7 Nov 16

Dash-Button – Der Beginn einer neuen Supply Chain Revolution?

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Zahnpasta, Waschmittel oder Lebensmittel bestellen Nachschub bevor der Vorrat zur Neige geht – für Verbraucher in Deutschland ist dies kein Wunschdenken mehr. Möglich macht es der Dash-Button von Amazon: Angebracht an Geräten werden Bestellungen und Lieferanforderungen via Knopfdruck per W-LAN an Amazon übermittelt. Die Informationen zur Lieferung werden an das Mobiltelefon gesendet, das mit dem Konto verbunden ist. Die bestellten Reinigungsmittel, Kaffeefilter und andere Auftragsgegenstände werden zeitnah geliefert – in einigen Ballungszentren sogar innerhalb einer Stunde.

Wer seine Wohnung nicht mit vielen Tasten versehen möchte, kann ab Oktober 2016 den smarten Lautsprecher ECHO nutzen. Dieser nimmt die Bestellungen dank der APP Alexa Voice Service per Stimme an, spielt sprachgesteuert Songs oder beantwortet Fragen.

Auch das Dash Direkt Nachfüllsystem kommt ohne Tasten aus. Mit Hilfe einer API (Application Program Interface) – eine Spezifikation, mit der intelligente Geräte miteinander kommunizieren können – kann das Dash-System direkt in die Geräte integriert werden. Der Button ist dann nicht mehr notwendig. Vielmehr bestellt die Espresso-Maschine die Espresso-Bohnen ohne das Zutun des Verbrauchers, sobald sie merkt, dass der Vorrat zur Neige geht. Damit bleiben Überraschungen aus und wir müssen zudem keine Zeit mehr für das tägliche Schreiben von Einkaufszetteln aufwenden.

Alexa Voice Service, Dash Button und das Dash Direkt Nachfüllsystem lassen die Grenzen zwischen Handel und Logistik aktuell im Bereich der physischen Distribution verschwinden. Denn auch wenn Amazon ursprünglich als Online-Händler positioniert war und auch immer noch als solcher wahrgenommen wird, bietet das Unternehmen immer mehr Leistungen an, die klassisch zur Logistik gezählt werden können. Die jüngsten Bestrebungen von Amazon zeigen dabei deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel zwischen digitalem Kaufakt und physischer Bereitstellung eingestuft wird. Der Online-Händler übernimmt zunehmend selbst die Zustellung und demnächst auch den Ferntransport durch die Luft. Wer es sich leisten kann und die Volumen hat, kontrolliert so den Ablauf des Gesamtgeschäftes – end-to-end. Dort wo die Volumen fehlen, bleibt es bei der Arbeits- und Aufgabenteilung zwischen Handels- und Logistik-Unternehmen.

Die Vorteile der end-to-end Kontrolle liegen auf der Hand: Bessere Planung der Transportkapazitäten insbesondere in saisonal-bedingten Spitzenzeiten und bessere Kontrolle der Schnittstelle mit dem Konsumenten. Zudem: Wer den Dash Button oder das Dash Direkt Nachfüllsystem nutzt, wird Preisvergleiche bei alternativen Anbietern wahrscheinlich nur sporadisch durchführen. Ein Aspekt, den auch schon die Verbraucherschützer auf den Platz gerufen hat.

Wie das Beispiel Dash-Button zeigt, treibt die Digitalisierung Innovationen in der Logistik und Plattform-Ökonomie. Amazon ist mit der Idee nicht allein. Xerox hat zum Beispiel ermittelt, dass fehlender Toner der häufigste Grund dafür ist, dass Nutzer nicht drucken können. Deshalb hat das Unternehmen im Bereich der Dokumententechnologie einen automatisierten Nachschub-Service eingeführt.

Von den Innovationen profitieren nicht nur Hersteller und Händler. Die neuen Nachschub Dienste – ob für Haushalte oder Organisationen – werden dabei helfen, den Konsumenten und Geschäftskunden Zeit und Geld zu sparen. Aber auch, Lagerplatz zu reduzieren und Abfälle aufgrund nicht mehr verwendbarer Produkte zu vermeiden. Diese Entwicklung ist gut für die Umwelt. Vorteilhaft ist zudem, Aufträge miteinander zu kombinieren, um die Anzahl der Anfahrten für Lieferungen zu reduzieren – und damit auch Energieverbrauch und Emissionen.

Die vorgenannten Beispiele sind wahrscheinlich nur der Anfang einer Revolution der neuen Dienste entlang der Supply Chain. Diese wird durch das Internet der Dinge mit den zahllosen vernetzten intelligenten Geräten angetrieben. Warum sollten Haushaltsgeräte nicht nur Verbrauchsmaterial ordern, sondern – wenn nötig – auch Ersatzteile oder gar den Service-Techniker? Viele Bereiche werden sich in Zukunft überschneiden, viele neue Angebotspakete werden geschnürt werden. Die Entwicklungen in der Versorgungswirtschaft, in der Supply Chain werden an Fahrt aufnehmen.

Mit den Möglichkeiten und Vorteilen, dem neuen Komfort entstehen auch neue Standards und Risiken. Heutige Lieferketten sind auf die aktuellen Entwicklungen wenig vorbereitet. Die Frequenz und Geschwindigkeit, mit welcher die Supply Chain Waren und Güter an Organisation, Geschäfte und Endverbraucher liefert, wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor – für Handels- und Logistikunternehmen. Die Lieferung am selben Tag wird in Ballungszentren und für wesentliche Produkte zur Norm. Zudem kann alles, was mit dem Internet verbunden ist, gehackt werden. In der hypervernetzten Welt steht unsere Sicherheit einmal mehr auf dem Spiel – sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz. Das Risiko liegt dabei zum einen in der Möglichkeit, dass Hacker die Kontrolle der Geräte übernehmen können. Zum anderen besteht die Gefahr, dass persönliche Daten ebenso wie geheime Forschungsdaten von Kriminellen entwendet werden. Das Problem: Nach Einschätzung von Experten ist es sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, ein vollkommen sicheres System zu entwickeln. Während der Dash-Button selbst keine direkte Gefahr darstellt, schafft die Tatsache, dass “Dinge” miteinander mittels Internet kommunizieren, potenzielle Hintertüren in Häuser und Organisationen sowie wertvolle “Datenkammern” – zum Beispiel den möglichen Zugang zu sensiblen Daten in den digitalen Archiven der Arztpraxen oder selbst zur Steuerungszentrale der Straßenbahn, mit der wir morgens zur Arbeit fahren.

Werden wir bunte Marken-Tasten auf allen Geräten anbringen? Wohl kaum. Das wahrscheinlichste Szenario ist wohl die schrittweise Erhöhung der Anzahl der angeschlossenen “intelligenten Dinge”, die via Computer, Smartphones, Tablets und verschiedenen Wearables abgefragt und aktiviert werden können. Einige “Dinge” entscheiden und handeln dabei zudem autonom. Der Apple HomeKit – eine Lösung zur smarten Steuerung von Wohnungen, Häusern und anderen Gebäuden – gibt einen ersten Eindruck, wie sich Geräte in der vernetzen Welt holistisch steuern lassen. Die angeschlossenen Accessoires, beispielsweise Leuchten, Sonnenblenden und Garagentore können bequem vom Sofa und per Smartphone bedient werden. Vielleich machen diese neuen Möglichkeiten Lösungen wie den HomeKit nicht nur zu leistungsstarken sondern auch zu stilvollen Haushältern von morgen.

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