetzten unterschiedlichen Systemen - durch die intelligente Verknüpfung von Standards und individuellen Prozessen lassen sich zwei Möglichkeiten und scheinbare Gegensätze verbinden: die individuellen Leistungen des Unternehmens zu profilieren und offen für Kooperationen zu sein.
So betonte Dr. Thomas Endres, Chief Information Officer der Deutschen Lufthansa AG, zwei Tatsachen: die Grenzen zwischen IT und Logistik verschwimmen genauso wie die Grenzen zwischen Unternehmen. "Durch Standardisierung der Integration und Desintegration von Unternehmen und Gesellschaften sind Verbünde effizienter zu gestalten." Für Endres sollte IT deshalb aus dem Baukasten kommen. Dann lassen sich so komplexe Abläufe und kurzfristig ändernde Kundenwünsche, wie sie in der Luftfahrt alltäglich sind, effizient bewältigen.
Was die SAP AG durch die Philosophie einer skalierbaren Standardisierung von robusten Prozessen bieten kann, zeigte Joachim Hechler auf, Corporate Officer und zuständig für mobile Anwendungen beim Walldorfer Softwareanbieter. Besonders im Bereich der In-Memory Database liegen für ihn Entwicklungspotenziale. Für Hechler muss zudem anstelle der Prozess-Optimierung eine Prozess-Innovation treten, für ihn gleichbedeutend mit einer Umverteilung der Ressourcen, nicht nur ihrer optimierten Nutzung.
Mit einer solchen IT-Offensive zur Effizienzsteigerung in der Logistik wagte BITKOM-Vizepräsident Heinz Paul Bonn die Standortbestimmung: Vom "Service Provider Germany", den er dann in Hinblick auf die Dortmunder Aktivitäten im EffizienzCluster-Wettbewerb zu "Service Provider Dortmund" konkretisierte. Bonn griff damit die von Professor ten Hompel eingangs postulierte Positionserweiterung der Logistik auf: "Die Logistik von morgen adressiert die gesellschaftlichen Megatrends wie Individualität zu bewahren und ein nachhaltiges Wirtschaften mit Ressourcen zu ermöglichen." Längst werde sie als eigene Disziplin wahrgenommen, was sich in der Bildung eines LogistikCampus in Dortmund konkretisiere.
Die zweitägige Veranstaltung bot ganz im Sinne der Idee der Dortmunder Gespräche aktuelle Trends und Lösungen. Die von der Bundesvereinigung Logistik (BVL) unter der Schirmherrschaft des BITKOM und in bewährter fachlicher Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML durchgeführte Veranstaltung vermittelte aktuellstes Know-how und gab damit gerade der mittelständischen Wirtschaft neue Impulse.
In zwei Podiumsdiskussionen und Parallelsequenzen konnten die Teilnehmer Bausteine einer neuen Logistik erleben.
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Einen Einstieg bot die Sequenz "Innovative Prozesse modellieren", die vonDr. Christian Jacobi, Geschäftsführer der agiplan GmbH, Mülheim, moderiert wurde.
Ralf Schliestedt, Leiter Logistik und Prokurist bei der CITTI GV-Partner Großhandel GmbH & Co.KG, Kiel, stellte sein Credo voran: "Hardware reduzieren, Transparenz erhöhen, Prozesse vereinfachen". Zur Erreichung dieser Ziele setzt das Unternehmen schrittweise das System Teledriver ein, das die Auslieferungsfahrer zu den Großmärkten schrittweise bei allen relevanten Prozessen unterstützen wird. Im Bereich des Lebensmittelgroßhandels verfügt sein Unternehmen über acht Großläger, 19 Stützpunkte, 500 Lkw, in Summe 150.000 m² Lagerfläche und durchschnittlich 20.000 Artikel je Lager. Durch gesetzliche Auflagen und generell gesteigerte Anforderungen müssten die Fahrer mehrere Geräte bedienen, was zu Fehlern im Datenmanagement führe. Daher habe man sich entschlossen, mittels Teledriver einen zentralen Bordcomputer einzusetzen, der durch ein mobiles Datengerät dem Fahrer auch Außeneinsätze erlaube. Dieser Einsatz ist ein Pilotprojekt und noch nicht auf dem Markt angewandt worden.
Frank Gümmer, Projektleiter strategische Projekte bei der Chemion Logistics in Leverkusen, stellte seine Lösung vor, individuellen Kundenanforderungen mit standardisierten Abläufen zu begegnen. Im Bereich der Kunststoffe sind unterschiedliche Reinheitsgrade, unterschiedliche Liefertermine und individuelle Prozesse durch weitere unterschiedliche Kundenanforderungen das tägliche Geschäft. Gümmer stellte am Beispiel des Prozesses "Beladung" die Struktur seiner Baukasten-Lösung vor. Der Prozess wird aufgesplittet in die weiteren Unterprozesse ("Ausprägungen") Lager, Bahn und Hafen sowie in Ausprägungsdetails, hier in Palettierungslisten. Diese werden weiter spezifiziert durch Steuerungstabellen mit den Plankosten für Stapler, operative Mitarbeiter und Planprozesskosten. Danach werden diese Prozesse im zweiten Schritt auf die IT übertragen. Hierbei habe man sich für eine SAP-Lösung entschieden, die um selbstprogrammierte Subsysteme ergänzt wurde. Mit dieser Variante werde eine 75-prozentige Prozessautomation erreicht. Die Entscheidung für diese Lösung mit einem stark standardisierten Baukastensystem sei weniger in der Ausrichtung auf individuelle Kundenwünsche begründet, sondern in dem Kostendruck, der letztlich die Kundenanforderungen nivelliere.
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Dr. Michael Möllerfeld, Fachgebietsleiter bei der T-Systems on site GmbH, Wolfsburg, moderierte die Sequenz"Lean Logistics steigert Effizienz". Als erster Referent erläuterteDr. Thomas Stäblein, Projektsteuerung, Produktionsplanung MB-PKW, bei der Daimler AG am Standort Sindelfingen, einen neuen Ansatz zu effizienten Materialbedarfsplanung in der Automobilindustrie. Die Herausforderung in der Build-to-Order-Planung sei die Tatsache, dass der Materialbedarf nicht direkt aus der Programmplanung heraus zu ermitteln sei. Gerade europäische, individuell ausgerichtete Automobile zeichneten sich durch eine hohe Produktkomplexität aus. Mass-Customizing als Verbindung individueller Kundenwünsche nach Ausstattung, Farbe oder technischen Varianten gelte als Lösungsweg. Für einen international agierenden Automobil-Hersteller gälten zudem noch unterschiedliche Gesetzgebung, Ländervarianten und eine große Modellvielfalt, die das Komplexitätsproblem erhöhten. Der neue Ansatz integriert zur Materialbedarfsplanung einen zentralen Baustein in der Bedarfskapazitätsplanung, wobei die Programmplanung wiederum auf der Absatzplanung basiert. Diese Strategie führt zu geringeren Rechenlaufzeiten und vermeidet nicht zuletzt dadurch Verschwendung im Planungsprozess.
Holger Häring, Leiter Projektierung IGZ Logistics und IT, der Heike Silla-Morawski von der Sika Informationssysteme AG vertrat, stellte in seinem Vortrag eine SAP-Lösung für eine neue Fabrik des Systemlieferanten für Bauchemie und ‑materialien Sika vor. Sie sollte bei der Sika AG, die in 70 Ländern auf allen Kontinenten vertreten ist, in eine internationale ERP- und SCM-Umgebung integriert werden. Ziele waren eine durchgängige Standardisierung, Vermeidung von Schnittstellen, keine Modifikation des SAP-Systems. Zudem musste ein papierarmer 24-Stunden-Betrieb auch ohne ERP-Verfügbarkeit gewährleistet sein. Umgesetzt wurden diese Anforderungen mit SAP ERP sowie SAP WM, LES und TRM in der neuen Fabrik. Unter SAP ERP 5.0 werden 700 Palettenplätze, Fahrerlose Transportfahrzeuge, diverse Blockläger, RFID-Schreib- und Lesestationen, automatische Palettierer und Transfaster-Regalbediengeräte verwaltet. SAP EWM/MFS 7.0 steuert 6.500 Lagerplätze und fünf Kommissionierstationen. Das Projekt konnte im vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen umgesetzt werden. SAP LES und EWM erwiesen sich als ausgereizt und einsetzbar. Die "1-Systemlandschaft" ermöglicht einen einfacheren Support für den laufenden Betrieb, fasste Häring die Erfahrungen mit dem Systemwechsel zusammen.
Schlanke Prozesse in IT und Verwaltung standen bei Dr. Anja Huppertz, Geschäftsführerin der Huppertz Group, HPI, GmbH, Köln, auf dem Programm. In ihrem sehr anschaulichen Vortrag schilderte sie die Einführung dieses Projekts seit dessen Beginn im Jahr 2007. Die internationale Spedition mit eigenem Fuhrpark - dazu gehören 90 Lkw und ein Ganzzug - handhabt im Zentrum für Ersatzteillogistik und Verpackung mit 3.000 europäischen Lieferanten täglich 130.000 Packs für 1.100 Aufträge. Zum Leistungsangebot gehören werkimmanente Verkehre und In-Plant-Logistik sowie die Zoll- und Luftfrachtabfertigung. Ziel des Projekts Lean Logistics war es, schlanker, besser und effizienter zu werden. Mittels einfacher und standardisierter Mittel der Kommunikation wurde der Prozess angeschoben. Den Führungskräften kämen dabei mehrere Funktionen zu: Moderator, Mentor, im sokratischen Dialog Mitarbeiter zu führen. Täglich müssten dabei klare, aussagekräftige und beeinflussbare Key Performance Iindicators den Verbesserungsprozess befördern helfen. Mittels der 5 S (Selektieren, Sortieren, Säubern, Standardisierung und sehr viel Selbstdisziplin) werden die 7 Verschwendungen - Überproduktion, Bestände (zu hoher Materialeinsatz), Transport, Verpackung (zu lange Wege), Wartezeiten (zu viel Zeit), Herstellungsprozess (Overprocessing), unnötige Bewegung und auftretende Fehler - ausgemerzt. Huppertz setzte diese Prozesse mit Kanbansystemen um, daneben wurden teilweise eigene Geräte gebaut, die den Anforderungen an einen optimalen Ablauf unterstützen. Die Bilanz der zwei Jahre war beeindruckend: 80 Prozent der Ziele sind bereits erreicht. Die Durchlaufzeiten konnten um 50 bis 90 Prozent gesenkt werden; die Verbesserung der Qualität lag bei Reklamationen von 0,05 Prozent zuletzt bei 0,005 Prozent. Damit konnten Preisreduzierungen für die Kunden real erwirtschaftet werden.
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"Welche Logistik können wir uns noch leisten in Zeiten des Klimawandels und der Wirtschaftskrise?" Unter diesem Motto stand die erste Podiumsdiskussion unter der Moderation vonProf. Dr.-Ing. Uwe Clausen, Institutsleiter des Bereichs Logistik, Verkehr und Umwelt am Fraunhofer IML. Dr. Anja Huppertz, die kurzfristig für Jens Fiege einsprang, Michael Kolodziej, Geschäftsführer der dm-drogerie markt GmbH + Co.KG, Karlsruhe, sowie Robert Feldmeier, Sprecher des Vorstands der TA Triumph- Adler AG, Nürnberg, nahmen Stellung auch zur Zukunft der Logistik.
Zentraler Punkt für Huppertz ist es, die Verbesserungs- und Veränderungskultur zu befördern. Kolodziej sieht ebenfalls die "Innovationsfitness" als Hauptaufgabe und Feldmeier betont im Rahmen der internationalen Arbeitsteilung die Leistungsangebote Service, Verkauf und Dienstleistungen generell als zentrale Aufgabe europäischer Standorte.
Hinsichtlich des Klimawandels kamen sehr pragmatische, aber weitreichende Maßnahmen für die Diskutanten infrage. So stehen die Reduzierung des Papierverbrauchs (vor allem in Krankenhäusern) auf der Agenda oder die effizientere Nutzung durch beidseitigen Druck. Für Huppertz wirkt kurzfristig die Senkung der CO2-Emissionen sowohl in Transport, Produktion als auch privater Verbräuche und langfristig die Abkopplung von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien, wie beispielsweise Wasserstoff. Kolodziej betonte ebenfalls, über längere Zeiträume zu denken. Dann rechneten sich manche Anschaffungen. Ruppertz wies auf Laderaumoptimierung hin, die Reduzierung von Transporten zu reduzieren und die Erhöhung der Wiederverwertbarkeit. Standards, die Fehlerzeiten und -prozesse reduzieren, waren für alle drei Diskutanten wesentliche Grundlagen, um Ressourcen zu schonen oder effizient zu nutzen. Relativ kleine, aber effiziente Schritte statt großer Entwürfe oder einer Ökodiktatur, wie sie Kolodziej als Menetekel an die Wand malte, seien mögliche Lösungen, um sowohl der Wirtschaftskrise als dem Klimawandel zu begegnen. Verschwendung sei bei jeglichen Ressourcen zu vermeiden.
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Die Parallelsequenz"Supply Chain Organisation" moderierteCay-Bernhard. Axel Richter, zuständig für Laundry and Home Care im Bereich Global Planning and Logistics bei Henkel AG & Co. KGaA, Düsseldorf, demonstrierte die Wirksamkeit einer integrierten Supply Chain Planung. Es gilt 50 Länder abzudecken, immer kürzere Produktlebenszyklen zu berücksichtigen und eine steigende Zahl an Schnelldrehern. Daher sind die Planungsstufen auf Wochentage verteilt und erlauben eine wöchentliche Vorschau. Sie stützen sich auf echte Nachfrage und bilden somit einen vom Kundenauftrag bis zur Lieferung gestalteten "End-to-End"-Planungsprozess ab. Das SAP-unterstützte System sieht hierbei dezentrale Entscheidungen vor Ort vor. Um diese Prozesse effektiv managen zu können, bedürfe es Echtzeit-Informationen. Alarmsysteme informieren dabei rechtzeitig über Engpässe. Durch die Einführung reduzierte sich der Lagerbestand um 18 Prozent, der Servicegrad erhöhte sich von 95, 6 (2005) auf 98,7 im Jahr 2008, die Prozesskosten konnten um 6 Prozent gesenkt werden.
C2
In der Sequenz"RFID verbessert Transparenz" moderierte Dr. Andrea Huber, Geschäftsführerin der Informationsplattform RFID e.V., Berlin, generelle Trends und praktische Beispiel dieser zukunftsweisenden Technologie der automatischen Identifikation.
Mit Wolf-Rüdiger Hansen, Geschäftsführer AIM-Deutschland e.V., einem Zusammenschluss von 130 innovativen Unternehmen der AutoID-Branche, gewannen die Teilnehmer nach der eher visionären Sicht der Einführungsvorträge einen guten fachlichen Eindruck von den technologischen Potenzialen von RFID-Systemen. Ziele, die mit dem Internet der Dinge und mit RFID erreicht werden sollen, sind: mehr Transparenz in der Lieferkette, höhere Termintreue, zentrale Informationen über Planabweichungen, mehr Produkt- und Fälschungssicherheit, Kostenreduktion durch genauere Bedarfsplanung und Verhinderung von Out of Stock, Erhöhung der Fertigungsqualität, höhere Auslastung von Transporten und bessere Authentifizierung in der Weitergabe von Informationen.
Heutige Einsatzfälle dienen der Materiallogistik zu enormen Einsparpotenzialen. So habe sich bei VW im Wareneingangsbereich der manuelle Aufwand um 80 Prozentreduziert. Allerdings sei bisher keine branchenweite Vorgehensweise in Sicht. In der Produktion erstreckten sich angewandte RFID-Einsätze meist auf geschlossene Systeme, die keiner Abstimmung mit Externen bedürften. Der Einsatz im Jahr 2009 erstreckte sich zumeist auf Paletten, für die Zukunft reiche die Applikation von der Gesundheitskarte, Pässen, Kreditkarten über Mobiltelefone mit RFID/NFC und 2-D-Code-Erkennung bis zum Smart Dust und Agentensystemen, die Nano-Roboter steuern und zu einer kompletten Dezentralisierung des Internets der Dinge führen können.
Markus Witte, Head of Technology Development bei der Lufthansa Cargo AG, Frankfurt, stellte den Einsatz von RFID zur Optimierung bei Gefahrgutprozessen vor. In diesem Segment ist der zweitgrößte Fracht-Carrier nach eigenen Angaben qualitativ führender Spezialist. Diese Prozesse sind sowohl dokumentatorisch als auch physisch zeitintensiv. Redundanzen entlang der gesamten Supply Chain eröffneten daher erhebliche Optimierungspotenziale für alle Beteiligten. Im Bereich Luftfracht, wo seit 2003 passive (batterielose) Transponder Verwendung fänden, sei der Einsatz von aktiven Transpondern derzeit nicht möglich, da sie abgeschaltet werden müssten bei Start und Landung, um andere elektronische Systeme nicht zu stören. Das größte Potenzial sieht Witte beim Einsatz in der Real Time Locating System Architecture, also der Echtzeit-genauen Lokalisierung von Objekten. Individuelle Aufbau- und Erweiterungsvarianten ermöglichen einen hochflexiblen Einsatz. Ausleuchtung der Abfertigungsflächen, Belabelung sämtlicher Frachtstücke mit RFID auf pcs-Level, der Aufbau einer ULD und die Erstellung der "Notification to Captain" - also der direkten Information über die Gefahrgüter an den Flugzeugführer - sind hier einige der wesentlich Aspekten des Einsatzes. Die Echtzeit-Lokalisierung ist denn auch für Witte "die Zukunft im RFID-Bereich". Indien als starker Wachstumsmarkt ist derzeit Destination für Gefahrgut-Handling mittels RFID.
Dr. Christian Graudenz, Abteilungsleiter Logistik am Universitätsklinikum Jena, bot zum Abschluss einen Blick in die Automatisierung der Medikamentenlogistik unter Einschluss von Radio-Frequenz-Technologie in einem Test im Universitätsklinikum Jena. Medikationsfehler im Krankenhaus entstehen in vier Kernprozessen: bei der ärztlichen Verschreibung (39-49 %), der falsch interpretierten Handschrift (11-12 %), der Ausgabe der Medikamente (11-14 %) und der Verabreichung (26-38 %). Für Graudenz sieht daher der (fast) ideale Medikationsprozess folgendermaßen aus: Der Einsatz der elektronischen Verschreibungssoftware (CPOE), die Prüfung der Verschreibung durch einen Apotheker, individuell verpackte Medikamente für jeden Patienten (unit-doses) und eine besondere Aufmerksamkeit bei Hochrisikomedikamenten. Dazu treten noch die Arzneimittelauswahl im Krankenhaus unter Sicherheitsaspekten sowie der Einsatz patienteneigener Medikamente im Krankenhaus. Damit wäre ein mit elektronischen Befunden versehenes Patientenprofil, mit Eingabe der Daten durch den Arzt, einfach und effizient weiterzureichen. Idealerweise würde diese seit 2004 in Krankenhäusern schon im Einsatz befindliche Software noch mit RFID verknüpft. Damit würden sich folgende Prozesse der Medikamentenlogistik identifizieren lassen: Verordnung der Medikamente durch CPOE, Kommissionierung in der Apotheke, Beladen des Conatiners, Transport von der Apotheke zur Station im Krankenhaus und Verabreichung der Medikamente. Die Testphase im Uniklinikum Jena zeigte zwar zurzeit noch potenzielle Störungen mit anderen Geräten beim Einsatz von RFID und einen hohen Verbrauch an Transpondern, jedoch sieht Graudenz in den Vorteilen mittelfristig die großen Potenziale dieser Verknüpfung zweier Automatisierungskomponenten.
Mittwoch, 9.9.2009
E
Der zweite Tag begann, wie der erste endete: mit einer Podiumsdiskussion. Unter der Moderation vonProf. Dr. Michael ten Hompel diskutierten Stephan Schierke, Geschäftsführer arvato media GmbH, Gütersloh,Dr. Stephan Scholtissek, Vorsitzender der Geschäftsführung der Accenture GmbH, München, sowieDr. Stefan Wolff, Vorsitzender des Vorstands der 4flow AG, Berlin, über "Die Zukunft der Logistik liegt im Internet". Um die zentrale Kernfrage: "Kommt die Logistik zukünftig aus der Steckdose?" rankte sich eine kontroverse Diskussion. Schierke sieht in den Informationssystemen Anwendungen, will aber die operative Logistik nicht ins Netz stellen. Dem widersprach sehr deutlich ten Hompel, der gerade die Effizienzmöglichkeit globaler Logistik darin sieht, alle - auch die physischen Prozesse - virtuell abzubilden. Dr. Scholtissek erkennt ebenfalls in der global vernetzten Wirtschaft und Logistik die große Chance, anstelle des Wissensmanagements, das er eher im Hintergrund sieht, einen "Logistik-Shop" mit Back-Office-Systemen anzubieten. Die zunehmende globale Arbeitsteilung lasse dies sinnvoll erscheinen. Auf ten Hompels Frage, ob man Konzepte aus der Produktion übertragen sollte oder eher eigene logistische Konzepte entwickeln, wies Scholtissek auf das Airbus-Projekt hin, wo Teams teilweise nur über das Netz dieses Projekt vorangetrieben hätten, oder auf die Prozessgestaltung im Anlagenbau. Bei 4flow könne man zwar bisher noch nicht die Software aus der Steckdose kaufen, aber man denke intensiv über neue Prozesse nach, wie Dr. Wolff betonte. Man setze hier zurzeit noch auf Großrechner, was ten Hompel zu der Frage veranlasste, ob man damit wirklich weitergekommen sei. Wolff antwortete, es sei bisher noch nicht gelungen, die Transparenz in den Prozessen zu schaffen. Schierke, der sich bewusst als Traditionalist bezeichnete, hält ein Software-Design für überflüssig. Nichts sei zudem sicherer als der alte Host. Er sieht zwar generell einen Leistungssteigerung der Systeme, aber eine abnehmende Sicherheit. Scholtissek hielt dagegen, dass Software doch nur dann verfügbar sein müsse, wenn sie gebraucht würde. Jetzt sei eCommerce einsetzbar, was Dortmund angestoßen habe. "Wir haben die Technologie." Schierke widersprach: "Eine fehlerfreie Logistikkette ist utopisch." Daher plädiere er für geschlossene Systeme mit zentralen Verantwortlichen. Worauf Scholtissek die Frage aufwarf, wie man eine Logistik, die teurer als das eigentliche Produkt sei, dem Kunden vermitteln könne. Ten Hompel betonte, das Risiko-Denken habe zugenommen, es fehle der Mut zu neuen Lösungen. Er äußerte eine These oder Prognose: In fünf Jahren würden große Logistiksysteme als "Software as a Service
" SaaSfür 50 Euro pro Monat verfügbar sein. Wolff deutete auf die bisher noch nicht gelösten Integrationsprobleme: Solange die Daten nicht stimmten beim Transfer, werde es keine Integration geben, egal ob Software stationär oder im Netz verfügbar sei. Scholtissek wies auf das grundsätzliche strategische Thema des Outsourcings hin. Je nach Größe sei ein Insourcing der IT möglich, für kleine und mittelständische Unternehmen sei dies allerdings zu teuer, hier wäre SaaS vorzuziehen. Also: für Großunternehmen geschlossene, für mittelständische offene Systeme. Scholtissek betonte, dass die Komplexität der Prozesse in Unternehmen abnehme, daher werde der Markt für SaaS größer werden. Dies führe zu Einsparpotenzialen im Verkauf. "Wird es das virtuelle Kaufhaus geben?". Scholtissek wies darauf hin, dass Accenture und die WM-Group mit der Unterstützung des Fraunhofer IML an diesem Projekt arbeiteten. "Wird es das virtuelle Warehouse (Management) in fünf Jahren für 50 Euro pro Monat geben?" Auf diese Frage ten Hompels antwortete Wolf mit einem eindeutigen "Ja". Schierke äußerte Zweifel. Mit der neuen Informationsplattform globalSCM sei man auf einem richtigen Weg, so Wolff, um die Logistikbranche transparent zu machen. Zum Abschluss hob Scholtissek noch zwei wesentliche Aspekte hervor: Markenbildung sei sehr wichtig und gerade im Internet entscheidend. Daher sei es auch für die Logistik wichtig, "so sexy zu werden wie Tokyo Hotel".
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In der von Dr. Frank Czaja, Partner der integral logistics GmbH & Co. KG, Dortmund, moderierten Sequenz "Steuerung der Intralogistik" standen integrierte Hardwarelösungen im Mittelpunkt. So stellte Hans-Jürgen Heitzer, CEO bei der Locanis AG, Unterföhring, die Vorteile einer Lagerautomatisierung vor. Durch eine Echtzeitverfolgung der Fahrer, Fahrzeuge und Waren ergeben sich enorme Potenziale: Die Produktivität der Gabelstapler erreicht den Faktor 2, die Lagernutzung verbessert sich um 15 Prozent. Die Effizienz konnte um 25 Prozent gesteigert, die CO2-Emissionen intern um 30, extern um 10 Prozent gesenkt werden. Insgesamt verringerten sich die Lagerbetriebskosten um 20 Prozent.
Die gesamten Prozesse sind über den Lagerleitstand wie auch über die Notebooks der Führungskräfte zu verfolgen, damit kommt sowohl ein zentrales als auch dezentrales Monitoring und Controllingsystem zum Einsatz.
Dr. Albrecht Hoene, Leitung Entwicklung Logistik, Engineeringtools bei der KUKA Roboter GmbH, Augsburg, stellte Optimierungspotenziale in der Kommissionierung mittels Palettierrobotern dar. Neue technische Lösungen erlauben eine Reduzierung der operativen Kosten und machen den Robotereinsatz wirtschaftlich. Mehrschichtbetrieb, Erleichterung der Kommissionierarbeit und die Handhabung größerer Warenströme sind hier nur einige Vorteile der Automatisierung.
Mittels Packmustergenerierung ist ein vollautomatischer Betrieb heute auch für gemischte Paletten möglich, diverse Greifertypen erlauben zudem komplexere Anwendungen.
Hoene ging in seinem Vortrag auf die vielen Möglichkeiten detailliert ein und gab damit den Teilnehmern eine sehr gute Übersicht.
Thomas Preller, Leiter SAP Solutions - Order Fulfillment bei der Dematic GmbH, Offenbach, stellte die weltweit erste Implementierung von SAP EWM/MFS vor. Als wesentlicher Lagerbaustein kommt im optimierten Zentrallager in Rebstein ein Multishuttle-System zum Einsatz - ein gemeinsam mit dem Fraunhofer IML entwickeltes Lagersystem - , das durch seine Leichtigkeit erlaubt, in eine bestehende Halle auf einer Zwischenbühne eingezogen werden konnte. Die in Rebstein eingesetzte Lösung arbeitet unter ERP ECC 60 als Host. Eine Direktkopplung der ERP EWM und der Materialfluss-Steuerung erfolgt über Dematic SubDriver.
Die zentrale Anforderung war eine Abbildung aller Lagerprozesse und dessen Topologie in einem System. 140.000 aktive Artikel und 48.000 auf Lager mussten gehandelt werden. Das Multishuttle als kompaktes und flexibles Behälter-Fahrzeugsystem wird in fünf Gassen in 17 Ebenen mit drei Fahrzeugen pro Ebene eingesetzt. 32.000 Behälterstellplätze doppeltief und 18 Behältertypen werden mit 486 Einlagerungen und 459 Auslagerungen pro Stunde gemanagt. Diese Lösung dient als Pilotanwendung für mindesten 17 weitere Läger und hat sich bewährt. Ein hoher Abdeckungsgrad der Prozesse im Standard geht einher mit einer durchgängigen Abbildung von SAP EWM in hochautomatisierten Lägern. Dies bietet eine homogene IT-Landschaft mit Lieferantenunabhängigkeit und Vorteilen beim Service.
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Die SequenzVerkehrslogistik und Effizienz wurde vonOlaf Koch, Leiter Logistik der Otto (GmbH & Co. KG), Hamburg, moderiert. Hier stellteUlrich Ostermayer, Leiter Strategie und Prozessoptimierung bei der Deutschen Bahn AG, Berlin, den Umweltvergleichsrechner EcoTransIT der Deutschen Bahn vor. Durch dieses Angebot lassen sich individuelle Transporte durch Europa für unterschiedliche Gutarten und alle Verkehrsträger mit unterschiedlichen Energieträgern durchrechnen und vergleichen. Dies schließt alle Euroklassen von 0 bis 5 und alle Fahrzeuggrößen bei Lkw von 7,5 Tonnen bis 60 Tonnen ein.
Zugrunde liegt der kumulierte Aufwand für die einzelnen Produkte und Verteilung der Energie. GIS-referenzierte Daten aller Verkehrsnetze ermöglichen eine zuverlässige Routenwahl. Bei der Auswahl der Schiene ist beispielsweise auch die Wahl eines C02-freien Produktes ebenso möglich, zum Beispiel durch die Auswahl beim elektrischen Betrieb mit regenerativem Strom. Der Kunde erhält über die gefahrenen CO2-freien Transporte ein Zertifikat.
Das Projekt ist im Jahr 2009 gestartet und wird noch bis 2011 laufen; eine geografische Erweiterung wird angestrebt.
Gunnar Zeisler, Geschäftsführer der Login GmbH, Schwelm, referierte über den Nutzen von dynamischer und integrativer Disposition in Stückgutspeditionsanlagen.
Das zugrundeliegende Forschungsprojekt DISS hat die Entwicklung eines Leitstandes zum Ziel, der Fracht- und Leerkilometer reduzieren und die Fahrzeugauslastung und Umschlagkapazität erhöhen soll. Konsortiumsführer ist die Schmidt GmbH, Schwelm, Praxispartner ist die BHS Spedition und Logistik GmbH, Bremen, wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch die Lehrstühle für Algorithm Engineering und Verkehrssysteme und -logistik an der TU Dortmund.
Lösungsansätze sind Informationen schneller verfügbar zu machen durch direkte Erfassung zusätzlicher Sendungsinformationen durch den Abholfahrer, direkte Übermittlung der Informationen an die Disposition und Visualisierung der aktuellen Fahrzeugstandorte. Dazu sollen nutzerbezogen aufbereitete Informationen mit graphischer Darstellung der Ankunftszeiten, Relationsauslastung und einem Controlling der Premiumprodukte treten. Ein weitere Lösungsansatz sind die Berechnung der optimalen Entladereihenfolge von Nahverkehrsfahrten und Zuweisung der Abholaufträge unter Berücksichtigung der jeweiligen Ressourcen z. B. bei den Umschlagsystemen.
Zukünftige Bereiche werden das Ankunfts- und Sendungsmonitoring sein, das Yard Management, die Nahverkehrsdisposition, Tor-Relations-Zuordnung und die strategische Nahverkehrsgebietseinteilung.
Das Projekt zeigte noch enorme Optimierungspotenziale und Forschungsbedarf.
Dr. Michael Dittrich, Dozent an der TEH Zürich, zeigte in seinem Vortrag den Einfluss der Energiepreise auf Logistiknetzwerke auf. Die von ihm vorgestellte Studie eht langfristig von einem steigenden Erdölpreis aus, wobei der Dieselpreis sich mehr und mehr anlehnt.
In detaillierten Fallbeispielen zeigte Dittrich die Konsequenzen auf.
Die Auswirkung dieser Entwicklung bewirkt bei Logistiknetzwerken eine stärkere Verlagerung von Zentral- und Regionalläger. Hier wird eine optimale Ressourcenausnutzung einhergehen mit einer besseren Transportauslastung anstelle von Just-in-Time-Strategien.
Für die Produktionsstrategien ergeben sich folgende Änderungen: Hier wird der Trend von der effizienten zur flexiblen Produktion gehen, parallel prognostiziert Dittrich einen Wechsel vom Pull- zum Push-Prinzip anstelle einer ziehenden Fertigung! In einer flexiblen Produktion lassen sich zudem Läger vermeiden und damit die Gesamtkosten reduzieren. Im Beschaffungsbereich geht der Trend eindeutig vom global sourcing hin zu lokalen Beschaffungsmärkten. Nicht zuletzt die weltweite Lohn- und Gehälteranpassung machen bei hohen Transportkosten eine Produktion und Beschaffung aus ehemals Niedriglohnländern unattraktiv.
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Unter der Moderation vonKarl-Heinz Lippe, Mitglied der Geschäftsführung, DHL Supply Chain Central Europe, stand die SequenzIT-Modelle zur Gestaltung von Logistiksystemen.
Mit Roland Jungi, Chef des Stabes der Logistikbasis der schweizerischen Armee, war neben vielen Branchen auch die originäre Logistik vertreten. Die Bundesarmee steht zukünftig vor neuen Aufgaben: anstelle der Landesverteidigung tritt die Raumsicherung und neue Aufgaben wie Katastrophenschutz und Krisenintervention sowie Einsatz bei terroristischen Anschlägen. Dazu kommen Personalabbau und die damit notwendige Restrukturierung der Logistik. Jungi skizzierte die grundsätzliche Umstellung der logistischen Prozesse weg vom Hol- hin zum Bringprinzip. Anstelle vieler dezentraler Standorte und mangelhafter IT-Verbindung sollte eine Reduzierung der Standorte erfolgen. Für die zukünftige Versorgung stand die Auswahl von Lagerstandorten an, unterteilt in Logistik, Infrastrukturcenter sowie Zentralläger mit Genf und Zürich als den beiden Hubs. Es erfolgte eine Planung "auf der grünen Wiese", die mit dem Ist-Zustand verglichen wurde, wobei sich fünf Standorte als optimale Lösung erwiesen unter betriebswirtschaftlicher und strategisch-militärischer Perspektive. In Hinblick auf eine weitere Reduzierung der militärischen Streitkräfte und ihrer Versorgung wurde eine Gewichtung unter rein betriebswirtschaftlicher Gewichtung vorgenommen, die zudem eine weitere Reduzierung auf drei Standorte inklusive optimaler Abgleichung der Infrastruktur Straße-Schiene im Projekt ergab. Das gesamte Projekt soll bis 2012 realisiert werden und befindet sich im Zeitplan.
Matthias Bartels von der Inbound Logistics Material der Volkswagen Logistics GmbH vertrat seinen Chef Matthias Braun und stellte eine modellgestützte Versorgungslogistik in der Automobilindustrie vor. Die Abteilung ist in die Konzernlogistik integriert und damit auch Bestandteil einer strategischen Neuausrichtung. Auch hier setzt man anstelle des bisherigen Push- auf das Pullprinzip. Die Planung wird vom Absatz her gesteuert und sieht im Wesentlichen getaktete Inbound-Verkehre sowie den Abbau von Pufferlägern vor. Bisher hatte man Läger mit einer Tagesbasis von zwei bis fünf Tagen. Durch deren Wegfall wird der Durchsatz wesentlich erhöht und die Prozesse verschlankt.
Werksnahe und Lieferanten-nahe Crossdock-Standorte unterstützen das Prinzip, wobei sich deren Funktion auch flexibel ändern lässt und regionale Crossdocks erlauben. Das Projekt wurde vom Fraunhofer IML in der Planung und Modellierung unterstützt.
Jakub Piotrowski, Geschäftsführer des Sonderforschungsbereiches 637 "Selbststeuerung logistischer Prozesse" an der Universität Bremen, stellte unter anderem das Forschungsprojekt "Der intelligente Container" vor. Hier werden die Reifegrade von Bananen während des gesamten Transports über Sensorik gemessen und mittels RFID an ein Multiagentensystem gemeldet. Dieses Projekt ist zurzeit in der Umsetzung mit CargoBull.
Ein weiteres der vier Praxisprojekte hat die automatische Fahrzeug-Steuerung bei der Bremer Lagerhaus Gesellschaft zum Gegenstand. 6.000 Fahrzeuge müssen hier innerhalb von drei Stunden nach Andocken des Schiffes entladen werden. Zur Bestimmung des genauen Stellplatzes für die weitere Transportplanung wird ein Multi-Agenten-System eingesetzt. Zur Unterstützung des Fahrers für die genaue Platzansteuerung experimentierten die Bremer Forscher zunächst mit Mobilen Daten Erfassungsgeräten, was sich als fehleranfällig erwies. So ließen die Fahrer beim Verlassen des Fahrzeugs die MDEs liegen und daher konnte das Fahrzeug nicht geortet werden. Die alternative Lösung sind intelligente Westen, die mit marktgängiger Technik ausgestattet sind. Auf ein WLAN wurde wegen der 4 km² großen Stellfläche zugunsten des Einsatzes von GSM/GPRS verzichtet, um einen sichereren Datentransfer zu erzielen. Die Benutzeroberflächen der eingesetzten Geräte sind sehr einfach gestaltet und zu bedienen. Offene Fragen bleiben die großen Datenmengen, die Konflikte zwischen Selbst- und Fremdsteuerung sowie die Zuverlässigkeit und Sicherheit der Daten.
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"Prozessintegration in Netzwerken" lautete die vonProf. Dr. Jakob Rehof, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST, Dortmund, moderierte Sequenz.Arne Hillerkus vertratStefan Lang, Senior Manager Application Management, HAVI Logistics IS GmbH, Duisburg, und stellte eine IT-Systemintegration für die Systemgastronomie vor. HAVIS beliefert u.a. Unternehmen wie bp, IKEA und McDonalds. Die große Herausforderung ist die Heterogenität zwischen Franchisegeber, Franchisenehmer und den IT-Systemen am Point of Sales, des heterogenen Datenbestandes der Kunden, der Debitorenbeziehungen und des technischen Standards. Als Lösung bietet HAVI eine Systemlandschaft. Grundlage ist eine Service Orientierte Architektur mit EAI, EDIFACT, J2EE, PROGRESS Software, Amtrix, Oracle und Business Objects for Enterprise Reporting. Die SOA-Lösung erzwingt zusätzliche, eigentlich notwendige Kommunikation sowie Vorabinvestitionen und gute Vorbereitung, steigert aber die IT-Leistung. Eingesetzt wurde UDM als relationales Datenbank-Modell und standardisierte XML zwischen HAVI und den Kunden. Die Systemintegration mit EDIFACT machte eine 90-prozentige automatische Verbuchung in der Finanzbuchhaltung möglich mit vollautomatischer Integration des Franchisegebers bzw. den Steuerberatern der Franchisenehmer mit dem Kooperationspartner DATEV.
Thomas Krause, Projektleiter Supply Network Collaboration bei Roche Diagnostics GmbH, Mannheim, stellte schlanke Beschaffungsprozesse durch Web-basierte Lieferantenanbindung vor. Im Projekt RISE sollte die Zusammenarbeit der Zulieferer mit SAP SCM 5.0 unterstützt werden. Das Projektvolumen belief sich auf 140.000 CHF, die Projektdauer war auf sechs Monate terminiert. SAP SCM 5.0 war bei Roche bereits im Einsatz.
Ziel war zum Einen eine effizientere Kommunikation; der traditionelle Einsatz von Telefon, Fax und Email sollte ersetzt werden. Anstelle dessen wurde EDIFACT und ein Web-Internet-Portal in den Datenaustausch mit einbezogen.
Das Projekt wurde an zwei Standorten in Deutschland und der Schweiz durchgeführt. Zusätzlich mussten hier noch SAP SNC und SAP PI implementiert werden.
Neben der effizienteren Kommunikation war ein weiteres erreichtes Ziel die Reduzierung des Planungsaufwandes und des Lagerbestandes am deutschen Standort um 20 Prozent.
Ralf Düster, Geschäftsführer der Setlog GmbH, Witten/Bonn, stellvertretend für Carsten Schmelting, Head of Supply Chain Management, TOM TAILOR GmbH, Hamburg, referierte über die Nutzung einer zentralen IT-Plattform zum Management des Beschaffungsnetzwerkes des Textilunternehmens.
TOM TAILOR bringt 12 Kollektionen pro Jahr heraus mit 80-100 Artikeln pro Kollektion. Zum Unternehmen gehören 77 eigene Filialen, dazu 194 Partnerfilialen im Franchise-System und mehr als 6 000 Großhandelskunden. Ziel war eine flexible globale Beschaffung zu gestalten unter der Einbindung von sechs Agenturen als Schnittstellen zu 94 Lieferanten. Dazu kamen noch sechs weitere Lieferanten und 24 Lieferanten direkt über TOM TAILOR. Die zentrale Datenhaltung bildet die Basis für das Reporting der gesamten Kollektionsbeschaffung.
Die Mitarbeiterproduktivität bei Agenturen, Lieferanten und TOM TAILOR konnte gesteigert werden. Ebenfalls erzielte das Projekt eine Prozessbeschleunigung und Fehlerverringerung durch die Prozessstandards. Zudem konnten Engpässe frühzeitig identifiziert und dementsprechend Maßnahmen eingeleitet werden.