6 Apr 16

Nachhaltigkeit in der Supply Chain erfordert End-to-End-Sicht

Bild: Nataliia Peredniankina / 123RF Lizenzfreie Bilder

Geht es um die Vermeidung von CO2-Emissionen, haben viele Logistiker lange Zeit ausschließlich den Transport der Waren und Güter im Blick gehabt. Dies ändert sich zunehmend: Der Trend geht verstärkt zu einem integrierten Denken entlang der Supply Chain – und zur bewussten Kombination von Ökologie und Ökonomie.

Ökologisches Denken und Handeln beginnt bereits bei der Planung von Produkten. Und es steht in keinerlei Widerspruch zu den ökonomischen Zielen eines Unternehmens. Vielmehr müssen Ökonomie und Ökologie gleichermaßen berücksichtigt werden, damit Unternehmen langfristig erfolgreich sein können.

Um dies zu erreichen, ist bereits bei der Produktentwicklung der strategische Blick auf den kompletten Lebenszyklus eines Produktes gefragt. Dies beinhaltet sowohl die für das Produkt verwendeten Materialien als auch ihre spätere Entsorgung bzw. das Recycling der eingesetzten Stoffe sowie der Verpackung. Durch die Auswahl der Materialien, ihre Kombination, Anpassungen von Produktspezifikationen und die Entwicklung der Verpackung können hier von Anfang an durch Produktentwickler und Einkäufer Maßnahmen ergriffen werden, die den Carbon Footprint minimieren.

Dabei spielt auch der Bereich Logistik und Transport eine zunehmend wichtige Rolle. Anders als noch zu Beginn der Diskussion über Green Logistics beschränkt sich ein „grüner Ansatz“ jedoch keineswegs auf den Transport. Der Einsatz von einzelnen umweltfreundlicheren Fahrzeugen, die mit Erdgas oder Strom betrieben werden, ist zwar lobenswert. Bleibt es dabei, hilft dies jedoch nicht effektiv dabei, die CO2-Emissionen nachhaltig zu senken. Denn auch hier geht es nicht um Einzelaspekte, sondern um den gesamten „Produktlebenszyklus Logistik“, also um Fahrzeugflotte, Logistikimmobilien, energieeffiziente Bürogebäude, die Konfiguration des eigenen Netzwerkes, den ‚intelligente‘ Einsatz verschiedener Verkehrsträger, die Routenplanung, die Vermeidung von Leerfahrten, das Angebot umweltfreundlicher Verpackungen und Verpackungsmaterialien sowie das Verhalten der eigenen Mitarbeiter. Nur wenn ganzheitliches Denken und Handeln entlang der Wertschöpfungskette praktiziert wird, kann eine umfassende und nachhaltige Verminderung der CO2-Emissionen erreicht werden.

Stellschrauben Verbraucher und Handel

Verantwortung für die Höhe der CO2-Emissionen tragen auch Handel und die Verbraucher selbst. Um sie aktiv in die Vermeidung von CO2 einzubeziehen, bietet UPS beispielsweise seit kurzem in den USA die Paketzustellung zum Wunschtermin an und vermeidet so unnötige Zustellversuche.

Mit gleicher Intention benachrichtigt der DPD Sendungsempfänger – sofern die Kontaktdaten bekannt sind – am Tag vor der Zustellung seines Paketes über die geplante Zustellung. Diesen Zustellungsvorschlag kann der Verbraucher entweder bestätigen oder aber die Lieferung auf einen von drei aufeinander folgenden Tagen verschieben. Durch dieses interaktive Zustellkonzept werden Retouren und damit CO2-Emissionen deutlich reduziert.

Über die reine Transportdienstleistung hinaus kann auch der Online-Versandhandel mit eingebunden werden, indem Kunden beispielsweise angeben können, in welchem Zeitrahmen sie ihre bestellte Ware erhalten möchten. Die durchgängige Kommunikation in der Supply Chain wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor für Nachhaltigkeit. Die Supply Chain muss daher ‚smart‘ sein, um Verbraucherwünsche und Lieferverhalten reibungslos und ressourceneffizient aufeinander abstimmen zu können.

Ökologische und wirtschaftliche Aspekte verbinden

Optimierung ist ökologisches Handeln. Weniger Leerfahrten, weniger Energieverbrauch, weniger Kosten und weniger CO2-Austoss, das leuchtet ein. Aber auch Innovation führt zu mehr Nachhaltigkeit, wie die Beispiele von UPS und DPD zeigen. Denn durch die frühzeitige Wahl des Zustelltermins sowie durch die direkte Kommunikation während des Transportablaufs mit dem Empfänger profitieren sowohl Lieferanten und Kunden, als auch die Logistik- und Transportdienstleister. Touren können effizient geplant und der vorhandene Laderaum optimal augeschöpft werden. Gleichzeitig führt dies zur Reduzierung von Treibstoff und Verkehrsaufkommen. Zudem verbessert sich die Qualitätswahrnehmung beim Kunden.

Bei der Initialisierung „grüner Logistik- und Transportlösungen“ sollten deshalb beide Seiten betrachtet werden: Wirtschaftlichkeit und Ökologie. Die Umsetzung ökologischer Maßnahmen muss erlauben, dass ein Logistik- und Transportdienstleister zugleich auch seinem Unternehmenszweck nachkommen und seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern kann. Dies wissen auch die Auftraggeber der Logistik- und Transportdienstleister, die ihrerseits immer stärker von ihren Kunden nach ökologischen Kriterien beurteilt werden.

Einheitliche Standards und abgestimmtes Handeln sind Schlüssel zum Erfolg

Zurzeit setzt sich die Erkenntnis durch, dass nur ein einheitlicher durchgängiger End-to-End Standard die weitgehende Ausschöpfung von Optimierungs- und Innovationspotenzialen ermöglicht. Noch ist es üblich, dass Standards in Form unternehmenseigener Regeln und Verpflichtungen in die Green Supply Chain eingebunden werden. Dabei hat sich allerdings gezeigt, dass die unternehmensindividuellen Berechungen von Dritten nahezu nicht nachvollziehbar und die Einhaltung der selbstgesetzten Standards schwer kontrolliebar sind.

Die industrieweite Initiative des World Economic Forum und der Logistik- und Transportdienstleister zur einheitlichen Definition und Vereinbarung einheitlicher Richtlinien zum Carbon Reporting aus dem Jahr 2010 ist daher ein wichtiger Schritt. Nur über allgemein gültige Leitlinien lässt sich die notwendige Transparenz über entstandene CO2-Emissionen als Grundlage für Verbesserung schaffen. Genau dies ist der Hebel, um über standardisierte Messungen und Produktinformationen die Entstehung dieser Emissionen zu beeinflussen. Umso wichtiger wird es deshalb in der Zukunft sein, diese Richtlinien in allen Logistik- und Transportunternehmen zu implementieren und industrieübergreifende Maßnahmen zur Reduzierung von CO2-Emissionen entlang des Wertschöpfungskreislaufes zu entwickeln und zwischen den Beiteiligten zu vereinbaren.

Aufgrund ihrer Querschnittsfunktion kann die Logistik- und Transportindustrie der massgebliche Treiber für einen grüneren Wertschöpfungskreislaufes werden, vorausgesetzt sie geht diese Herausforderung im Sinne einer End-to-End Sicht ernsthaft und in einer kollaborativen Weise mit allen Beteiligten in der Supply Chain an.

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