Auf dem Weg zur richtigen Datenkette

Interview mit Thomas Reppahn, Leiter Zentrales Prozess- und Produktmanagement Logistik, Schenker Deutschland AG

Thomas Reppahn nimmt beim Forum Ersatzteillogistik an der Podiumsdiskussion zum Thema „Digitalisierung von Ersatzteillägern“ teil, die ab 15:30 Uhr stattfindet.

Ein großes Thema im Bereich der Ersatzteillogistik ist die Maschine-zu-Maschine Kommunikation. Wie beurteilen Sie den aktuellen Stand der Entwicklung und das Potenzial für die Zukunft?

Ich sehe da eine Entwicklung, die noch in sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit verläuft. Wir beobachten aktuell, dass die Ersatzteile selber intelligent werden und sich im Rahmen von Internet of Things (IoT) mit dem Internet verbinden können. Dann sind sie in der Lage einfache Botschaften mitzuteilen, wie „mir geht es nicht gut“, „mir wird es bald nicht mehr gut gehen“, „ich brauche bald eine bestimmte Instandsetzung“ oder auch „ich muss ausgetauscht werden“. Ich glaube, dass es noch weitere Entwicklungen in dieser Richtung geben wird. Zukünftig wird ein Techniker vor Ort Reparaturen mit Hilfe einer Datenbrille durchführen. Die Brille identifiziert selbständig das auszutauschende Teil und zeigt dem Mensch, wo es angebracht werden muss. In dieser Richtung gibt es gute Entwicklungen und Technik-Sprünge.

Im Nachgang verliert die Industrie aktuell noch zu viel Zeit damit, Informationen möglichst schnell an den richtigen Ort zu bringen. Da werden aktuelle Ist-Daten über traditionelle Schnittstellen mit einem ERP-System verbunden. Dann werden dieselben Daten vom ERP-System in ein Vertriebssystem, vom Vertriebssystem in ein Bestandssystem, von da zum Logistik-Dienstleister und so weiter überspielt. Das ist natürlich etwas überspitzt ausgedrückt, trotzdem glaub ich, dass in der Beschleunigung dieser dargestellten Kette noch viel Potenzial zur Zeitersparnis liegt - und Zeit ist ja schließlich das wichtigste im Ersatzteilgeschäft.

Das klingt so, als müsse der Fortschritt noch in Unternehmen eingebunden werden, um den Betrieb nicht zu stören?

Genau, derzeit ist die Datenkette oftmals noch sehr verworren und umständlich und verläuft über bidirektionale Schnittstellen und Zwischenserver. Wir schaffen es bereits, dass die Bedarfsdaten automatisiert und schnell abgerufen werden können. Dass diese Daten dann aber automatisch zum richtigen Empfänger geleitet werden und dort eine Aktion auslösen, das kann noch etwas schneller gehen.

Bei einem Kunden von uns sind wir in einem Supply Chain-Workshop  tief in die Datenwelt eingetaucht. Es handelte sich um ein klassisch-gewachsenes Unternehmen, mit verschiedenen Datenquellen und unterschiedlichen ERP-Systemen, die alle mit dem von uns betriebenem Logistikzentrum verbunden sind. In einer umfangreichen Schnittstellenarchitektur wie dieser konnten wir viele Beschleunigungsmöglichkeiten erarbeiten und die Daten schneller dort verfügbar machen, wo sie wirklich benötigt werden.

Am Ende gibt es immer noch Menschen, die Entscheidungen treffen und so die Algorithmen der Maschinen beeinflussen können. Dazu habe ich von Ihnen die Aussage gelesen, „Der Lagerlogistiker erfindet sich derzeit neu“ – wird der Lagerlogistiker bald zum Datenanalysten?

Betriebs- und Schichtleiter können sich zukünftig mit digitalen Tools in ihrer Arbeit stärker unterstützen lassen. Wir haben dazu ein Werkzeug für alle Arten von Lagersteuerung entwickelt, dass wir Decision Support, also Entscheidungsunterstützung, nennen.  Dabei handelt es sich um einen digitalen Zwilling, den wir separat zur physischen Abwicklung aufsetzen. Das Digitale Bild wird eine exakte Kopie des physischen Lagers und nimmt alle relevanten Daten zur Optimierung der Prozesse mit auf. Dazu gehören beispielsweise Rampenbelegungspläne, Qualifikationsmatrizen, Tourenpläne und vieles mehr. Anschließend werden der Tagesbetrieb, die nächste Schicht oder auch die nächsten 24 Stunden simuliert, um aus der Komplexität der vorhandenen Daten für den Schichtleiter ein nachvollziehbares Abbild anstehender Herausforderungen zu bekommen. So kann ein Schichtleiter besser sehen, ob die Ressourcen ausreichen, es zu Lieferengpässen kommen kann oder bestimmte KPIs gefährdet sind. So können Menschen manuell nachbessern.

Wir glauben, dass am Ende die Entscheidung zwischen Fällen, bei denen verschiedene Einflussfaktoren eine Rolle spielen, letztendlich besser von einem Menschen getroffen werden kann. Sicherlich macht die digitale Unterstützung die Entscheidung des Menschen besser und leichter, aber am Ende trifft eben nicht die Maschine die Entscheidung.

Bei dem beschriebenen Projekt handelt es sich um eine Pilotanwendung, die wir gemeinsam mit dem Fraunhofer IML in Dortmund im Rahmen des DB Schenker Enterprise Labs entwickelt haben.

Zu guter Letzt eine Frage in eigener Sache: was erwarten Sie sich als Ersatzteilfachmann vom Besuch unseres Forums Ersatzteillogistik?

Ich gehe mit einer großen Neugierde nach Nürnberg. Als Logistikdienstleister ist es für uns sehr spannend, verschiedene Branchen zu vergleichen und zu sehen, wie sich diese weiterentwickeln. Wir haben unterschiedliche Ersatzteilgeschäfte in den verschiedensten Branchen, in denen zum Teil eine immense Dynamik herrscht, während andere Bereiche noch auf dem Stand des stetigen Vorhalten-Müssens sind. Für mich wird es in Nürnberg wichtig sein, verschiedene Branchen und ihre Bedürfnisse an die Ersatzteillogistik direkt zu vergleichen, damit wir wiederum noch bessere Angebote erstellen können.

Podiumsdiskussion zum Thema Digitalisierung von Ersatzteillägern
Donnerstag, 30. März 2017 ab 15:30 Uhr

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